https://www.faz.net/-gs6-94rsm

Video-Filmkritik zu „Star Wars“ : Mit Rettern reden

Bild: The Walt Disney Company

Ein tapferes Häuflein auf dem Rückzug vor der Staatsgewalt entdeckt die Macht der Liebe neu. Nein, es geht nicht um die FDP, sondern um die Wiedergeburt von „Star Wars“ bei „Episode VIII: Die letzten Jedi“.

          5 Min.

          Viele verlangen viel von diesem Film. Er gibt sein Bestes: Blasterschüsse, Abschiedstränen, Tiefschläge und Hochgefühle. Die Äuglein der niedlichen Porgs (lies: Hamsterpinguine) rühren das härteste Herz. Der böse Doppelgänger BB-9E des putzigen Kugel-und-Kuppel-Roboters BB-8 aus „Das Erwachen der Macht“ (2015) rollt wie mit schwarzer Niedertracht geschmiert durchs Bild. Die geschmacklose Spielhölle von Canto Bight (lies: Las Vegas hinterm Mond) ist der Produktionsdesignspielplatz des Jahres. Die modischen Accessoires (Koppelschloss, Chromhelm, Podopsellon, Amulett) gibt’s bald bei H&M. Und die Salzebene des Planeten Crait, wo am Filmende der Showdown stattfindet, blutet, wenn rostige Heckflossen von Schrottschiffen daran kratzen, in malerischen Kielwolken den krapproten Alizarinstaub des Todes.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          So sehr aber „Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi“ spendabel austeilt, was man von einem Film dieser Reihe erhoffen darf, so listenreich unterläuft er gewisse grundsätzlichere Erwartungen an den Markenkern; und zwar genau vier Stück.

          Erstens ging es bei „Star Wars“ stets und nicht eben beiläufig um eine ausgedachte New-Age-Quatschreligion, in der bewaffnete Bademantelträger die Balance zwischen Licht und Dunkel, also den zum Pleroma verallgemeinerten Gefühlshaushalt pubertierender Videospielopfer verwalten – einen Unfug, zu dem sich anlässlich einer Volkszählung aus dem Jahr 2001 in England und Wales immerhin 0,8 Prozent der dortigen Bevölkerung bekannten (es gab da vor dem Brexit also mehr Jediritter als Sikhs oder Buddhisten). Der „Star Wars“-Erfinder George Lucas hat in seinen drei teils schwer verhauenen Prequel-Filmen zwischen 1999 und 2005 unseligerweise versucht, den Jedi-Blödsinn aus der parsifalhaft reinen Torheit ins Pseudowissenschaftliche zu übersetzen, nämlich ausgerechnet in der Biologie zu verankern: Bestimmte Leute sind genetisch zu Erkenntnis und Gebrauch der alldurchdringenden „Macht“ prädisponiert, ach du lieber Rassismus. Man bedient sich nicht ohne Folgen fürs Erzählen bei Leni Riefenstahl, japanischen Jidaigeki-Filmen und Richard Wagners Dramenverständnis.

          Von alledem ist zwar schon seit Episode VII zum Glück keine Rede mehr; erst das neueste Abenteuer indes lässt die Jedi-Dogmatik fast komplett in Flammen aufgehen. Eine wichtige Figur, die ihre einschlägigen Predigten früher mit krummer Grammatik zu beglaubigen pflegte, stellt diesmal sogar ausdrücklich fest, dass man den Hokuspokus für Heldentaten eigentlich nicht braucht. Man darf in diesem Abfall der Handlung von der eigenen Hippiekonfession ein Epiphänomen der Tatsache sehen, dass die wichtigsten Figuren des kanonischen „Expanded Universe“ der „Star Wars“-Mythologie (inklusive Unmengen von Comics, Romanen und Spielen) vom Disney-Konzern 2012 nach Erwerb der Rechte daran beherzt aus ihren verworrenen Kontexten gerissen wurden, was vielen Fans bis heute seelische Leiden verursacht. (Ist die Liebesgeschichte zwischen Luke Skywalker und Mara Jade also nie passiert? Dann hat das Leben wohl keinen Sinn mehr). In Wahrheit war dieser Ausverkauf eine Entrümpelung und ein Segen: Disney hat das Hauptpersonal der Saga dem Erfinder weniger weggenommen als vielmehr aus dessen wegen intellektueller Baufälligkeit einsturzgefährdetem Konzeptgefängnis evakuiert.

          Weitere Themen

          Nobelpreise für Physik und Chemie verliehen Video-Seite öffnen

          Berlin : Nobelpreise für Physik und Chemie verliehen

          Bereits im Oktober war es verkündet worden, nun verlieh der schwedische Botschafter in Berlin die Preise in Physik und Chemie an die zwei Forscher aus Deutschland.

          Topmeldungen

          Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)

          Gewaltphantasien in Chatgruppe : Ermittlungen nach Mordplänen gegen Kretschmer

          Nach einem Fernsehbericht über Gewaltphantasien in einer Telegram-Chatgruppe ermittelt die sächsische Terrorabwehr. Mitglieder der Gruppe hatten dazu aufgerufen, Sachsens Ministerpräsidenten wegen seiner Corona-Politik „aufzuhängen“.
          Carsten Pillath beim Ecofin-Treffen in Helsinki 2019

          F.A.Z.-exklusiv : Lindner beruft Carsten Pillath als Staatssekretär

          Das neue Leitungsquartett des Finanzministeriums nimmt mehr und mehr Konturen an. Mit Carsten Pillath holt sich Lindner Unterstützung aus Brüssel. Auch Luise Hölscher soll Staatssekretärin werden. Wer sind die beiden?
          Polizisten schützen das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021 vor Anhängern Donald Trumps.

          Republikaner und Kapitol-Sturm : Sorge um die amerikanische Lebensweise

          Einig sind sich die Republikaner nur in der Verurteilung der Gewalt beim Sturm aufs Kapitol. Der äußerste rechte Flügel sieht die inhaftierten Angreifer dagegen als „politische Gefangene“ – und eine Mehrheit ihrer Wähler findet, Menschen mit „traditionellen Werten“ würden benachteiligt.