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Video-Filmkritik : Ein schönes Paar: „Sherlock Holmes“

Bild: Warner Bros.

Guy Ritchies Neuverfilmung des Detektivklassikers zeigt einen lässigen Robert Downey Jr. als Meisterdenker, dem man beim Kombinieren förmlich zusehen kann.

          Wer Hans Albers und Heinz Rühmann für die Idealbesetzung von Sherlock Holmes und seinem Gehilfen Dr. Watson hält, wird mit diesem Film nicht glücklich werden. Und wer glaubt, die beiden seien zwar einerseits durch ihre detektivische Brillanz, andererseits aber auch in einer immer schon etwas ältlich anmutenden Männersymbiose verbunden, deren möglicherweise erotische Grundierung längst zu Staub zerfallen ist, wird sich wahrscheinlich ebenfalls nicht amüsieren, wenn er Robert Downey Jr. und Jude Law zuschaut, wie sie in deutlicher Schwärmerei füreinander darüber sprechen, wer wessen Kleider trägt.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Und selbst wer ohne besondere Leidenschaft für Holmes, Watson oder die Marotten ist, die ihr Schöpfer Arthur Conan Doyle ihnen angedichtet hat, kann sich immer noch fragen: Was hat Guy Ritchie, der britische Regisseur von so stilisierten Gangsterkomödien wie „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ und „Snatch“, mit Sherlock Holmes am Hut? Oder, weniger neutral gefragt: mit einem superintelligenten Detektiv und seinen Fällen, die nicht in der physischen Konfrontation, sondern durch scharfsinnige Kombination im Kopf gelöst werden?

          Zusammengeflickter Plot

          Wie auch immer es gekommen sein mag, dass Holmes in Ritchies Händen landete - das Ergebnis ist eine seltsame, durchaus zeitgemäße und keineswegs dämliche Variante. Im Mittelpunkt steht natürlich Robert Downey Jr., der noch jeder seiner Rollen einen derartig lässigen Sexappeal gibt, dass selbst die unzweifelhafte Verschrobenheit von Holmes dem nichts anhaben kann. Wobei Ritchie auf einiges verzichtet, die Pfeife meistens und immer den Hut. Natürlich hilft dabei auch, dass Ritchie einen Teil des genialischen Denkens, das ja der Hauptcharakterzug des Detektivs ist, nach außen gestülpt hat. Das heißt, er zeigt uns in Zeitlupe, wie Holmes gedanklich die Überwältigung eines Gegners antizipiert, einen Schlag hier plaziert, berechnet, welche Muskeln dabei zermatscht werden, dann den zweiten Schlag auf den Knochen setzt, der damit freigelegt ist, kalkuliert, wohin der Kopf dann ausweicht, um ihn genau dort schließlich zu treffen.

          Das sind so Effekte, mit denen Ritchie uns überrascht und für eine Weile vergessen lässt, dass Holmes eigentlich kein Actionheld ist. London um 1890 sieht angemessen dreckig aus, die Tower Bridge ist noch im Bau, und auch wenn die Schauplätze großenteils computergeneriert wurden, geben sie dem Ganzen ein viktorianisches Ambiente, das in seiner stilisierten Form deutlich besser aussieht als die Studiosets so vieler anderer Holmes-Verfilmungen.

          Die Geschichte kann mit dem Stilwillen nicht mithalten. Ein teuflischer Lord wird für eine Reihe ritueller Frauenmorde hingerichtet, steht aber offenbar von den Toten wieder auf, um weiteres Unheil anzurichten und schließlich das gesamte Oberhaus, so seine Mitglieder ihm nicht zu folgen gewillt sind, chemisch verdunsten zu lassen. Ein idiotischer Plot, ohne große Sorgfalt zusammengeflickt, mit ein paar Anleihen am „Da Vinci Code“ und einer winzigen Rolle für Professor Moriatry, Holmes mächtigen Gegenspieler in den Büchern Doyles. Auch sein Auftauchen spricht dafür, dass wir uns auf eine Fortsetzung einstellen können.

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