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Video-Filmkritik : Augen auf dem Drehzahlmesser: „Cars 2“

„Cars 2“ übernimmt vom ersten Teil die Geradlinigkeit der Figuren und von „Ratatouille“ das für amerikanische Verhältnisse exotische Setting. In Radiator Springs spielt nur noch der kleinste Teil, es geht hinaus in die große Welt, auf Autorennstrecken in Japan, Italien, Frankreich und England. Dort muss sich Lightning McQueen, das jugendliche Nascar-Rennauto, im Wettkampf mit einem arroganten italienischen Formel-1-Wagen messen.

Geniestreich der Drehbuchautoren

Doch ganz am Anfang von „Cars 2“ führt uns der Film hinaus aufs Meer, auf eine Ölförderplattform, wo der britische Geheimagent Finn McMissile dem verbrecherischen Plan einer großen Energieverschwörung auf die Spur kommt. Es hat auch schon Tradition, dass Pixar sich für seine Stoffe ironisch der unterschiedlichsten Realfilm-Vorbilder bedient, und hier ist es die James-Bond-Reihe. Natürlich ist McMissile ein grauer Aston Martin, und es ist besonders hinreißend, dass sein Kühlergrill wie ein schwarzer Moustache gestaltet ist, um den Lebemann unter dem Chassis anzudeuten (im englischen Original wird dieses Klasseauto von Michael Caine gesprochen).

Die ersten zehn Minuten von „Cars 2“ sind atemraubend schnell, spannend und lustig, weil hier alles, was modernes Agentenkino à la Bond und Bourne ausmacht, verwurstet wird, und zwar klug. Es wird sogar gestorben, aber in diesem Trickfilm bedeutet das nur Blechschaden. Und die Ursache der großen Verschwörung, die Entwicklung eines alternativen Benzins, sprich: Bio-Sprits, ist angesichts der derzeitigen Diskussion über neue Energieformen ein Geniestreich der Drehbuchautoren gewesen.

Der spezifische Pixar-Charme

Leider trifft das für den Rest des Films nicht mehr zu, denn die Geschichte entfaltet sich absehbar. Sie leidet zudem darunter, dass Hook, der klapprige Abschleppwagen aus Radiator Springs, diesmal im Mittelpunkt des Geschehens steht. Seine Tolpatschigkeit auf internationalem Parkett ist für einige Gags gut, aber zu viel Skurrilität schadet dem wunderbaren Konzept, die ganze Welt in eine automobile Gesellschaft zu verwandeln (in der sogar der Papst ein Papamobil ist und die englische Königin natürlich ein RollsRoyce).

Was sich am Rande der Handlung von „Cars 2“ an witzigen Kleinigkeiten abspielt, wird auch eine zweite und dritte Sichtung lohnen, aber wenn dann Paris oder London für große Verfolgungsjagden wie notdürftig überzeichnete Kamerafahrten aus Google Streetview erscheinen, verliert „Cars 2“ kurzfristig den spezifischen Pixar-Charme.

Mit passendem Vorfilm

Vergnügen macht all das dennoch, sehr viel sogar; allein, es fehlt die Überraschung, die in „Toy Story 3“ allemal noch gelang, als man die berühmten Spielzeuge mit dem Problem konfrontierte, dass ihr mittlerweile fast erwachsener Besitzer sich nicht mehr für sie interessierte. Das war eine auch inhaltlich konsequente Fortsetzung, die übrigens nun noch einmal weitergedreht wird, denn vor „Cars 2“ läuft Gary Rydstroms Kurzfilm „Urlaub auf Hawaii“, der die „Toy Story“-Figuren im Haus der kleinen Bonnie zeigt, wo sie am Schluss des dritten Teils Zuflucht gefunden hatten. Eine simple Geschichte, aber mit immens viel Herz.

„Cars 2“ fährt danach im wahrsten Sinne alles auf: Herz, Hirn, Fingerfertigkeit. Aber der Film ist wie die Nascar-Serie oder der Formel-1-Zirkus - hochtourig um jeden Preis. Am Ende wirkt er überdreht. Und das hält die beste Maschine auf Dauer nicht aus.

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