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Filmkritik: „Ready Player One“ : Der Weg aus dem Schein führt tiefer hinein

Der weltbekannte Regisseur von „Ready Player One“ wiederum war nie ein eingleisiger Hollywoodkünstler, sondern stets ein Spielgebirge aus zwei Massiven – das eine hat der Mann aufgehäuft, der „Schindler’s List“ (1993), „Munich“ (2005) oder „Lincoln“ (2012) schuf, das andere gehört dem Popcorn-Monumentalisten von „E.T.“ (1982) oder „Jurassic Park“ (1993). Für „Ready Player One“ hat nun der analytische Historienkünstler Spielberg die filmischen Mittel seines siamesischen Zirkuszwillings gesichtet, gesiebt und seinen Zwecken unterstellt, ohne sie dabei zu domestizieren.

Das 3D-Wandgemälde, das dabei herauskommen ist, hat seine unscharfen Stellen: Die jungen Menschen zum Beispiel, die der Film gegen den Vorwurf verteidigt, sie ließen sich vom Virtuellen zu leicht einspinnen, weshalb die Welt, wie es im Roman heißt, von ihnen „neglected“ werde, also vernachlässigt, haben diese Art Verteidigung längst nicht mehr nötig, wie sie nicht nur auf Demonstrationen gegen die Waffenlobby derzeit zeigen. Die Analyse von Mono- und Oligopolpolkämpfen in der VR-Industrie, die Cline im Buch leistet, verkürzt Spielberg besonders krass: der IOI-Schurke Sorrento, den der Schauspieler Ben Mendelsohn als seelenlos zwangsgeschäftige Kopie des SAP-Chefs Bill McDermott anlegt, intrigiert bviel zu eigenmächtig, als dass von der bewusst austauschbaren Kapitalfunktionärsmaske, als die Cline diese Figur angelegt hat, irgend etwas Plausibles übrigbliebe – es ist, als würde jemand den beängstigend automatischen Begriff des Bösen, den Hannah Arendt an Adolf Eichmann gewonnen hat, mit nicht ganz sanfter Gewalt in die traditionellere Idee des Shakespeare-Schurken (Iago etwa) zurückentwickeln.

„Thank you for playing my game“: Aech und Parzival in „Ready Player One“

Auch der glaubhaften und beängstigenden Idee des Romans, dass die OASIS große Teile des Bildungswesens und der Sozialisationsaufgaben des überfamiliären Gemeinwesens aufgesogen hat, bleibt im Film nichts übrig.  Überdies schmälert die beim Popcorn-Spielberg immer schon atmosphäreprägende Middle-Class-Kernfamiliensentimentalität mitsamt ihren Kinderklischees und Geschlechterstereotypen das Gesamtverdienst von „Ready Player One“ – dass etwa in dem Moment, in dem Hallydays Liebesleben ins Zentrum der Gunter-Osetreierjagd rückt, ein Junge und ein Mädchen diese Spur zwar gemeinsam aufnehmen, das Mädchen aber sehr viel mehr Begeisterung über Herzensangelegenheiten zeigt als der sachlichere Junge, hätte nicht sein müssen, so wenig wie der Hinweis darauf, dass eine Figur, die sich zunächst männlich präsentiert, in Wirklichkeit eine Frau ist, was man an ihrer ängstlicheren Reaktion auf Horrorszenarien erkennen soll.

Gesellschaftliches im Großen

Dass schließlich der weitgehend ironiefrei inszenierte nostalgische Rückgriff auf die Mainstream-Unterhaltungsarchive der achtziger Jahre, der den Film zentral steuert, überhaupt und unausweichlich allerlei ethnische und erotische Hegemonialvorgaben jener Zeit reproduziert, die, vorsichtig formuliert, ein bisschen angestaubt sind, erzwingt (allerdings verschmerzbare) Punktabzüge. Einen deutlichen und erfreulichen Gegenakzent gegen derlei setzt allerdings eine Person, der die Kostümabteilung des Films ein „Rush 2112“-T-Shirt angezogen hat. Dieses Signet einer Rockband für introvertierte weiße Kleinbürgerbuben liest der Film sozusagen kontraintuitiv, denn die Person, die es hier trägt, sieht weder introvertiert, noch weiß, noch kleinbürgerlich aus, und ein Bub ist die Schauspielerin Lena Waithe auch nicht, sondern die perfekte Darstellerin für eine Figur, die schon im Buch zu den sympathischsten gehört und im Kino jede Szene stiehlt, in der sie vorkommt.

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