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Video-Filmkritik : Die Vorgeschichte der RAF: „Wer wenn nicht wir“

Bild: Senator

Andreas Veiels Film „Wer wenn nicht wir“ erzählt die Geschichte von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper, die ein Paar waren, bevor Andreas Baader und die Faszination der Gewalt auftauchten.

          3 Min.

          Brauchen wir noch einen Film über die RAF? Einen Spielfilm, der die Möglichkeit zeigt, dass es hätte anders kommen können (oder dass die Entwicklung zwangsläufig war), und der aufhört, wenn beginnt, was gesicherte Geschichte ist, nämlich Trainingslager, Banküberfälle, Entführungen, Morde, Prozesse, Selbstmorde? Wo ist die Lücke in unserem Verständnis jener grausamen Jahre, die im Herbst 1977 ihren Höhepunkt fanden?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Gibt es eine Vorgeschichte, die wir nicht zur Kenntnis genommen, etwas, das wir noch nicht verstanden haben, das sich erzählen ließe, ohne die jungen Leute, die Baader, Ensslin, Meinhof und die anderen damals waren, ihre Motive und ihre Taten zu glorifizieren, zu entschuldigen, zu mythologisieren, wie die geläufigen Vorwürfe gegen die zahlreichen Filme zur RAF lauten?

          Andres Veiel ist einer der bedeutendsten, skrupulösesten Dokumentarfilmer Deutschlands. In „Black Box BRD“ hat er sich vor zehn Jahren mittels Gegenüberstellung der Biographien von Wolfgang Grams, der 1984 in den Untergrund ging und 1993 von der Polizei erschossen wurde, und Alfred Herrhausen, dem damaligen Chef der Deutschen Bank, der 1989 Opfer eines Attentats der RAF wurde, bereits mit der jüngeren deutschen Geschichte beschäftigt. Damals ging es um die dritte Generation der RAF.

          Vorgeschichte der „Rote Armee Fraktion“

          Für sein Spielfilmdebüt „Wer wenn nicht wir“, das bei den Berliner Filmfestspielen vor gut zwei Wochen den Alfred-Bauer-Preis gewonnen hat, geht Veiel noch einmal zwanzig Jahre weiter zurück und erzählt eine Geschichte, die in seinen Augen eine, wenn nicht die Vorgeschichte der „Rote Armee Fraktion“ ist. Vorlage und Inspiration war ihm Gerd Koenens Buch „Vesper, Ensslin, Baader - Urszenen des deutschen Terrorismus“. Vesper spielt August Diehl, Lena Lauzemis ist Gudrun Ensslin, und Alexander Fehling verkörpert Andreas Baader.

          Der Film beginnt mit einer Schlüsselszene aus der Biographie von Bernward Vesper - wie dessen Vater, der Nazidichter Will Vesper, seine Katze erschießt. Da ist Bernward etwa acht, und der Vater erklärt ihm, die Katze, die ein Rotkehlchennest geplündert hat, gehöre zu den „Juden unter den Tieren“. Später wird Bernward, dessen literarisches Talent vom Vater erkannt wird, was ihn zeitlebens abhängig von dessen Zuwendung machen wird, in seinem eigenen Verlag die Blut-und-Boden-Dichtungen Vespers neu herausbringen und nationalistische Blätter um Rezensionen bitten. Eine dieser pompösen Besprechungen schreibt tatsächlich seine Freundin Gudrun Ensslin. Der Sohn, so sieht es aus, bringt zum Abschluss, was sein Vater nicht vollenden konnte - bevor er sich unter größten Schuldgefühlen abwendet, in der Studentenbewegung mitläuft, drogensüchtig wird und schließlich Selbstmord begeht.

          Die politischen Begleitumstände

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