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Video-Filmkritik : Camerons Comeback: „Avatar“

Bild: Twentieth Century Fox

Jeder seiner Filme ist ein Pionierprojekt. In „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ gelingt dem „Titanic“-Regisseur James Cameron wieder der uralte, magische Effekt des Kinos.

          Er kann halt einfach nicht anders. Immer größer, teurer, spektakulärer. Immer mehr. Jedes neue Projekt ein neuer Kontinent. James Cameron, 54, hat den erfolgreichsten Film der bisherigen Kinogeschichte gedreht, als er vor zwölf Jahren die „Titanic“ noch einmal versenkte. Er war in den Tiefen des Meeres, in der Zukunft, im All, weil die Welt ihm noch nie genug war. Er interpretiert sie, indem er einfach eigene Welten erschafft - wenn man mal von seiner „Titanic“ absieht, die ja ein Nachbau und ein detailbesessenes Reenactment war. Und während Schriftsteller wie Frank Schätzing nur den Mond besiedeln, reist Cameron in seinem neuen Film 4,4 Lichtjahre weiter, auf einen unbekannten Planten, wo die blauen Riesen wohnen und wo sich ein Rohstoff findet, der die Energieprobleme der Menschheit im Jahr 2154 lösen soll.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Avatar - Aufbruch nach Pandora“, in 3 D gedreht, 160 Minuten lang, mit einem Budget zwischen 250 und 300 Millionen Dollar, macht den Superlativ zum Stilprinzip. Kaum ein Regisseur ist derart getrieben von der Suche nach dem noch nie gesehenen Bild und zugleich von der Suche nach den technischen Verfahren, welche diese Bilder erst hervorbringen können. Jeder Cameron-Film war bislang eine technische Innovation, ein Pionierprojekt. Und zugleich bewegt sich jede neue Hightech-Exkursion auf einem alten ausgetretenen erzählerischen Pfad.

          Reise in eine fremde Kultur

          „Avatar“ ist die Reise eines Helden in eine fremde Kultur. Dazu gehören die Initiation und die wachsende Zerrissenheit zwischen dem Eigenen und Fremden, zwischen Liebe und Loyalität und schließlich, an der Weggabelung, die Entscheidung für die eine oder die andere Kultur. Das ist das Muster, dem, nur zum Beispiel, auch Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ folgte oder „Lawrence von Arabien“. In „Avatar“ kommt der querschnittsgelähmte Marine Jake (Sam Worthington) anstelle seines verstorbenen Zwillingsbruders in ein Forschungsprogramm auf den Planeten Pandora. Aus der DNS der Einheimischen, der Na'vi, und der menschlichen DNS hat man Avatare entwickelt, die durch eine spezifische Technologie vom menschlichen Hirn und von Gefühlsrezeptoren gesteuert werden. Diese Hybride können ohne Sauerstoffgerät in der Atmosphäre von Pandora überleben. Sie sind die Quartiermacher der Kolonialisierung, und mit der englischen Sprache sollen sie den Einheimischen auch, möglichst schonend, notfalls mit Gewalt, beibringen, dass ihr Planet ausgeplündert werden soll. Zugleich ist ihr Status prekär, weil der Avatar zur leblosen Hülle wird, sobald die reale Person sich von der Schnittstelle im Kontrollzentrum entfernt. Das Aufregende an „Avatar“ ist nun nicht diese unendlich oft genutzte Plotline. Das Ereignis ist die Erschaffung von Pandora und die seiner Bewohner.

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