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Video-Filmkritik : Ist Dan Brown noch zeitgemäß?

Bild: F.A.Z., Sony Pictures

Größer als die Gefahr fürs Weltkulturerbe ist nur die Bedrohung der Menschheit durch einen Biochemiker: Ron Howard hat Dan Browns „Inferno“ verfilmt. Es könnte der letzte Robert-Langdon-Film sein.

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          Wir hatten eine schöne Zeit mit Dan Brown, das soll hier gar nicht bestritten werden. Der „Da Vinci Code“, das Buch mit dem dämlichen deutschen Titel „Sakrileg“, war ein superunterhaltsamer Thriller, den man verschlang wie einen Whopper. „Illuminati“ hatte auch seine Reize. Die Mischung funktionierte einfach: eine vorgeblendete Bildungsfassade, ähnlich wie beim Stadtschloss, dahinter solide Arbeit an Plot und Spannungsbögen in einfacher Sprache; keine weit auskragenden Bauteile, die jemanden gestört hätten - außer jenen, die es für ein Sakrileg halten, wenn das Abendland als kulturelles Accessoire im Kriminalroman untergeht. Der Protagonist, der Symbologe Robert Langdon, war sympathisch, kein Nerd, auch kein Indiana Jones, nicht sehr komplex, aber doch ein Mann mit hinreichenden Eigenschaften, um fast im Alleingang gegen weltverschwörerische Elemente anzutreten und einen dabei nicht zu langweilen.

          Peter Körte
          (pek), Feuilleton

          Aber die Brown-Formel wurde mit der Zeit zu berechenbar, es fehlte an Innovationskraft und Varianten, was „Das verlorene Symbol“ (2009) und „Inferno“ (2013) zu zäher und schon leicht angestaubter Lektüre machte. Dan Brown war aber immer fleißig, hat viel gelesen, und er hat nie herumgeprotzt mit seinen frisch erworbenen Einblicken. Eine Fibonacci-Folge beherrschen heute Fünftklässler, und was in „Inferno“ als kompliziertes Rätsel gilt, dafür braucht man keinen Lehrstuhl in Harvard, das schafft man auch mit einem schmalen Reiseführer, den man auf dem Kurztrip nach Florenz oder Istanbul schnell mal im Flugzeug liest.

          Langdon muss sich fachfremd ordentlich reinhängen

          Und so ganz wird man, wenn man jetzt die Verfilmung von „Inferno“ sieht, das Gefühl nicht los, das man schon nach dem Buch hatte: dass die große Zeit der Langdon-Romane wohl abgelaufen ist. Die Filme, alle drei von Ron Howard in Hochglanzkonfektion produziert, wie das nur Hollywood kann, haben ihre ganz große Zeit nie gehabt. Der erste, der „Da Vinci Code“, war nur dank der Erlöse im Ausland profitabel; „Illuminati“ spielte in Amerika weniger ein, als er gekostet hatte. Da half die größere Empfänglichkeit des Publikums im Rest der Welt nicht mehr allzu viel.

          Insofern ist es erstaunlich, dass überhaupt ein dritter Roman adaptiert wurde; dass künftig jemand noch investieren möchte, um „Das verlorene Symbol“ zu verfilmen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Und dass Tom Hanks noch mal Lust auf Langdon hat, ist schwer zu glauben. Hanks, der treu und unverdrossen aus der Langdon-Figur rausholt, was rauszuholen ist, sieht nicht gut aus, wenn wir ihn jetzt treffen: im Krankenhausbett, am Tropf, mit blutiger Kopfwunde und glasigem Blick. Einen Filmriss hat er - und zum Glück beim Erwachen eine hübsche Ärztin an der Seite, deren Darstellerin Felicity Jones manchmal ein wenig aussieht wie Maria Schneider im „Letzten Tango“.

          Dass Langdon in Florenz ist, haben schon im Vorspann schöne Luftaufnahmen demonstriert, später folgen Prospekte aus Venedig und Istanbul, dazu aparte Schauplätze für Showdown und Actionsequenzen, und wir sind alle sehr froh, dass Dantes Totenmaske wieder zurückgegeben wird und die Deckengemälde im Salone dei Cinquecento im Palazzo Vecchio nur in der Fiktion beschädigt wurden. Größer als die Gefahr fürs Weltkulturerbe ist ohnehin die Bedrohung der Menschheit in Gestalt eines Biochemikers, der das Problem der Überbevölkerung mit einem gefährlichen Krankheitserreger lösen will. Da muss sich Langdon fachfremd ordentlich reinhängen, wobei der Film uns am Ende aber noch nicht mal die düstere Pointe des Romans zumuten mag. Es hätte ihn auch nicht gerettet. Wir googeln uns lieber, wie im Film, zum Ende ein Dante-Zitat: „Viel späht und schaut man, doch erblickt nur wenig.“

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