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Video-Filmkritik zu „Spider-Man“ : Jugendlicher Superheld auf Abruf

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In „Civil War“ hatte er mit den anderen Helden der Gruppe schon einmal zusammen gekämpft, auf einem Berliner Flughafen, und wie er da als Jungspund reüssierte, das war ebenso lustig wie konsequent. Mit dieser Handlung wird nun „Spider-Man – Homecoming“ unmittelbar verknüpft: Die Berliner Eskapade ist Teil auch von dessen Handlung. Danach gilt der fünfzehnjährige Peter Parker als ein Avenger auf Abruf, aus den Labors des Anführers Tony Stark (Downey Jr.) hat er sogar schon ein ebenso atmungs- wie kampfaktives Kostüm zugestellt bekommen, inklusive einer Art plappernden Navigationssystems für Superhelden. Doch ein Fünfzehnjähriger hat nicht nur bisweilen zu viel Ehrgeiz, sondern auch ganz andere Probleme als gestandene Männer wie etwa Iron Man oder Captain America. Aus dieser Konstellation schlägt der neue „Spider-Man“-Film Kapital.

Es ist der witzigste Superheldenfilm – bisher, muss man sagen, denn erst mit „Ant-Man“ (2015) ist das Genre der Superhelden-Komödie ja begründet worden. Hier wird nun vorgeführt, was es für Möglichkeiten bietet. Die Allerweltsprobleme eines Halbwüchsigen stehen neben dem Gesamtweltproblem illegaler Waffenherstellung. Die wird betrieben von Adrian Toomes, einem ehemaligen Entrümpler, dem man den lukrativen Job der Aufräumarbeiten nach einer der zahllosen Schlachten zwischen Marvel-Helden und Marvel-Schurken entzogen hat, worauf er aus Zorn einen Rest waffenfähigen Materials unterschlägt und daraus ein lukratives Geschäft macht. Gespielt wird dieser Toomes von Michael Keaton, dem man dafür ein Superschurken-Outfit geschneidert hat, das eine mehr als offensichtliche Hommage an den Birdman aus dem gleichnamigen Film von 2014 ist, mit dem Keaton sein großes Comeback erlebte. Solche Querverweise weit über das Marvel-Universum hinaus, ja bis ins konkurrierende DC-Universum hinein – in dem Keaton mehrfach Batman gespielt hatte, woraus wiederum „Birdman“ seinen Witz zog – sind grandios, und dass ein junger Regisseur wie Jon Watts dafür die Verantwortung trägt (er schrieb auch am Drehbuch mit), zeigt, dass die Superheldenfilme mittlerweile immenses kreatives Potential gerade bei solchen Filmschaffenden freisetzen, die mit den sich ständig aufeinander beziehenden Popkulturwelten des virtuellen Zeitalters aufgewachsen sind.

In „Spider-Man – Homecoming“ erfolgt aber alles mit einer solchen Liebe zum Detail und zum Humor (vom Slapstick bis zum Screwball), dass man den Film als gigantische Liebeserklärung an die Unterhaltungsindustrie im besten Sinne sehen kann: als großes Amüsement. Und das bis zur buchstäblich letzten Sekunde Leinwandzeit, einem atemraubend dreisten Schlussgag nach dem Abspann. Zugleich aber bietet der Film auch jenen Zuschauern etwas, die nichts für all die Anspielungen übrighaben, die eine Abenteuerhandlung sehen wollen oder das Porträt eines Helden ihrer Altersklasse. Denn der Titel „Homecoming“ verweist ja auf eine der festen Traditionen im amerikanischen Jugendleben, die Rückkehr nach den großen Ferien auf die Highschools und Colleges – ein höchst wichtiges Datum im dortigen Teenager-Dasein. Wie der fest dazugehörige Schulball hier nun ganz unerwartet nach einem bereits irrwitzigen ersten Spannungs- und Humorhöhepunkt in Washington, D.C. zum Dreh- und Angelpunkt des Films wird, das ist ein erzählerischer Leckerbissen. Und so ist Spider-Man als Kinofigur jünger denn je und bietet gerade darum endlich auch etwas für Erwachsene.

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