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Video-Filmkritik : Wie Gummifiguren, na und?

Bild: 20th Century Fox

Mit „Peanuts“ kommt die Trickfilmversion des erfolgreichsten Comic-Strips in die Kinos. Man hat ihr vorgeworfen, gegen den Geist ihres Schöpfers zu verstoßen, doch das ist falsch.

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          „Eines Tages“, erzählte Charles M. Schulz 1997 in einem Interview mit Gary Groth, dem Chefredakteur der Zeitschrift „The Comics Journal“, „kam eine Firma, die kleine Gummifiguren herstellen wollte. Und was ist so schlimm daran?“ Wie kann es einen Künstler korrumpieren, wenn er für eine Arbeit noch einmal honoriert wird, die er schon veröffentlicht hat? Der Spielzeughersteller wollte vom Erfolg der „Peanuts“ profitieren und Schulz dafür bezahlen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Ähnliche Verträge schloss Schulz mit den Ford-Werken, einem Versicherungskonzern, einer auf Toastbrot spezialisierten Riesengroßbäckerei und vielen weiteren Lizenznehmern und Werbepartnern. Diese Firmen erwarteten nicht, dass Schulz Schleichwerbung in den von allen überflüssigen Details gereinigten Bezirk der vier Bilder seines täglichen Comicstrips schmuggelte. Die Figuren sollten bleiben, was sie waren; die Gummidoppelgänger spekulierten gerade auf die Unverwechselbarkeit der Originale.

          Abwesenheit von Eltern

          Erstaunlich genug, dass Charaktere, die Tag für Tag wieder lernen, sich philosophisch ins Unvermeidliche zu schicken, als Werbebotschafter für einen Lebensversicherer ausgewählt wurden. Erstaunlicher vielleicht noch, dass es Spielzeugfiguren gibt, obwohl man beim Nachspielen von „Peanuts“-Episoden die Rituale der Grausamkeit von Schulkameraden und Geschwistern durchspielen müsste. Tantiemen für Nippes, Tinnef und Glückwunschkarten machten Schulz, den 1922 in Minneapolis geborenen Sohn eines Friseurs, zum schwerreichen Mann.

          Die Funktion des Geldes wird in der maßvoll wohlhabenden Vorstadtwelt der „Peanuts“, in der sowohl Mütter als auch Väter den Tag über abwesend sind, weder verborgen noch mystifiziert. Lucy stellt Charlie Brown für ihre psychologischen Beratungsdienste im Vorgarten stets den Standardsatz von fünf Cent in Rechnung, obwohl ihre Schocktherapien keine Abhilfe schaffen. Auch der Vater von Schulz wird in seinem Frisiersalon feste Tarife verlangt haben. Psychologische Probleme wachsen nach, wie die Haare.

          Charaktere voller Weisheit und Trotz

          Charles M. Schulz war nicht nur ein genialer Comiczeichner und -autor, sondern auch ein begnadeter Zweitverwerter der eigenen Geschöpfe. Darin ist nichts Böses, verglichen etwa mit dem Geschäftsmodell jener Zeichenschule, bei der er einen Fernkurs belegte und später selbst als Lehrer angestellt wurde. Aussicht auf eine Berufstätigkeit als Cartoonist hatte nur ein kleiner Teil derer, die die Unterrichtsmaterialien mit der Post bestellten und brav ihre Übungsarbeiten einschickten.

          Im Interview mit dem „Comics Journal“ war das Thema Merchandising in einem politischen Kontext aufgekommen. In den siebziger Jahren gab es eine Folge, in der Charlie Browns Schwester Sally ihrem Bruder flüsternd ein furchtbares Geheimnis anvertraute: Sie hatten in der Schule gebetet! Beide Seiten im Kulturkrieg um das vom Obersten Gerichtshof verbotene Gebet in der öffentlichen Schule wollten diese Sequenz in ihrem Werbematerial verwenden. Zur Überraschung von Groth gab sich Schulz als entschiedener Gegner des Schulgebets zu erkennen; das hatte der Interviewer der Begebenheit mit Sally nicht entnommen. Gerade wegen seiner starken persönlichen Überzeugung, so Schulz, habe er die Nachdruckgenehmigung abgelehnt. Spricht aus dieser paradoxen Begründung die salomonische Weisheit eines Linus oder der trotzige Eigenwille einer Lucy?

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