https://www.faz.net/-gs6-7ujr9

Video-Filmkritik „Gone Girl“ : Eine Lady verschwindet

Bild: Fox

David Fincher hat aus dem Bestseller „Gone Girl“ einen Thriller gemacht, der einem die Haare zu Berge stehen lässt: Wer sind diese Menschen, die einander antun, was hier geschieht?

          4 Min.

          Vor wenigen Tagen eröffnete David Finchers Film „Gone Girl“ das New-York-Filmfestival, und auf den Starfotos, die bei solchen Galaveranstaltungen geschossen werden, unter Kolleginnen in hochgeschlitzten Kleidern oder roten Roben und Männern mit Baseball-Kappen zu glänzend geschnittenen Anzügen, fällt einer ganz besonders auf: Ben Affleck. Von all den Gestalten, die wie alte Bekannte aus diesen Bildern blicken, ist er die rätselhafteste.

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Wer ist dieser Mann, fragt man sich, dem große Intelligenz nachgesagt wird, der kaum lächelt, der nach vielen Jahren intimer Beobachtung durch alle Arten von Medien während seiner Zeit mit Jennifer Lopez schon lange gar nichts mehr von sich preisgibt? Der sich bei der Premiere seines jüngsten Films mit niemandem gemein zu machen scheint, mit seinem Regisseur nicht und auch nicht mit seiner Filmpartnerin Rosamund Pike? Welches Geheimnis birgt dieser kastenartige Körper, in dem der Mann sich zu verstecken scheint und mit dem er herumläuft wie eine Schnecke mit ihrem Haus? Affleck scheint innerlich abseitszustehen, vollkommen in sich selbst verkapselt in einer Art neutraler Beobachterposition, die fast vergessen lässt, dass er der Hauptdarsteller des Films und deshalb der Star des Abends ist.

          Die entscheidenden Fragen einer Ehe

          „Gone Girl“ beginnt mit der entgegengesetzten Frage. Wer ist die Frau, die der Mann, den Ben Affleck spielt, geheiratet hat? Der Kopf von Rosamund Pike füllt fast die ganze Leinwand, er ruht auf einem Kissen, und eine Männerhand streichelt das Haar. Dazu hören wir Afflecks Stimme, ruhig, zärtlich fast und gedämpft. Sie stellt die entscheidenden Fragen einer Ehe: Wer bist du? Woran denkst du? Und dann fährt sie fort: „Ich denke darüber nach, ihren Schädel einzuschlagen und ihr Gehirn zu sezieren, um eine Antwort auf die Frage zu finden: Was haben wir einander angetan?“

          Das ist ein ziemlich guter Anfang für einen Film nach einem Roman, den weltweit viele Millionen gelesen haben und dessen Autorin, Gillian Flynn, für Fincher auch das Drehbuch geschrieben hat. Trotz der großen Bekanntheit sollte allzu viel von den Verwicklungen des Plots nicht verraten werden. „Gone Girl“ ist in seinen überraschenden Wechseln der Erzählperspektive ein Film mit einem extremen Spannungsbogen. Wirklich, fragt man sich mehr als einmal, so weit gehen sie? Das machen er oder sie jetzt tatsächlich? Und das auch noch?

          Auf der Flucht vor urbaner Coolness

          Affleck und Rosamund Pike spielen Nick und Amy. Sie haben sich in New York kennengelernt, wo beide in wenig spektakulären Karrieren als Journalisten arbeiten und im Jahr 2008 auch ihre Arbeit verlieren. Ihre erste Begegnung auf einer Party sieht aus wie aus einer Märchenstunde über urbane Coolness, in der die beiden vor nur vermeintlicher urbaner Coolness die Flucht ergreifen. Der erste Kuss findet im Zuckergestöber vor der am frühesten geöffneten Bäckerei New Yorks statt, beim ersten Sex denkt Nick nur an Amy, und als das erste Treffen mit ihren Eltern ansteht, einem Bestsellerautorenpaar, das mit einer Kinderbuchreihe namens „Amazing Amy“ berühmt, auch reich, geworden war, meint Nick trocken zu seiner zukünftigen Frau: „Sie haben deine Kindheit gekapert“, was richtig beobachtet ist, in seinen Folgen aber noch nicht absehbar.

          Weitere Themen

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Topmeldungen

          Freiwillige warten in Ahrweiler in Rheinland-Pfalz auf ihren Einsatz.

          Hilfsbereitschaft : Mit der Schippe in der Hand

          In der Katastrophe zeigt sich die deutsche Gesellschaft leistungsfähiger, stabiler und bewundernswerter, als ihr mitunter attestiert wird. Es wäre gut, wenn das auch in der Corona-Krise so wäre.
          Siegte zwei Mal ohne Kampf: Tohar Butbul in Tokio

          Kampf gegen Israeli verweigert : Feinde und Freunde

          Judoka Tohar Butbul aus Israel wird auf olympischer Bühne Opfer des Antisemitismus. Leider kann man nicht auf die hoffen, die die Regeln machen, sondern meist nur auf die, die ihnen unterworfen sind. Das zeigt ein anderes Beispiel.

          Riesige Rauchwolke : „Wir haben noch eine Gefährdungslage“

          Auf dem Gelände der Sondermüllverbrennungsanlage des Chemieparks in Leverkusen explodieren drei Tanks. Ein Mensch stirbt, Dutzende werden verletzt. Noch werden Arbeiter vermisst.
          Der frühere Chefberater von Präsident Trump,Steve Bannon, im August 2017 in Washington

          In Italien : Bannons geplatzter Traum von der „Gladiatorenschule“

          In der ehemaligen Abtei Trisulti bei Rom wollte der frühere Trump-Berater Steve Bannon eine rechtskonservative „Gladiatorenschule“ einrichten. Doch nun musste sein Vertrauter die Immobilie an den italienischen Staat zurückgeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.