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Video-Filmkritik: „Der große Gatsby“ : Die Bilder der letzten großen Party im Westen

Bild: Warner Bros.

Hoffnung, Gier und ein kleiner Rest von Unschuld: Heute Abend eröffnen die Internationalen Filmfestspiele in Cannes mit der Neuverfilmung des „Großen Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald durch den Australier Baz Luhrmann.

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          Es hätte ein Coup werden können. „Der große Gatsby“ in der Neuverfilmung von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio in der Titelrolle, einem Hiphop-Soundtrack statt des erwartbaren Ragtime, und das alles in 3D als Weltpremiere zu Eröffnung der Filmfestspiele in Cannes.

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Aber die Weltpremiere fand in New York statt, zwei Wochen vor Beginn des Festivals. Und der Film läuft seit einigen Tagen in den amerikanischen Kinos und hat bereits mehr als sechzig Millionen Dollar eingespielt, bevor in Cannes auch nur die erste Limousine aus der Garage rollt. Das Urteil der amerikanischen Kritiker: entschieden gemischt. Modemagazine haben längst erzählt und teilweise gezeigt, wie die Kleider aussehen, die Catherine Martin mit Miuccia Prada entworfen hat, es wurden Skizzen veröffentlicht, eine Ausstellung eröffnet, DiCaprio gab Interviews, und die Musik zum Film - mit Songs von Beyoncé Knowles, Lana Del Rey, Will.I.Am, Andre 3000 und vielen anderen, unter Leitung von Jay-Z, der auch einer der Produzenten des Films ist - gibt es auch schon zu kaufen. Am Donnerstag startet der Film auch in den deutschen (und französischen) Kinos. Was bleibt da noch für das Festival in Cannes?

          Côte d’Azur als perfekte Kulisse

          Immer noch ein großes Spektakel. Das Festival mit dem rigorosesten Dresscode unter den Filmfesten wird vom dekorativen Klimbim, vom Flapperkleid bis zum dreiteiligen Sommeranzug, profitieren und Stars in herrlichem Retrolook über den roten Teppich tänzeln sehen. Wenn dann auch noch die Sonne scheinen sollte, wird man denken: Ist es nicht wundervoll, fast wie damals, in den wilden Zwanzigern, als Partys gefeiert wurden wie seitdem nicht einmal mehr hier? Und wo wäre für eine Neuauflage ein besserer Ort als an der Côte d’Azur, wo ja auch die Fitzgeralds gern Cocktails tranken, tanzten und mondän waren? Und wo auch „Der große Gatsby“, das Buch, entstand?

          Der eine oder andere mag sich erinnern, dass es in Scott F. Fitzgeralds Roman, der dem Film zugrunde liegt, nicht um Partys geht, auch wenn ein Modeheft dieser Tage Jay Gatsby einen „Partyveranstalter“ nennt. Es geht auch nicht um Mode, selbst wenn die letzte Verfilmung des Buchs vor beinahe vierzig Jahren dafür verantwortlich ist, dass Ralph Lauren im Anschluss an die Anzüge im Film bis heute die Klamotten für die Sommergäste der gesamten Hamptons näht und mit seiner Landhausmode ein Imperium aufgebaut hat. „Der große Gatsby“ in der Verfilmung von vor vierzig Jahren sorgte auch dafür, dass weiße Vorhänge, leicht genug, sich im Wind zu blähen, plötzlich in allen Schlafzimmern wehten und dass bei Sommerkleidchen vorübergehend die Taille auf die Hüfte rutschte.

          Stilbildende Maßanzüge

          Möglicherweise geschehen ähnliche Dinge nun wieder, wobei wir mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit annehmen dürfen, dass Leonardo DiCaprio heute Abend nicht im pinkfarbenen Anzug, in dem Tom Buchanan den großen Gatsby im Buch vernichtet, die Stufen des Festivalpalasts emporklettern wird. Es ist das einzige Kostüm in der langen Serie seiner maßgeschneiderten Sommergarderobe, über das er sich beschwert hat. Daher können wir hoffen, dieses Outfit, eines der wenigen, die Fitzgerald tatsächlich beschreibt, werde für den Sommer 2013 nicht stilbildend sein.

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