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Video-Filmkritik : Schwere Jungs, leichte Beute

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„Asphaltgorillas“ hat da aber noch einen Trumpf im Ärmel. Denn die Rolle des Paten El Keitar spielt Kida Khodr Ramadan. Der aus Beirut stammende, längst eingebürgerte Star ist, wenn schon nicht der Paradekanake des deutschen Kinos, so zumindest dessen „Kebab Connection“ – so hieß 2004 eine Multikulti-Komödie, die noch einigermaßen naiv auf ein weltgesellschaftliches Deutschland lossteuerte, in dem Nora Tschirner und Denis Moschitto das „ebony und ivory“ von Klein-Istanbul sein sollten. Mesut Özil war damals sechzehn Jahre alt. Kida Ramadan erlebte im vergangenen Jahr mit der Fernsehserie „4 Blocks“ einen Bekanntheitssprung, ihm war dort die Rolle des integrationswilligen Paten Toni Hamady zugewiesen, während der Bruder Abbas (ein Träger legendärer Unterhosen) alles zu ruinieren droht. Natürlich ist auch in „4 Blocks“ das Immobiliengewerbe der Motivationshorizont – jegliche pecuniae streben nach einer Transsubstantiation in Beton.

„4 Blocks“ wurde vielfach gepriesen für seine Milieustudien, was ein wenig erstaunlich ist, denn in seiner Figurenzeichnung und mit ihrer Dramaturgie ist die Serie in etwa so nuanciert, als hätte man Heinz Buschkowsky als Drehbuchdoktor engagiert, und muss dann erst recht wieder alles von einem oberflächlichen Sopranologen geradebürsten lassen. „Asphaltgorillas“ spekuliert ganz offensichtlich auf dieselben Reizwerte. Wenn in Deutschland noch irgendwo etwas los ist, mit dem man größeres Kino machen könnte (also sicher nicht so etwas wie in Chemnitz), dann trägt sich das wahrscheinlich irgendwo zwischen Kottbusser Tor und Sonnenallee in Berlin zu – den „Mean Streets“, die am besten schnurstracks zu einer Lola führen sollten. Die Unbeholfenheit, mit der in deutschen Filmen und Serien ethnisiert wird, verschließt sich einer Erklärung wahrscheinlich auch deswegen, weil dieses Phänomen ja nur die Kehrseite der Probleme ist, die viele Menschen mit Mesut Özil schon lange hatten, weil der die Nationalhymne nicht singt, während „diversity management“ gerade einmal in Ansätzen die Castingbüros des gerade anhebenden deutschen Serienbooms erreicht hat. Dort zeitigt es aber so desaströse Figuren wie die chinesische Bankerin Thao in „Bad Banks“, die über eine dramaturgische Funktion des rein weißen Hauptgirls Jana nicht hinauskommt und dafür auch noch einen Drillvater in einer winzigen Garküche aufgebrummt bekommt.

Detlev Buck macht in dieser idenitätspolitischen Gemengelage den Begierdekanacken (und den Supermacker), meint das auch alles noch ironisch und versucht auf diese Weise, einen konfusen Genremix an den Mann (und an die Begleitbraut) zu bringen. Mit „Asphaltgorillas“ muss sich niemand über Gebühr aufhalten, aber das zugrundeliegende Problem verdient Aufmerksamkeit: Denn eine populäre Kultur, die Differenzen tendenziell immer auf groteske Konturierung hochrechnet, arbeitet letztendlich selbst an Frontlinien mit, die in „Asphaltgorillas“ oder „4 Blocks“ nur oberflächlich als Attraktionsmomente kaschiert sind.

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