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Video-Filmkritik : Die Obsession ist zum Stil geworden

Bild: F.A.Z., Warner Bros

Woody Allen kann es nicht lassen: auch in diesem Jahr erscheint wieder ein Film von ihm. „Café Society“ setzt auf Schauwerte statt Gefühle.

          2 Min.

          Woody Allens Stimme klingt etwas matt, wenn sie zum ersten Bild einsetzt, uns von den eleganten Menschen zu erzählen, die an diesem sonnigen Nachmittag in glamouröser Garderobe um einen Pool wandeln, Drinks zwischen den Fingern, Karrierepläne im Kopf, Intrigen in der Hinterhand und ein bisschen Sehnsucht nach echter Liebe irgendwo in einem versteckten Winkel ihres Herzens. Vielleicht ist er es selbst müde, uns immer wieder dieselbe Geschichte aufzutischen, mal historisch verpackt wie hier im Hollywood der vierziger Jahre, mal in zeitgenössischerem Setting wie in seinem letzten Film, „Irrational Man“. Woody Allen will und kann mit dem Filmemachen nicht aufhören. Und wir können nicht erwarten, dass er uns nach annährend fünfzig Filmen mit ganz Neuem überrascht. Vielleicht wird Woody Allens Werk nicht mit einem Schlusspunkt zu Ende gehen, sondern in einer langen Abblende, in der die Filme dünner und die Erzählerstimme immer matter werden.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Bis es so weit ist, kommt aber immer noch jährlich ein Film. Dieser hier gehört nicht zu den Peinlichkeiten wie „Ich seh den Mann deiner Träume“, aber sehr viel Besseres lässt sich über ihn nicht sagen. Jesse Eisenberg, linkisch, schlagfertig, ein wenig zu zuvorkommend, ist ein passables junges Alter Ego des Regisseurs als Junge Bob aus der Bronx, der nach Hollywood kommt, um in der Agentur seines Onkels Phil, gespielt von Steve Carell, Karriere zu machen. Aber das, wonach Allen immer Ausschau hält, das liefert ihm Kristin Stewart: jenen Starauftritt, der die Leinwand zum Leuchten bringt wie in der goldenen Zeit des Kinos, der Allen lange schon nachtrauert.

          Kristen Stewart spielt Vonnie, kurz für Veronika, Onkel Phils Sekretärin und Geliebte, wie sich herausstellt, als auch Bob längst in sie verliebt ist. Und sie in ihn. Wir kennen das alles aus anderen Woody-Allen-Filmen, es sind Themen, die den inzwischen Achtzigjährigen immer schon beschäftigten, voller Nostalgie für eine Zeit, in der Kino noch geholfen hat, sich aus der Welt zu stehlen, voller Hass-liebe zu Hollywood, das Allen bewundert und verachtet und das ihn lange links liegenließ. Erstaunlich ist, wie unverändert obsessiv sich sein Blick auf Männer mit obsessivem Begehren nach jüngeren Frauen richtet, wie vollkommen ignorant Allen gegenüber der Zeit bleibt, die derartigen Beziehungen nicht mehr so nonchalant gegenübersteht.

          Aber Kristen Stewart leuchtet. Sie leuchtet in dem Licht, das der große Kameramann Vittorio Storaro setzt, der überhaupt einige Eleganz und Fluidität und auch jene Romantik der Schauplätze in die Geschichte bringt, die Allen so wichtig ist. Denn an Gefühle glaubt er nicht. Seine Nostalgie richtet sich nur auf die Posen und die Ansichten, aufs Dekor. Was darin stattfindet, sind zynische Spiele mit bitterem Humor, dem Schicksal abgetrotzt, das dennoch macht, was es will. „Das Leben macht seine eigenen Pläne“, heißt es einmal. „Then one evening, in walks the past.“ Wer diese Erfahrung sucht, ist mit „Café Society“ gut bedient.

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