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Video-Filmkritik : „Bourne Ultimatum“: Die reine kinetische Energie

Solche Subtilitäten unterscheiden den Film vom Prinzip der Dauerleistungsschau im amerikanischen Action-Kino. Paul Greengrass, der nach dem Intermezzo bei „Flug 93“ auch im „Bourne Ultimatum“ wieder Regie geführt hat, drückt die durchschnittliche Einstellungsdauer mühelos unter zwei Sekunden, er löst den Plot in reine kinetische Energie auf, in ein Sperrfeuer der Bilder; es ist ein einziges Handkameragemenge, was insofern sehr cineastisch ist, als „movies“ und „to move“ zusammengehören, als Kinematograph ja wörtlich Bewegungsaufzeichner bedeutet. „Das Bourne Ultimatum“ beginnt, wo die „Bourne Verschwörung“ aufhörte, mit einer Unmittelbarkeit des Anschlusses, als wären zwischen beiden Filmen nur ein paar Sekunden vergangen und nicht drei Jahre. Kein so genannter Teaser wie in den Bond-Filmen, keine umständliche Exposition - der Auftakt lebt von der Gewissheit, dass alle Bescheid wissen und dass selbst jene, die den letzten Film nicht gesehen haben, unwiderstehlich hineingezogen werden. Bourne wird durch Moskau gejagt, er ist verletzt, und in dieser Bedrängnis suchen ihn Erinnerungen heim, an einen gefliesten Raum, an eine Situation, in der er etwas tun soll und sich weigert, woraufhin ihm zwei Männer eine schwarze Kapuze über den Kopf stülpen und ihn in ein Wasserbecken tauchen. Natürlich fällt einem da sofort Abu Ghraib ein.

Kick it like Bourne

Und wo immer die Jagd hinführt, über Turin nach Paris - wo Daniel Brühl einen sehr kurzen Auftritt hat -, nach London, Madrid, Tanger und schließlich nach New York, da ist keine Konzession an den gusseisernen Patriotismus zu spüren, auch wenn man vage politische Richtungsangaben bei Filmen wie der Bourne-Trilogie nicht allzu ernst nehmen sollte. Das CIA-Sonderprojekt, das sich nun „Blackbriars“ nennt und nicht mehr „Treadstone“, erscheint als Ausdruck einer Sicherheitshysterie, die sich über alle Gesetze hinwegsetzt - ein War-on-Terror, von dessen Skrupellosigkeit manche in den real existierenden US-Behörden bisweilen träumen mögen. Vernunft und Mäßigung verkörpert allein Joan Allens CIA-Direktorin, die sich dem paranoiden Technokraten (David Strathairn) an der Spitze von „Blackbriars“ widersetzt.

Der Film entwirft einen weitgehend rechtsfreien Raum, in dem auch die physikalischen Gesetze nur mit Einschränkungen gelten. So kann er ständig auf Hochtouren laufen und ein so reiches Arsenal an Tricks, Volten und Listen ausspielen, dass schon eine etwas längere Einstellung, ein Blickwechsel zwischen Bourne und der Agentin Nicky (Julia Stiles), die sich auf seine Seite schlägt, eine kleine Ewigkeit zu dauern scheint. „Wenn man das, was dem ,Bourne Ultimatum' seinen Kick gibt, auf Flaschen ziehen könnte, wäre es wahrscheinlich illegal“, hat ein amerikanischer Kritiker geschrieben. Viel weiter kann man es tatsächlich nicht treiben, zumindest nicht mit dem Bourne-Szenario. Und wenn die Schlusssequenz auch eine Hintertür offen lässt, die zu einem vierten Teil führen könnte - alle Fragen sind beantwortet, die sich nach den ersten zehn Minuten des ersten Films stellten, und es wäre daher ziemlich kurzsichtig, einfach weiterzumachen. Weil Jason Bourne am Ende weiß, wie er zu der Kampfmaschine wurde, die er drei Filme lang war, wäre jede Fortsetzung mit einer Selbstreferenz belastet, deren Mangel gerade das Bewegungsprinzip der Trilogie bildet.

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