https://www.faz.net/-gs6-np1k

Video-Filmkritik: „Burn After Reading“ : Liebesgrüße aus Washington

  • -Aktualisiert am

Bild: Tobis

In „Burn After Reading“ schicken die Coen-Brüder Brad Pitt und George Clooney ins Spionagemilieu. Es wäre ein ganz normaler Agentenfilm, würden die Coens nicht alle Figuren so gegen den Strich bürsten, dass man sich über ihre Sonderbarkeiten totlachen muss.

          2 Min.

          Als Joel und Ethan Coen im Februar für „No Country for Old Men“ den Drehbuch-Oscar gewannen, bedankten sie sich beim Produzenten, dass er ihnen das Buch von Cormac McCarthy gebracht und sie einen Film daraus habe machen lassen. Das war's, kein Dank an Agenten, Anverwandte oder sonst wen.

          Als sie dann auch noch den Regie-Oscar gewannen, sagte Ethan, er habe dem, was er schon gesagt habe, nicht viel hinzuzufügen außer „Danke“. Sein Bruder Joel fügte immerhin noch hinzu, sie hätten schon als Kinder zusammen Filme gemacht. Als Ethan elf oder zwölf war, habe er sich einen Anzug und einen Aktenkoffer besorgt, und sie seien mit ihrer Super-8-Kamera zum Flughafen von Minneapolis gefahren und hätten einen Film mit dem Titel „Henry Kissinger: Man on the Go“ gedreht. Was sie heute machten, fühle sich nicht wesentlich anders an als das, was sie damals gemacht hätten. Und sie seien allen dankbar, die sie einfach weiterhin in ihrer Ecke des Sandkastens spielen ließen.

          Film als Sandkastenspiel

          Als sie dann auch noch den Oscar für den besten Film bekamen, gingen sie gar nicht mehr mit auf die Bühne, sondern ließen ihren Mitproduzenten Scott Rudin den Vortritt. Man kann also sagen, dass sich kaum ein Oscar-Gewinner je weniger beeindruckt vom Brimborium der Show gezeigt hatte als die beiden Brüder aus Minneapolis. Und wenn man will, so war ja auch alles gesagt: Film als Sandkastenspiel, das mag auf „No Country“ zuerst nicht so recht passen, aber zu vielen anderen ihrer Filme schon. Zwei Jungs, die mit ihren Plastikfiguren in ihrer kleinen Welt den größtmöglichen Schaden anrichten.

          Und der Zwölfjährige mit Anzug und Koffer als Kissinger, das ist im Grunde schon auch der ganze Witz von „Burn After Reading“. Man nehme ein paar Schauspieler, besetze sie gegen den Strich und sehe dabei zu, wie sie sich langsam die Köpfe einschlagen. Wir haben, sagen die beiden, allen Schauspielern gesagt: „Lasst euren inneren Schwachkopf raus!“ Das ist natürlich eine Methode von begrenzter Tragkraft, hat aber auch ihren unleugbaren Reiz. Und in „Burn After Reading“ denkt man über Ersteres nicht lange nach, sondern freut sich an Letzterem, denn die beiden verstehen es, dass man des Kicherns über die Sonderbarkeiten dieser Figuren nicht müde wird, sondern sich am Ende fast totlacht.

          Alles verwickelt sich

          Der Film spielt in der Welt der Geheimdienste - und Fitness-Studios. Die Geschichte ist, wie man sich denken kann, von bemerkenswerter Verwickeltheit. Ein Agent (John Malkovich) wird von der CIA entlassen, will sich mit seinen Memoiren rächen - die CD mit dem Manuskript landet jedoch auf Umwegen in der Umkleide eines Fitness-Clubs, wo die Trainerin (Frances McDormand) hofft, mit dem Material das Geld für ihre diversen Schönheitsoperationen erpressen zu können. Sie hat einen dümmlichen Kollegen (Brad Pitt), der ihr dabei zur Hand geht, einen Chef (Richard Jenkins), der in sie verliebt ist, und einen Lover (George Clooney), der allerdings auch eine Affäre mit der Frau (Tilda Swinton) des entlassenen CIA-Agenten hat. Und obwohl das Material keinerlei Brisanz besitzt, sind bald alle dahinter her - und der entstehende Schaden ist natürlich der größtmögliche.

          Der Trick der Coens besteht darin, dass sie einerseits die Unübersichtlichkeit von Spionage-Geschichten vervielfachen, sie andererseits aber auch ständig kommentieren, indem ein zunehmend verzweifelter CIA-Mann (David Rasche) seinem Vorgesetzten (JK Simmons) über den Fortgang des Irrsinns Bericht zu erstatten versucht. Diese Szenen sind erst recht zum Brüllen. Denn an Schadensbegrenzung ist nicht mehr zu denken. Man kann die Coens direkt hören, wie sie in ihrer Sandkastenecke vergnügt kichern.

          Weitere Themen

          Schwarze Titelseiten in Australien Video-Seite öffnen

          Ruf nach Pressefreiheit : Schwarze Titelseiten in Australien

          Einige der großen Tageszeitungen in Australien erschienen am Montag mit geschwärzten Titelseiten. Damit wollten die Blätter nach eigenen Angaben auf die australische Gesetzgebung aufmerksam machen. Diese erschwere Journalisten die Arbeit, biete keinen ausreichenden Schutz der Pressefreiheit und lasse etwa die Durchsuchung von Redaktionsräumen zu.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.