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Video-Filmkritik : Augen auf dem Drehzahlmesser: „Cars 2“

Bild: Disney

Zum fünfundzwanzigsten Geburtstag fährt das Trickfilmstudio Pixar mit „Cars 2“ groß auf. Regie führt Gründer John Lasseter mit Herz, Hirn und Fingerfertigkeit.

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          Wenn es einen Namen gibt, der im Animationsgeschäft der letzten fünfundzwanzig Jahre für Innovation steht, dann Pixar. Das von John Lasseter begründete kalifornische Trickfilmstudio setzte von Anfang an auf Computeranimation, vermochte es aber stets, seinen Figuren einen Charme zu verleihen, der wie handgezeichnet wirkte. Und niemals wurde zugunsten technischer Effekte die Handlung vernachlässigt.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das war schon im Debütwerk von 1986 so, einem gerade einmal zwei Minuten langen Filmchen, in dem eine große und eine kleine Schreibtischlampe mit einem Gummiball spielen. Die kleine Lampe wurde zur Symbolfigur von Pixar, das fortan die ganze Branche erleuchten sollte: Ex California lux.

          Und aus Kalifornien kam auch ein goldener Regen für die Trickfilmindustrie, als neun Jahre später der erste Langfilm von Pixar, „Toy Story“, die für ein so kleines Unternehmen gigantische Produktionssumme von dreißig Millionen Dollar an den Kinokassen mehr als verzehnfachte. Auch wenn diese Erfolgsrelation sich nie mehr wiederholen sollte - wie sein großes Vorbild Walt Disney steckte Lasseter alle Gewinne in immer aufwendigere Filmvorhaben, und entsprechend teuer wurden die Pixarwerke -, erwies sich jeder der Folgefilme des Studios als Kassenknüller. Bemerkenswert daran war vor allem, dass man nach „Toy Story 2“ von 1999 zehn Jahre lang niemals auf dieselbe Masche setzte.

          Zum fünfundzwanzigsten Jubiläum

          Was bedeutet es dann, dass der Jubiläumsfilm zum fünfundzwanzigsten Geburtstag des ersten Pixarfilms nun die Fortsetzung eines alten Erfolgs ist? „Cars 2“ kommt in dieser Woche in die deutschen Kinos, und es ist der zweite Film des Studios, der in 3D produziert wurde. Der erste war sein unmittelbarer Vorgänger „Toy Story 3“, und der knackte als bislang einziges Pixarwerk die Grenze von einer Milliarde Dollar beim weltweiten Einspielergebnis. Aber war das nicht dadurch teuer erkauft, dass nun doch eine Masche bedient wurde? Wenn zudem gleich nach dem dritten Teil einer Serie der zweite einer anderen herauskommt?

          Nun war der erste Teil von „Cars“ sicher der unwahrscheinlichste Kandidat für eine Fortsetzung. Er entstand 2006 als Lieblingsprojekt des Studiochefs Lasseter, der erstmals seit „Toy Story 2“ auch wieder selbst die Regie übernahm. Es ist ohne Zweifel der amerikanischste Film des Studios - vor allem seiner Figuren wegen: Verlebendigte Autos leben in der kleinen Wüstenstadt Radiator Springs den amerikanischen Traum von Aufstieg, Glück und Schmelztiegel. Aber mit was für einem Witz und mit was für einer Ausdruckskraft von Akteuren, die doch eigentlich rein mechanische Gebilde sind! Wie es auch schon die kleine Lampe war.

          Gradlinige Figuren in exotischem Setting

          In „Cars“ wurde die Animation einmal mehr zu sich selbst gebracht: Sie kann alles beleben. Und das gilt besonders für Pixar. Das Studio wurde 2006, im Jahr von „Cars“, zwar von Disney gekauft (für mehr als sieben Milliarden Dollar), aber in Wahrheit übernahm Pixar die kriselnde Trickfilmproduktion von Disney, und Lasseter ist nun der wichtigste Mann im ganzen Animationsgeschäft. Da darf man es ein Wunder nennen, dass er nun bei „Cars 2“ noch einmal Regie führte, auch wenn er sie sich mit Brad Lewis teilte, der für das Studio 2007 „Ratatouille“ produziert hatte. Ein Teil der Erfolgsgeschichte von Pixar ist die ständig wechselnde Konstellation von solch erprobten Kräften.

          „Cars 2“ übernimmt vom ersten Teil die Geradlinigkeit der Figuren und von „Ratatouille“ das für amerikanische Verhältnisse exotische Setting. In Radiator Springs spielt nur noch der kleinste Teil, es geht hinaus in die große Welt, auf Autorennstrecken in Japan, Italien, Frankreich und England. Dort muss sich Lightning McQueen, das jugendliche Nascar-Rennauto, im Wettkampf mit einem arroganten italienischen Formel-1-Wagen messen.

          Geniestreich der Drehbuchautoren

          Doch ganz am Anfang von „Cars 2“ führt uns der Film hinaus aufs Meer, auf eine Ölförderplattform, wo der britische Geheimagent Finn McMissile dem verbrecherischen Plan einer großen Energieverschwörung auf die Spur kommt. Es hat auch schon Tradition, dass Pixar sich für seine Stoffe ironisch der unterschiedlichsten Realfilm-Vorbilder bedient, und hier ist es die James-Bond-Reihe. Natürlich ist McMissile ein grauer Aston Martin, und es ist besonders hinreißend, dass sein Kühlergrill wie ein schwarzer Moustache gestaltet ist, um den Lebemann unter dem Chassis anzudeuten (im englischen Original wird dieses Klasseauto von Michael Caine gesprochen).

          Die ersten zehn Minuten von „Cars 2“ sind atemraubend schnell, spannend und lustig, weil hier alles, was modernes Agentenkino à la Bond und Bourne ausmacht, verwurstet wird, und zwar klug. Es wird sogar gestorben, aber in diesem Trickfilm bedeutet das nur Blechschaden. Und die Ursache der großen Verschwörung, die Entwicklung eines alternativen Benzins, sprich: Bio-Sprits, ist angesichts der derzeitigen Diskussion über neue Energieformen ein Geniestreich der Drehbuchautoren gewesen.

          Der spezifische Pixar-Charme

          Leider trifft das für den Rest des Films nicht mehr zu, denn die Geschichte entfaltet sich absehbar. Sie leidet zudem darunter, dass Hook, der klapprige Abschleppwagen aus Radiator Springs, diesmal im Mittelpunkt des Geschehens steht. Seine Tolpatschigkeit auf internationalem Parkett ist für einige Gags gut, aber zu viel Skurrilität schadet dem wunderbaren Konzept, die ganze Welt in eine automobile Gesellschaft zu verwandeln (in der sogar der Papst ein Papamobil ist und die englische Königin natürlich ein RollsRoyce).

          Was sich am Rande der Handlung von „Cars 2“ an witzigen Kleinigkeiten abspielt, wird auch eine zweite und dritte Sichtung lohnen, aber wenn dann Paris oder London für große Verfolgungsjagden wie notdürftig überzeichnete Kamerafahrten aus Google Streetview erscheinen, verliert „Cars 2“ kurzfristig den spezifischen Pixar-Charme.

          Mit passendem Vorfilm

          Vergnügen macht all das dennoch, sehr viel sogar; allein, es fehlt die Überraschung, die in „Toy Story 3“ allemal noch gelang, als man die berühmten Spielzeuge mit dem Problem konfrontierte, dass ihr mittlerweile fast erwachsener Besitzer sich nicht mehr für sie interessierte. Das war eine auch inhaltlich konsequente Fortsetzung, die übrigens nun noch einmal weitergedreht wird, denn vor „Cars 2“ läuft Gary Rydstroms Kurzfilm „Urlaub auf Hawaii“, der die „Toy Story“-Figuren im Haus der kleinen Bonnie zeigt, wo sie am Schluss des dritten Teils Zuflucht gefunden hatten. Eine simple Geschichte, aber mit immens viel Herz.

          „Cars 2“ fährt danach im wahrsten Sinne alles auf: Herz, Hirn, Fingerfertigkeit. Aber der Film ist wie die Nascar-Serie oder der Formel-1-Zirkus - hochtourig um jeden Preis. Am Ende wirkt er überdreht. Und das hält die beste Maschine auf Dauer nicht aus.

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