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Video-Filmkritik : Die zwei Körper des Mickey R.

In den Achtzigern war er ein Star, in den Neunzigern ein gefallener. Nun ist Mickey Rourke als „The Wrestler“ das Comeback gelungen. Als lädierter Muskelkoloss werden ihn viele einfach abstoßend finden, doch Rourke trägt den Film mit unnachahmlicher Präsenz mühelos fast ganz allein.

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          Das soll der schöne Johnny sein? Oder der Börsenmakler John, der Kim Basinger 9 ½ Wochen glühen ließ? Der smarte Robert, den sie „Boogie“ nannten, der mit seinen Freunden im „Diner“ saß? Dieses Körpermassiv aus Muskeln und Fett, das auf einem viel zu kleinen Stuhl vor einem viel zu kleinen Tisch sitzt und aussieht wie ein böser Riese, der in einem Kinderzimmer notgelandet ist? Da ist auch noch eine dieser glitzernden Strampelhosen, an denen man sofort den Wrestler erkennt, in Giftgrün, dazu eine strähnige, ungepflegte, blonde Mähne zur Hähnchenbräune aus dem Solarium.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Mann ist fertig, und wenn er sich steifbeinig und mühsam angezogen hat, muss er erst sein Hörgerät anschalten, bevor er sich in seinen Dodge Ram setzt und zu einem dieser Trailerparks fährt, die zwar eine Postadresse haben, aber immer im Nirgendwo liegen. An der Tür zu seinem Wohnwagen hat der Vermieter das Schloss ausgetauscht, weil er die Miete nicht bezahlt hat, und so muss er im Auto schlafen. So sieht einer aus, der ziemlich am Ende ist und so ungefähr der Einzige, der das nicht wahrhaben will.

          Tobsuchtsanfall wegen Chihuahua

          So sieht „The Wrestler“ aus, und „The Wrestler“, das ist Mickey Rourke, der Mann, der mal „Johnny Handsome - der schöne Johnny“ war, und man muss sich nicht sonderlich anstrengen, um die Parallelen zu sehen zwischen Randy „The Ram“ Robinson und dem Mann, der ihn spielt. Darren Aronofsky hat ja nicht zufällig an ihn gedacht, als er sich entschloss, das Drehbuch von Robert B. Siegel zu verfilmen. Aber das Interessante sind nicht die Parallelen, welche sich bekanntlich erst im Unendlichen berühren, es sind die Momente, in welchen die Linien auseinanderzustreben scheinen und den Mann auf der Leinwand immer wieder in die Vorhölle schlechtbezahlter Wrestling-Abende führen und seinen Darsteller ins Kodak Theatre mitten in Hollywood, wo heute Nacht die Oscars vergeben werden.

          Es gab mal eine Zeit, da hätte man keinen Gedanken an solche Parallelen verschwendet, damals in den Achtzigern, als Mickey Rourke ein Star war, sexy und gefährlich, sanft und bedrohlich, als er seine Tolle trug und vor sich hin murmelte wie der junge Brando und sich abseits der Leinwand wie die bad guys aus seinen Filmen benahm. Er habe damals geglaubt, sein Schauspieltalent sei zu groß für Hollywood, hat er jetzt in einem Gespräch mit der „New York Times“ gesagt, und weil er es nicht besser gewusst habe, habe er sich damals mit allen Leuten angelegt und gar nicht gemerkt, wie selbstzerstörerisch das war. Er kam mit seinen Leibwächtern, Hell's-Angels-Rockern, an den Set, er machte dem Regisseur Alan Parker bei „Angel Heart“ die Arbeit zur Hölle, und er bekam, als er das Sequel zu „9 ½ Wochen“ drehte, einen Tobsuchtsanfall, weil der Regisseur Rourkes geliebten Chihuahua partout nicht im Film dulden wollte.

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