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Filmkritik: „Ready Player One“ : Der Weg aus dem Schein führt tiefer hinein

Spielbergs Film ist voll bis zum Platzen, jeder Ton blinkt, jedes Bild singt von Anfang an: Zum Auftakt jubelt David Lee Roth „I get up, and nothing gets me down“, dann klatschen musikalische Referenzen einander ab: Von Joan Jetts „I hate myself for loving you“ bis zum winzigen „Was-hat-sich-hier-gerade-verändert“-Jingle aus Alan Silvestris Soundtrack zu „Back To The Future“ (1985) bleibt keine Note ungecastet, und zum finalen Aufstand der Gunters geht die Hard-Rock-Marseillaise „We’re not Gonna Take It“ von Twisted Sister durch die Decke. Noch dichter als die musikalischen taktet Spielberg die filmischen Referenzen, zwischen obskuren Zaubersprüchen aus John Boormans „Excalibur“ (1981), klaustrophobischen Kulissen aus Stanley Kubricks „The Shining“ (1980), dem an sinniger Stelle eingeschmuggelten Namen „Rosebud“ aus „Citizen Kane“ (1941) von Orson Welles und einem flapsigen Gruß an W. D. Richters „The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension“ (1984). Der Fußnotenbombenteppich, auf dem Spielberg „Ready Player One“ errichtet hat, donnert vor Sinn: Alles, worauf hier gedeutet wird, übernimmt den Transport irgendeiner (moralischen, politischen, ästhetischen) Behauptung (Freundschaft ist gut, Geld macht dumm, Licht verspricht Wärme) – ein eigentlich kaum filmisches, eher literarisches Verfahren, auch wenn im Film niemand Bücher liest – egal, die Quelle des Ganzen ist ja ein Roman von Ernest Cline aus dem Jahr 2011.

Es geht um Zufälle

Cline, der zusammen mit dem Film- und Computerspielautor Zak Penn auch das Drehbuch zu Spielbergs Kraftakt verfasst hat, wollte, als er anfing, den Roman zu schreiben, vor allem wissen: Wie vermählt man a.) eine rückhaltlose Liebeserklärung an kulturindustrielle Phantastik zwischen japanischen Zeichentrickserien, den Produkten von Spielbergs Firma Amblin und Computerspielen (bis zurück in deren Frühzeit, als man sie für einen Vierteldollar pro Runde in Arkaden spielte) mit b.) technisch beschlagener Kritik an Gesellschaften, von deren Übelständen das unter a.) subsumierte Zeug so gern und immer besser ablenkt?

Der Rezensent, dessen Sätze Sie gerade lesen, kennt die Seelenlage, aus der diese Erzählabsicht kommt, ganz gut: Er liebt einerseits sehr unkritisch viele der Bonbons, mit denen Spielberg in „Ready Player One“ wirft, und weiß andererseits, dass man Liebe in einer Filmbesprechung besser nicht als Argument verwendet. Nicht bei allen, die den Text lesen könnten, wird im Kino zwingend sofort ein innerer Chorgesang („Thunder-Thunder-Thunder-Cats!“) im Kopf losjodeln, wenn sie Parzivals Gürtelschnalle entdecken, und nicht alle Herzen werden flattern, wenn das Robotergehäuse aus „Kidô senshi Gandamu“ (1979) auf dem Höhepunkt von „Ready Player One“ seinen euphorisierenden Auftritt hat. Da geht’s nicht um Kenntnisse und Vorsprünge, sondern um Zufälle (wie bei Liebe ja oft).

Nie nur ein Hollywoodkünstler

Es ist neuerdings Mode geworden, langweilige Kommerzkinoschinken mit dem Vorwurf zu schmähen, sie seien eigentlich keine Filme, sondern Computerspiele, bei denen man nur nicht mitmachen dürfe. Wunderlicherweise stimmt dieser Vorwurf bei „Ready Player One“ vermutlich zum ersten mal wortwörtlich, aber als Lob. Spielberg hat augenscheinlich beschlossen, mit den Mitteln seines (extrem teuren) Autorenkinos in der Art einer gesprächsbereiten Widerrede auf den Umstand zu reagieren, dass es heute jede Menge intelligenter, popkulturell beschlagener Menschen unterschiedlichsten Alters gibt, die sich vom Hollywoodfilmgucken in just dem Zeitmaß verabschiedet haben, das sie lieber der Beschäftigung mit Computerspielen wie „NieR: Automata“, „No Man’s Sky“ oder „Horizon Zero Dawn“ opfern.

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