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Video-Filmkritik : Um Schrotteswillen!

Bild: Paramount

In der Rolle des T-800 fand Arnold Schwarzenegger den Part seines Lebens und kehrt mit „Terminator: Genisys“ jetzt zu ihm zurück. Der zeitgemäße Science-Fiction-Film verbeugt sich vor dem Actionkino der Achtziger.

          4 Min.

          Kurz vor der Zweikampfexplosionsverfolgungsjagdschießerei, in die der ganze Riesenzirkus traditionsgemäß mündet, droht dieser mit allerlei Knoten durchsetzte Film für einen kurzen Moment an seinen explizit vorgeführten und implizit behaupteten Zeitreisen, Rückblenden, Prophezeiungen, Verzweigungen und Unübersichtlichkeiten schier zu verrecken. Niemand scheint mehr zu wissen, wie man jetzt genau was gegen genau wen genau wo genau wie tun muss.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Der mit unfehlbarem Timing begabte Nebendarsteller J. K. Simmons, der bekanntlich vom Zeichentrickzauberer bis zum überforderten Polizeichef alles spielen kann, was gespielt werden will, konfrontiert die Heldin Sarah Connor, die von Emilia Clarke gegeben wird, weil diese Darstellerin ein wenig wie die junge Linda Hamilton aussieht, die vor Jahrzehnten dieselbe Frau gespielt hat, mit seiner Verwirrung: Entschuldigen Sie, ich glaube, ich soll oder will Ihnen bei irgendwas helfen, aber ich weiß nicht, was hier vorgeht, und fürchte, dass es grauenhaft kompliziert ist, liege ich da falsch? Sarah sagt: Wir wollen das Weltende verhindern. Und Simmons erwidert, was alle sagen könnten, die an „Terminator-Genisys“ mitgewirkt haben: „I can work with that.“

          Ein standhaft treuer Schrotthaufen

          Ordentlich gearbeitet hat hier das ganze Ensemble, allen voran Arnold Schwarzenegger, der in der ursprünglich einem anderen zugedachten Rolle des T-800 den Part seines Lebens fand und jetzt zu ihm zurückkehrt – er sollte das nicht wiederholen, denn die Art, wie er hier noch einmal die Augen zusammenkneift, weil er das an seinem Schauspieler-Idol Eastwood so liebt, ist derart nah am versöhnlichen Zwinkern, dass man darin nur ein schönes Abschiedsgeschenk der Rolle an den Darsteller sehen kann, das Schwarzenegger dankbar annehmen sollte: So gut, so liebenswert wie hier, als standhaft treuer Schrotthaufen, wird er wohl nie mehr aussehen.

          Gut gearbeitet hat aber auch das Drehbuchduo Laeta Kalogridis und Patrick Lussier, das aus einer Handvoll Spielfilmen, einer Fernsehserie, Comics und sogar dem Quellenmaterial, aus dem James Cameron und Gale Anne Hurd sich einst bedienten, als sie den Terminator schufen, einen Bodenplan exzerpiert haben, auf dem in knapp zwei Stunden ein Science-Fiction-Plot wachsen darf, den die Kritik nur dann zu abstrus finden wird, wenn sie den Kontakt zu entsprechenden Genre-Standards nie gehabt oder irgendwann verloren hat.

          Der Kippschalter für Parallelwelten

          Eine handelsübliche Folge „Continuum“ oder „Fringe“, das obere Mittelfeld der Gattung also, funktioniert ähnlich wie dieser Film. Und dass die Köpfe hinter „Terminator: Genisys“ offenbar auch noch wissen, wie man mit klassischen Scharnierelementen der Zeitreisethematik umgeht (das, was die Fachliteratur „Jonbar Point“ nennt, der Kippschalter für Parallelwelten, heißt hier „Nexus“), ist ein Bonus, der Afficionados erlauben wird, auch auf den zweiten und fünften Blick noch Sehenswertes zwischen Kramer Morgenthaus ungebremst ineinanderkrachenden Bildern und Alan Taylors kompetenten Regiegesten zu entdecken.

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