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Video-Filmkritik : Eine von uns

Video-Kritik: Potente, Damon in "Die Bourne Identität" Bild: UIP

In „Die Bourne Identität“ spielt Franka Potente eine normale junge Frau, die es in einen Agententhriller verschlägt. Ihre Rolle erst macht den Film originell.

          4 Min.

          Der Film, in dem Franka Potente ihre erste richtige Hollywood-Hauptrolle spielt, hat zunächst einmal einen fürchterlichen Titel. Und das gerade deshalb, weil man ihn direkt aus dem Englischen übersetzt hat: Aus „The Bourne Identity“ wurde „Die Bourne Identität“.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer nicht weiß, dass es sich bei Bourne um einen Namen handelt, könnte dieses Wort vielleicht mit „Born“ verwechseln und das „Die“ englisch aussprechen. Was gar nicht so abwegig wäre, weil es in dem Film sowohl ums Sterben als auch um eine Art Wiedergeburt geht. Spätestens, wenn man dann aber zur „Identität“ kommt, hat man sich im deutsch-englischen Sprachgewirr verheddert. Hätten sie nicht wenigstens, wie es korrekt wäre, zwischen „Bourne“ und „Identität“ einen Bindestrich setzen können?

          So ist es eben, wenn ein Verleih werkgetreu sein möchte. Wäre man danach gegangen, wie sich der Film hierzulande am besten verkaufen ließe, dann hätten sich zahlreiche andere Titel angeboten: „Lola rennt nach Hollywood“ zum Beispiel. Oder „Unsere Franka in Amerika“. Möglicherweise auch „Die Potente-Identität“. Mindestens der erste dieser Titel, vielleicht aber auch alle drei wurden von deutschen Journalisten für ihre Franka-Potente-Porträts und -Interviews herangezogen, die man in den vergangenen Tagen überall lesen, sehen und hören konnte. Deutschland, zumindest aber seine Medien, sind im Franka-Fieber.

          Die Deutschen in Hollywood

          Es kommt schließlich selten genug vor, dass man in amerikanischen Filmen deutsche Schauspieler sehen kann. Meist sind ihre Auftritte so kurz, dass man Gefahr läuft, sie zu verpassen, wenn man kurz mal aufs Klo geht, und manchmal sind sie nichts weiter als ein PR-Gag, der Film wie Darsteller in Deutschland nach vorn bringen soll - ohne dass der Betreffende ernsthafte Chancen auf eine Hollywood-Karriere hätte: Feldbusch, Stahnke, Gottschalk heißen die abschreckendsten Beispiele. Und jemand wie der Muskelmann Ralph Möller mag in Hollywood zwar passable Rollen in erfolgreichen Filmen wie „Gladiator“ bekommen, ist in seinem Geburtsland aber immer noch zu unbekannt, als dass er uns wirkliches Identifikationspotential böte.

          Ganz anders Franka Potente. Ihre Laufbahn haben wir von Anfang an verfolgen können. Wir haben erlebt, wie sie in „Nach fünf im Urwald“ gegen ihre Eltern rebellierte, begleiteten sie, die Taubstumme in „Bin ich schön?“, auf eine sprach- und ziellose Reise durch Spanien, litten mit ihr in „Der Krieger und die Kaiserin“. Und natürlich verfolgten wir gebannt ihre verzweifelten Versuche, als rennende Lola das Leben ihres Freundes zu retten. Was auch immer sie tat, wir waren dabei, und sowohl in ihren Filmen als auch in ihren Interviews gab sie uns das Gefühl, eine von uns zu sein, die kleine Schwester oder gute Freundin. Geboren in Münster, Abitur in Dülmen, Uni in München: ein typischer deutscher Lebensweg. Mit dem Unterschied, dass wir anderen so typisch geblieben sind, während sie zum internationalen Filmstar avancierte - und Johnny Depp und Elijah Wood küsste. Darauf aber hätten wir eigentlich auch gar keine Lust.

          Schüsse aus dem Hinterhalt

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