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Video-Filmkritik: „Valerian“ : Dekolonisiert den Kosmos!

Bild: Universum

Eines der romantisch-abenteuerlichsten Traumpaare der Science-Fiction kommt ins Kino: Luc Bessons verfilmt „Valerian“ mit Dane DeHaan und Cara Delevingne. Die besten Minuten aber schenkt er Rihanna.

          4 Min.

          Wenn man unbedingt selbst erleben will, was Luc Besson in seinem neuen Film vorführt, muss man sich betrinken und zum Hauptbahnhof einer beliebigen westeuropäischen Großstadt gehen: Konfuse Wesen, falsche Sitten, unaufdringliche Lebensgefahr, dort drüben schnattern drei geflügelte Watschelrüssel, weiter hinten streichelt eine bleiche Prinzessin einen kleinen Schildkrötendrachenhamster, der perlenförmige Atomkraftwerke futtert, und wer vor der Abreise noch schnell was einkaufen will, muss unsere gewohnten drei Raumdimensionen sowie die ihnen eng verbundene Zeitdimension verlassen, um sich in eine perpendikular zur Realität kompaktifizierte höhere Raumordung aus Myriaden kleiner Läden zu begeben, direkt neben der Rolltreppe.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Die verrückte Kachelung einer Wüstenebene mit den elementaren Basiszellen dieses Hypereinkaufszentrums gehört zu den zahllosen zotteligen Ideen, die Besson zwischen die bunten Handlungsfäden von „Valerian – Stadt der tausend Planeten“ geflochten hat. Die beiden Hauptfiguren dieser Veranstaltung könnten nicht unterhaltsamer eingeführt werden als in der Szene, in der sie arbeitsteilig in diese Wüstenphantomwelt eindringen, einen Auftrag erledigen und wieder abhauen müssen: Wenn Valerian und Laureline sich sogar da zurechtfinden, wo jedes irdische Navigationssystem krepieren müsste, dann kann das Publikum den beiden ja vertrauensvoll folgen, wohin immer das Drehbuch sie zieht oder schubst.

          Das hat sie ihm beigebracht

          In den Comics des Zeichners Jean-Claude Mézières und seines Autors Pierre Christin ist jener Valerian seit 1967 ein Raum-Zeit-Agent aus der Zukunftsmetropole Galaxity, der mit seiner Laureline eines der romantisch-abenteuerlichsten Traumpaare der Science-Fiction bildet, harmonisch-streitlustiger noch als Han Solo und Prinzessin Leia in „Star Wars“. Bei Besson verkörpert den tapferen Valerian der einunddreißigjährige Schauspieler Dane DeHaan, der für die Rolle so, wie sie mit Alain-Delon-Charme und Jean-Paul-Belmondo-Kanten auf Zeichenpapier vorgeformt wurde, zwar eine Spur zu jung ist, diesen Makel aber mit ansprechendem Eifer und schönen mimischen Lausbubenideen ausgleicht. Bessons Laureline ist Cara Delevingne – feingliedriger und zerbrechlicher als die Comicfigur, aber ihr ebenbürtig an Tiefenfeuer im Blick und gefräßiger Intelligenz, die sich sofort alles einverleibt, was es im weiten Weltraum zu entdecken und zu lernen gibt.

          Bei Mézières und Christin entspricht die Valerian-Laureline-Beziehung ungefähr der Gleichung „Erotische Anziehung ist gleich gemeinsame Risikobereitschaft minus berufliche Arbeitsteilung multipliziert mit gegenseitiger Erziehung hoch individuelle Emanzipation“. Im Film bleibt davon übrig, dass Valerian den interstellaren Flugstil der Partnerin kritisiert und sie dafür mit scharfen Fingernägeln an seinem Narzissmus kratzt. Als der pflichtbewusste, aber ein bisschen phantasiearme Held endlich so handelt, wie sein im Grunde anständiger Charakter es von ihm verlangt, sagt die Gefährtin mit Recht: „Das habe ich ihm beigebracht.“

          Comics, die das Weltniveau vorgeben

          Zwischen Wangenküsschen (allerliebst, wann hat man das in einer Kinoromanze zum letzten Mal gesehen?) und Action funktioniert diese Beziehung bei Besson mehr als ordentlich, bedenkt man, dass er im Interesse der Plot-Übersichtlichkeit die Wurzeln seines Zentralpaars ein bisschen beschnitten hat, auf die Gefahr hin, die Motivation beider Gestalten zu reduzieren. Im Original liest Valerian seine Laureline im irdischen Mittelalter auf, im Film dagegen hat sie eine Universitätsausbildung genossen, ist ihm also sozial mindestens nicht unterlegen, während die Beziehung im Comic unter anderem davon lebt, dass sich diese Frau gleichzeitig in der Geschlechter- wie in der Berufs- und der Wissensdimension zuerst einmal ihren Platz erkämpfen muss. Im Gegensatz zu manchen Superheldencomicverfilmungen der letzten Jahre sind Held und Heldin in „Valerian“ also ein bisschen flacher als die Originale.

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