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Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

Bild: 2019 Twentieth Century Fox

Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          5 Min.

          Die junge Mexikanerin Dani Ramos kann sich in mindestens drei Sprachen beschweren: auf Spanisch bei Bruder und Vater über deren Vernachlässigung von Alltagspflichten, auf Englisch beim wohl aus Nordamerika in Danis mexikanische Heimatmetropole entsandten Boss einer Hightech-Produktionsstätte, deren Arbeitskräfte auf Kapitalbefehl durch Automaten ersetzt werden sollen, und schließlich mit Löwinnengebrüll, wenn Killerapparate aus der Zukunft Dani oder ihre Lieben zerhacken, aufspießen und mit Kugeln bespucken wollen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Natalia Reyes spielt diese Dani als zunächst widerwillige, dann schier unüberwindliche Heldin des (nach mehr oder weniger offizieller Zählweise) sechsten Spielfilms der „Terminator“-Filmreihe. Die Teile drei bis fünf werden hier ignoriert, „Dark Fate“ will als direkte Fortsetzung der beiden ersten verstanden werden, „Terminator“ (1984) und „Terminator 2: Judgment Day“ (1991). Diese Filme hat James Cameron gedreht; ihr Ruhm ruht auf seinen und vier weiteren Schultern, nämlich den eckigen von Arnold Schwarzenegger als Tötungsmaschine und den etwas schmaleren von Linda Hamilton als Sarah Connor, die erst sich selbst und dann ihren Sohn John davor bewahren muss, vom kybernetischen Ausputzer einer künftigen Maschinenzivilisation „terminiert“ zu werden.

          Schwarzenegger und Hamilton tragen weiße Bürgergesichter durchs Bild, was seinerzeit nicht groß auffiel, weil es im Hollywoodkino kaum andere Gesichtersorten gab. Dani Ramos jedoch ist Latina, und das Antlitz des Killerautomaten, der sie in „Dark Fate“ hetzt, gehört dem Latinokollegen Gabriel Luna, der im Actionkracherfach jüngst mit einer mitreißenden Bravourvorstellung als Ghost Rider in „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.“ glänzen durfte.

          Unter einer sanft feministischen Glasur

          Mit der offensiven Latinisierung der Gut-und-Böse-Pole des neuen „Terminator“-Films trägt Hollywood (wie zuletzt schon mit der Besetzung mehrerer tragender Rollen in Sylvester Stallones „Rambo: Last Blood“) einer demographischen Umwälzung Rechnung, die von der Stammwählerschaft des derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten bekanntlich verabscheut wird. Aufhalten kann diesen Wandel niemand: In der Politik dämmert sowohl bei den Republikanern (Marco Rubio) wie bei den Demokraten (Alexandria Ocasio-Cortez, latina fuerte) die neue Zeit herauf, in der Popkultur ist das Spiel schon seit Ricky Martin, Jennifer Lopez und Penélope Cruz gelaufen, und das Grusel-Unbewusste des weißen (Klein-)Bürgertums ergänzt seine alte Angst vor schwarzen Jugendlichen derweil, assistiert von Fox News, um die Furcht vor Kartellverbrechern, MS-13-Bandenmitgliedern (die Trump „Tiere“ nennt), unzuverlässigen Hausangestellten und verschlagenen Schleppern.

          All das ist in „Dark Fate“ miteingebacken, unter einer sanft feministischen Glasur, die für diesen Storykontext nichts Neues darstellt (besonders deutlich herausgearbeitet hat den bewaffnet emanzipatorischen Anti-Automaten-Glamour der Sarah-Connor-Figur die Fernsehserie „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ zwischen 2008 und 2009).

          Wie die Arbeitskraft der Trump-Stammwählerschaft

          Verkauft der neue Film also kundenfangorientierte Ethno- und Geschlechter-Identitätspolitik? Proporzkommerz? Der Regisseur Tim Miller, der von Krawall genug versteht, weiß Bescheid darüber, worum es bei „Terminator“-Filmen zu gehen hat; er dient dem Rezept mit Apothekerredlichkeit: Hiebe und Stiche, Hubschrauber, Tanklöschfahrzeuge, Kollisionen, Ölschaden, Kurzschlüsse, Bergungsmanöver, Auffahrhumor, Quetschungen, Prellungen, Ballistik und Stacheldrahtkritik kommen zu ihrem Recht, ein paar Scherze von vornehm gezügelter Brillanz (Schwarzeneggers Figur nennt sich selbst mit steinerner Miene „extrem witzig“) würzen den Braten. Vor allem aber räumen das Drehbuch (verfasst von David S. Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray und diversen Stichwortgebern, darunter Cameron persönlich) und Millers Inszenierung alles aus dem Weg, was die Sicht auf die größte Stärke des „Terminator“-Bilderkosmos blockieren könnte: dass darin Leiber konkret vorführen, was sich zwischen Seele und Sachzwang abstrakt, in der komplett durchtechnisierten Welt der Gegenwart, dauernd sozial abspielt.

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