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Video-Filmkritik : Erstes Happy End des Jahres: „Der Auftragslover“

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Bild: Universum

Der professionelle Herzensbrecher Alex stößt bei der unberührbaren Juliette an seine Grenzen. Romain Duris und Vanessa Paradis harmonieren perfekt in „Der Auftragslover“.

          Setzen Sie bitte folgende Adjektive in Ihrem Kopf zu einem Film zusammen: leicht, elegant, flirrend, beschwingt, schnell und sehr, sehr lustig. Dann haben Sie ungefähr eine Ahnung, was den Charme einer Komödie ausmacht, an der tatsächlich das einzig Schlechte ihr dämlicher deutscher Titel ist: „Der Auftragslover“.

          Im Original hieß er „L'Arnacoeur“, was sich aus den französischen Worten für Betrüger und Herz zusammensetzt; in Amerika lief er im Herbst als „Heartbreaker“, auch besser - und gleichzeitig eine Berufsbeschreibung des Protagonisten. Der, er heißt Alex Lippi und wird vom französischen Filmstar Romain Duris gespielt, ist nämlich professioneller Herzensbrecher: Menschen, die der Meinung sind, eine Bekannte oder Verwandte von ihnen stecke in einer unglücklichen Beziehung fest, können ihn anheuern, diese auseinanderzubringen.

          Seine Methode: Verführung. Sein Berufsethos: Er nimmt den Auftrag nur an, wenn wirklich zweifelsfrei feststeht, dass die Frau kreuzunglücklich ist. Dann legt er los, bringt mit seinem Team, das aus seiner Schwester und deren Ehemann besteht, in detektivischer Recherche alles in Erfahrung, was es über die Unglückliche in Erfahrung zu bringen gibt, Vorleben, Vorlieben, geheime Wünsche, Sehnsüchte, Hobbys und so weiter. Und schließlich trifft Alex perfekt gebrieft auf die Ahnungslose, ist alles, was deren Partner nicht (mehr) ist, hört zu, fühlt sich ein, alle Klischees darüber, was Frauen sich angeblich von Männern wünschen, werden hier hemmungslos durchgespielt.

          Rollenakrobatik für eine harte Nuss

          Je nach Auftragslage singt er auch im Gospelchor, spielt auch Eishockey, liebt auch Sushi und so fort. Schlüpft in jede erforderliche Rolle und muss der Ahnungslosen als Mann ihrer Träume erscheinen, als Antwort auf all ihre bislang unerhört verhallten Stoßgebete. Natürlich wird sie sich in ihn verlieben. Natürlich kommt es zu einem ersten Kuss (die immer gleiche Herleitung gehört zu den sichersten Lachern des Films). Doch dann verschwindet Alex wieder aus ihrem Leben, lässt die Frau verwirrt, aber hellwachgeküsst zurück. Sie wird sich trennen, Alex und sein Team bekommen ihr Honorar, und es wird für alle zum Besten sein.

          So weit der temporeich erzählte Auftakt des Films. Doch nun kommt Vanessa Paradis ins Spiel, die Juliette van der Beck spielt, eine ebenso attraktive wie erfolgreiche Weinexpertin, Tochter aus bestem Pariser Hause, Typ extrem harte Nuss. Aus Gründen, die im hohen Tempo des Films auch bei zweimaligem Sehen nicht klar wurden, hat Juliettes Vater Alex und sein Team beauftragt, seine Tochter und deren Verlobten, einen ebenso attraktiven wie erfolgreichen englischen Geschäftsmann, Typ perfekter Schwiegersohn, auseinanderzubringen.

          Schweizer Uhrwerk auf Speed

          Bloß: die beiden sind glücklich! Lieben sich wirklich! Sind bis über beide Ohren ineinander vernarrt! Unter normalen Umständen also ein inakzeptabler Fall. Doch aus Gründen, die im allgemeinen Schlag-auf-Schlag ebenfalls untergehen und ja auch vollkommen egal sind, steckt Alex gerade in einer schlimmen finanziellen Notlage, jedenfalls ist ein finsterer Geldeintreiber hinter ihm her. Er kann diesen Auftrag unmöglich ablehnen. Um alles noch schlimmer zu machen, hat er nur zehn Tage Zeit. Dann soll die Hochzeit sein, die es unter allen Umständen zu verhindern gilt.

          Ab nun läuft der Film nach altbewährtem Muster gegen die Zeit. Die Drehbucheinfälle sind so präzise getaktet wie ein Schweizer Uhrwerk auf Speed; es kommt zu Verfolgungsjagden, die genauso rasant sind wie die Dialoge, einen unschlagbaren Höhepunkt stellt eine Tanzszene dar, für die „Dirty Dancing“ Pate stand. Es ist ein Film, wie ihn Hollywood in Zeiten von Jennifer Aniston nicht mehr hinbekommt: eine romantische Komödie, die wirklich beides ist (anstatt spießig und kitschig). Und so glamourös und voll chaotischem Slapstick, als hätte man „Über den Dächern von Nizza“ mit dem „Rosaroten Panther“ zusammengemixt und dann kräftig durchgeschüttelt.

          Grandios besetzte Nebenrollen

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