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Video-Filmkritik : Ein besserer Weg aus dem Schicksalsspiel

Bild: Studiocanal

Um dem Morden ein Ende zu machen: Der letzte Teil der „Tribute von Panem“-Filme will auf eine Botschaft hinaus, die seine eigenen Bilder untergraben.

          3 Min.

          Es muss einen besseren Weg geben“, sagt Katniss. Die Rebellion gegen die Zentralregierung jener künftigen Welt, die die Autorin Suzanne Collins in ihrer Trilogie „The Hunger Games“ (deutsch: „Die Tribute von Panem“) entworfen hat, macht Fortschritte, und die junge Katniss Everdeen ist mittlerweile zum Gesicht dieser Revolte geworden. Das verdankt sie durchaus der Logik des Regimes von Präsident Snow, den sie stürzen will. Denn bekannt wurde sie als Protagonistin und Siegerin in einem perversen, live in alle Teile des Landes übertragenen Wettstreit, in dem 24 junge Menschen nach dem Willen Snows aufeinandergehetzt wurden, bis 23 von ihnen tot waren - zur Unterhaltung der ganzen Welt.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Jetzt aber steht Katniss, die Schlächterin wider Willen, vor der Entscheidung, wie eine Bergfestung voller Gegner der Revolution am besten eingenommen werden könnte. Ihre Mitstreiter, darunter die Rebellenführerin Coin, favorisieren eine Methode mit minimalem Einsatz eigener Kämpfer und maximalem Effekt - also sehr vielen Toten auf der anderen Seite. Aber gibt es ihn, Katniss’ besseren Weg?

          Gewalttätig in einer gewalttätigen Welt

          Von der Suche danach handelt der vierte und letzte Film, der auf Collins’ Trilogie basiert und nun, unter der Regie von Francis Lawrence, in die Kinos kommt. Wieder spielt Jennifer Lawrence die gequälte Katniss Everdeen, immer noch steht sie zwischen zwei Männern, ihrem martialischen Gefährten Gale und dem verletzlichen Mitstreiter Peeta, und nach wie vor verkörpern die beiden kaum verhüllt zwei Lebensentwürfe für Katniss: Der eine steht dafür, in einer gewalttätigen Welt selbst gewalttätig zu sein, um zu überleben, der andere versucht, die Integrität als moralisches Wesen zu bewahren, und setzt dabei das eigene Überleben aufs Spiel. Der eine bekämpft den Staatsterrorismus mit allen Mitteln und riskiert dabei, dem Gegner zum Verwechseln ähnlich zu werden, der andere zerbricht unter der Folter des Regimes. Wie ausweglos beider Kampf ist, führt der Film lustvoll vor: Gegen einen skrupellosen Gegner gibt es auf militärischem Weg keinen Sieg, selbst wenn man den Krieg gewinnt, so die deprimierende Botschaft.

          Dabei fehlt es nicht an Versuchen, gerade von Katniss, im Rahmen eines mit größter Härte geführten Konflikts Opfer möglichst zu vermeiden. So tritt sie, begleitet von Kameras, die ihre Friedensbotschaft in die Welt tragen sollen, in jener Bergfestung vor die Gegner, um sie zum Niederlegen der Waffen aufzufordern, und wird prompt beinahe erschossen. Sie will dem Morden ein Ende machen, indem sie Präsident Snow zur Strecke bringt, und muss feststellen, dass das Problem viel komplexer ist. Sie kämpft sich durch eine Metropole voller lebensgefährlicher Fallen, die ständig detonieren und dabei prächtige Filmbilder liefern, verliert Mann um Mann ihres kleinen Trupps an Sprengstoff, schwarze Ölfluten oder beißwütige Mutanten. Und sie erlebt permanent, wie das, was sie tut und erleidet, anschließend medial in der einen oder anderen Richtung zu Propagandazwecken ausgebeutet wird, aber nie ihrem eigenen Erleben entspricht.

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