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Video-Filmkritik : Der Oscar-Gewinner: „No Country for Old Men“

Bild: Universal

Der Beginn eines reifen Werks: „No Country For Old Men“ von den Coen-Brüdern, der große Sieger bei der diesjährigen Oscar-Verleihung, ist ein extrem verlangsamter Thriller, der nie seine Spannung verliert.

          Der Sheriff erzählt. Er erzählt, dass er die alten Geschichten gern hört von den Männern früher und dass man gar nicht anders kann, als sich mit ihnen zu vergleichen. Erzählt, wie er einmal einen Jungen festgenommen hat, der dann in die Gaskammer geschickt wurde, einen Jungen, der eine Vierzehnjährige ermordet hatte in einem Verbrechen aus Leidenschaft, wie die Zeitungen damals schrieben, der ihm aber gesagt hatte, dass Leidenschaft nun gar nichts damit zu tun hatte.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Er habe einfach jemanden umbringen wollen, solange er sich erinnern könne, und er wisse, dass er zur Hölle fahren werde, ungefähr in fünfzehn Minuten, nachdem der Sheriff ihn zum letzten Mal sah. Der Sheriff weiß nicht, was er von dieser Geschichte halten soll, und von den Verbrechen, mit denen er es jetzt zu tun hat, weiß er es auch nicht so genau. Man muss bereit sein, zu sterben in seinem Job, das ist ihm klar, und zu kämpfen, so viel steht fest. Aber wofür? Man müsste seine Seele aufs Spiel setzen und sagen: „Okay, ich bin Teil dieser Welt.“ Der Sheriff will aber in Rente gehen.

          Wir ahnen, was uns erwartet

          Mit diesem Monolog, den Tommy Lee Jones in einem weichen Texasgenuschel aus dem Off über die Bilder der Prärie an der Grenze zu Mexiko legt, in der nichts zu geschehen scheint, als dass die Sonne blutrot aufgeht, beginnt „No Country For Old Men“. Es sind die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts, und wir ahnen, was uns erwartet. Ein melancholischer Erzähler, der alles gesehen hat, was Menschen einander antun, und der um seine Gedanken dazu nicht viele Worte macht. Wahrscheinlich sehr viel Blut, so wie der Himmel leuchtet, so todtraurig, wie der Sheriff klingt. Und so kommt es auch, sofort.

          Ein Häftling, Anton Chigurh, reißt dem Polizisten, der ihn verhaftet hat, mit der Kette zwischen seinen Handschellen die Schlagader aus dem Hals. Und als es vorbei ist, sehen wir nicht nur den Blutsee, sondern auch die Stiefelspuren des Kampfes auf dem Linoleumboden, ein Todesgekrakel schwarz auf weiß. In der Prärie hat unterdessen Llewelyn Moss (Josh Brolin), der Antilopen jagen wollte, ein paar Autos entdeckt und viele Leichen - Zeugnis und Rest eines Drogengeschäfts, das danebenging. Er findet die Drogen, und er findet den Koffer mit dem Geld. Die Drogen, eine Ladefläche voll, lässt er liegen. Den Koffer nimmt er mit. Damit verbinden sich die Geschichten, und der Sheriff, Anton Chigurh und Llewelyn Moss werden Teil einer großen Erzählung von Rache, von Müdigkeit, vom Willen zum Glück und vom amerikanischen Westen, der diese Energien und ihr Verschwinden immer noch nährt.

          Oft selbstreferentiell und kalt

          Die Brüder Coen sind großartige Drehbuchautoren, mit einem genauen Ohr dafür, wie unterschiedlich Menschen sprechen, je nachdem, woher sie kommen, was sie tun - das wissen wir seit ihrem ersten Film, „Blood Simple“, bei „Fargo“ hat die Academy das mit ihrem ersten Drehbuch-Oscar gewürdigt, und das hat sich auch in den vergangenen Jahren, in denen ihre Filme (ihr Remake von „Ladykillers“ etwa) oft selbstreferentiell und kalt wirkten, nicht geändert.

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