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Videofilmkritik Hip Op-eration : Oma kickt die derbsten Styles

Was kostet die Welt? Für die Tänzer der Hip Op-eration so viel wie ein Flug nach Las Vegas. Bild: Rise and Shine Cinema

Siebenundzwanzig alte Herrschaften, eine Tanztrainerin und jede Menge cooler Moves: Die neuseeländische Seniorentanztruppe „Hip Op-eration“ übt Hiphop – und eine hinreißende Doku begleitet sie auf ihrem Weg zu den Meisterschaften.

          2 Min.

          Wie bringt man Menschen dazu, zu Musik zu tanzen, die ihnen nicht geläufig ist? Im Jahre 2004 untersuchte der Dokumentarfilm  „Rhythm is it!“ dieses Phänomen anhand von Jugendlichen, die zu Strawinskys „Le sacre du printemps“ eine Choreographie einstudierten. Das harte Training setzte bei vielen erstaunliche Energien frei. „Hip Op-eration“ wirkt fast wie eine Ergänzung dieses Filmes: Auch Senioren kann es offenbar ungemein bereichern, zur Musik ihrer Enkel zu tanzen.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Dieses Erlebnis haben die alten Herrschaften auf der Insel Waiheke vor der Nordküste Neuseelands einer Frau namens Billie Jordan und dem Erdbeben von Christchurch zu verdanken. Als es sie in einem Coffeeshop überraschte, beschloss sie, ihren Job zu kündigen, auf die Insel zu ziehen und etwas ganz Neues anzufangen. Zum Beispiel eben dies: Hiphop mit Senioren.

          Groovende Kulisse

          Entzückend daran ist, dass Billie Jordan jegliche Street Credibility vollkommen abgeht. Sie selbst gibt zu, keine Ahnung von Hiphop zu haben und sich die Bewegungen vor den Tanzstunden bei YouTube anzueignen. Warum sie sich trotzdem ausgerechnet dafür entschieden hat, verschweigt der Film leider. Denn er ist ausgesprochen beschäftigt damit, die durchaus interessanten Lebensgeschichten der ältesten Tänzerinnen en detail wiederzugeben. Die anderen Mitglieder der Kompagnie werden vernachlässigt; sie dienen eher als groovende Kulisse.

          Video-Filmkritik : Oma kickt die derbsten Styles

          Die Tänzerinnen halten nicht damit hinter dem Berg, dass sie Hiphop eigentlich nicht besonders mögen. Gerade das zeigt, dass Starrsinn und ein engerer Horizont nicht zwangsläufig mit dem Alter einhergehen müssen. Genau wie die Jugendlichen in „Rhythm is it!“, die Strawinsky anfangs fürchterlich finden und eigentlich mit Tanzen nichts am Hut haben, bevor sie sich dann doch auf diese Welt einlassen, stecken die alten Damen und Herren schließlich in lässigen Klamotten und bouncen, so heftig es das Becken nach der Hüftoperation zulässt. Als sie zur Weltmeisterschaft nach Las Vegas eingeladen werden, zögern die meisten von ihnen keine Sekunde – obwohl die Reise gesundheitlich riskant ist.

          Dass sie in Amerika vom Filmteam auf einen Schießstand und in einen Partybus geschleift werden, beschert der Dokumentation zwar ein paar gute Bilder, ist aber inhaltlich völlig uninteressant. Viel eindrücklicher ist da schon die letzte Probe vor dem großen Auftritt von „Hip Op-eration“: Alle stehen auf einem Dach, üben die Bewegungen, zur Zeitlupe erklingt langsame Musik. Plötzlich wirkt Hiphop wie Tai Chi, sämtliche Unterschiede in den Bewegungen lösen sich auf. Letztlich ist dies die Lehre dieses Films: Jeder bewege sich. So gut und schnell er eben noch kann.

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