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Video-Filmkritik zu „Spider-Man“ : Jugendlicher Superheld auf Abruf

Bild: F.A.Z., Sony Pictures Germany

Mit Witz, jugendlichem Ungestüm und Referenzen übers eigene Universum hinaus: Der sechste „Spider-Man“-Film ist der erste, der dem Geist der Comicvorlage gerecht wird.

          Fünf Spider-Man-Filme gab es in den zwölf Jahren zwischen 2002 und 2014, jeder ein Riesenerfolg, jeder eine Riesenenttäuschung. Denn das, was den Charme dieser 1962 von Stan Lee und Steve Ditko erfundenen Comicfigur ausmacht, dass da unter der Maske ein Teenager agiert, der mit buchstäblich kindlichem Gemüt an die Bekämpfung des Verbrechens herangeht, also weder zynisch noch moralisch, sondern mit einer Mischung aus Unerfahrenheit und Abenteuerlust, das hatte jeweils keinen Platz auf der Leinwand gefunden. Tobey Maguire, Hauptdarsteller in den ersten drei Teilen, begann den Spinnenmann zu spielen, als er schon tief in den Zwanzigern und dank „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ein großer Star war. Und sein Nachfolger in der vierten und fünften Auflage war Andrew Garfield, auch schon Ende zwanzig und seit „Social Network“ einer der Großen unter den einigermaßen Jungen in Hollywood. Wer sollte denn solchen Erfolgstypen einen unsicheren Halbwüchsigen abnehmen? Um nun aber, beim sechsten Anlauf, endlich im Kino etwas aus der Figur zu machen, die als die beliebteste des Marvel-Comicuniversums gilt, als das Äquivalent zu dem, was Batman bei der Konkurrenz des DC Verlags darstellt, hat man mit Tom Holland einen Darsteller gewählt, der keine nennenswerte Vorgeschichte zu bieten hat außer der als Spider-Man selbst. Denn als Holland noch keine zwanzig Jahre alt, also selbst noch ein Teenager war, stand er erstmals in dieser Rolle vor der Kamera, für den dritten Teil der Filmreihe um den Marvel-Kollegen Captain America. „Civil War“ hieß dieser Film, und darin stahl Holland mit seinem herzerfrischend frechen Auftritt dem ansonsten versammelten Superheldensuperstarensemble (Robert Downey Jr., Chris Evans, Scarlett Johansson, Don Cheadle, Paul Bettany, Jeremy Renner) die Schau.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Nun gehört ihm als Spider-Man ein ganzer Film. Und wie es schon bei der Staffelstabübergabe von Maguire an Garfield vor fünf Jahren der Fall gewesen war, wird kurzerhand gleich noch einmal die ganze Geschichte erzählt: vom schüchternen Waisenjungen Peter Parker, der in schlichten Verhältnissen bei seiner Tante in New York aufwächst und sich an die neue Rolle als Held, aber auch als werdender Erwachsener erst herantasten muss. Warum zum dritten Mal alles auf Anfang? Weil Marvel beim ersten Mal noch gar nicht Herr im eigenen Kinouniversum war; man hatte die Filmrechte verkauft und war nur mitproduzierendes Studio. Das änderte sich 2012, aber da war der große Marvel-Masterplan schon längst aufgestellt, und auf dem Weg zur Superheldengruppe „The Avengers“ als dessen Krönung war für Spider-Man kein Platz vorgesehen gewesen. Also schlachtete man den alten Stoff 2012 noch einmal auf eigene Rechnung und erfolgreich aus – im Superheldengenre kann es offenbar gar nicht genug Wiederholungen geben. Deshalb geht es nun, nur fünf Jahre später, schon wieder von vorne los. Aber nur los, denn dann wird alles anders. Diesmal ist Spider-Man auf dem besten Weg, doch noch ein Avenger zu werden.

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