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Video-Filmkritik : Erwachsen werden im Wilden Westen: „True Grit“

Bild: Paramount

Der Western „True Grit“ ist für zehn Oscars nominiert. Das liegt an einem phänomenalen Jeff Bridges, einer umwerfenden Hailee Steinfeld und einem bitterbösen Josh Brolin.

          Diesen Film gab es schon einmal. Da hieß er auch schon „True Grit“, das war 1969, ein Zeitpunkt in der Welt- und Kinogeschichte, zu dem wirklich niemand einen Western brauchte, in dem der alternde John Wayne immer wieder betrunken vom Pferd fällt. Er bekam dafür seinen einzigen Oscar, immerhin, aber es war auch das Jahr von „Easy Rider“, und das amerikanische Kino brach in eine ganz andere Richtung auf.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Beim Wiedersehen des alten Films hat man den Eindruck, Henry Hathaway habe ohne allzu großes Interesse routiniert und nur in einigen Szenen mit eminentem Spaß die Geschichte der Mattie Ross verfilmt, die nach dem Mord an ihrem Vater aufbricht, um mit Hilfe eines Marshals und eines Texas-Rangers den Täter zu stellen. Und es sind genau diese wenigen Szenen, in denen Hathaway ein bisschen aufdreht, die sich im Film der Coen-Brüder als offensichtliche Hommage an den Vorgänger wiederfinden - etwa wenn sich Jeff Bridges, der die Rolle John Waynes übernommen hat, reitend die Zügel zwischen die Zähne klemmt und beidhändig schießend auf die Banditen losstürmt.

          Was die Coens an dem Stoff gereizt hat, war jedoch weniger der alte Film als das Buch, das ihm zugrunde liegt. Charles Portis hat es 1968 geschrieben, inzwischen gilt es als Klassiker der amerikanischen Literatur. Die Brüder Coen bleiben näher an dieser Vorlage als Hathaway, und das bedeutet, dass ihre Dialoge so klingen, als würden sie Mitte des neunzehnten Jahrhunderts gesprochen, zu der Zeit, in der die Geschichte spielt - sie sind oft schlagfertig, immer wieder von biblischem Ernst und manchmal, wenn ein Witz gemacht wird, von grotesker Langsamkeit.

          Hinter den Gleisen beginnt der Wilde Westen

          Schon am Anfang schneit es, während wir Mattie zuhören, wie sie vom Mord an ihrem Vater erzählt. Es ist Nacht, und die Kamera von Roger Deakins nähert sich langsam dem Haus in Fort Smith, vor dem ihr von einem seiner Angestellten niedergestreckter Vater liegt. Als es Tag wird, kommt Mattie in Fort Smith an, gerade rechtzeitig zur öffentlichen Hinrichtung dreier Banditen.

          Der Zug, aus dem sie steigt, rollt langsam gegen den Rammbock, der die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis markiert. Wo die Eisenbahnstrecke endet, beginnt der Wilde Westen. Dorthin, ins Indianergebiet, hat sich der Mörder abgesetzt. Und von dort hat der Marshal die Banditen, die gerade hängen, wieder zurückgebracht, um sie dem Gesetz zu überstellen, was, so hofft Mattie, auch das Schicksal des von ihr Gesuchten sein wird.

          Einbrüche drastischer Gewalt

          All dies sind geläufige Westernmotive, die dadurch ihren besonderen Dreh bekommen, dass es eine Vierzehnjährige ist, die auf Rachefeldzug geht, dass der Marshal Rooster Cogburn, den sie anheuert, ein Säufer ist, dem der Finger ziemlich locker am Abzug sitzt, und dass sich zu ihnen ein Mr. LaBoeuf (Matt Damon) gesellt, dessen glitzernde Sporen und Fransenhemd schon seine Zukunft als Star einer Wildwestshow andeuten.

          Die Einbrüche drastischer Gewalt kommen schockartig in diesem geradeaus und ohne Abschweifung erzählten Film. Der Schlag, mit dem ein Gehenkter zu Boden fällt. Der Griff des Marshals in LaBoeufs blutigen Mund, nachdem dieser niedergeschlagen wurde. Der Messerhieb, der einen Gauner die Finger kostet. Der Rückstoß eines alten Colts, der Mattie in eine Schlangengrube wirft - wie Alice ins Wunderland stürzt Mattie da hinab zu verwesten Leichen, zwischen denen ein Messer blitzt, das möglicherweise ihre Rettung sein kann. Mattie im Wilden Westen, das ist tatsächlich ein bisschen wie Alice im Wunderland: eine Geschichte vom Erwachsenwerden.

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