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Video-Filmkritik: „Nurejew“ : Hier bei euch werde ich niemals glücklich sein

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Bild: F.A.Z.

Wie zeigt man, was Tanz bedeutet? Ralph Fiennes ist es in seinem Film „The White Crow“ über den ersten Popstar des Balletts, Rudolf Nurejew, und dessen Flucht in den Westen gelungen.

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          Wie lange scheint das jetzt zurückzuliegen, jene Zeit, in der es einen Eisernen Vorhang gab und einen KGB, der dahinter regierte, dunkle Mächte, die nachts Menschen aus ihren Betten holten, sie folterten und verschwinden ließen. Erschütternd malte Julian Barnes’ großartiges Buch „Der Lärm der Zeit“ aus, wie ein Künstlerleben unter der grausamen und willkürlichen geheimdienstregierten sowjetischen Diktatur aussah. Dmitrij Schostakowitsch, um den es geht, legt sich nicht mal mehr angezogen schlafen, er erwartet die drohende Verhaftung schlaflos im Hausflur, mit einem Koffer neben sich.

          Wie lange scheint das her zu sein, und wie nahe dagegen ist Rudolf Nurejew unserer Gegenwart noch immer, Nurejew, der wenige Jahre später um Haaresbreite ein Opfer des KGB geworden wäre. Der dennoch nicht direkt aus politischen Gründen in den Westen ging, sondern aus künstlerischen Motiven – er wollte tanzen, mehr tanzen, und alles tanzen und überall tanzen können, wo es ihm vorschwebte.

          Nun zeigt ein neuer Spielfilm, „The White Crow“ von Ralph Fiennes, was zu Nurejews Beinahe-Verhaftung führte und wie sein Entkommen gelang. Der spektakuläre Moment, der tanzweltgeschichtliche Augenblick, in dem Nurejew den Eisernen Vorhang durchbrach und in den Westen flüchtete, gerinnt in diesem fesselnden Biopic zu den dramatischsten Bildern des überwältigend authentischen Films, natürlich. Was faktisch einige schnelle Schritte hin zu jenen rettenden französischen Polizisten waren, die wartend am Tresen einer Cafébar auf dem Pariser Flughafen „Le Bourget“ standen, zeigt der Film so, dass man begreift, welche Angst im Inneren Nurejews mit seiner Entschlossenheit zur Flucht kämpfte.

          „Natürlich gehörte ich zu den ,Modernen‘“

          Der Film über einen Tänzer, der das legendäre St. Petersburger Mariinsky-Ballett, seine Wiege, seine Heimat, verlässt, um endlich andere Rollen zu tanzen, um mitzugestalten, wie sich die jahrhundertalte Kunst des klassischen Tanzes verwandelt und den Sprung in die Abstraktion vollzieht, zeigt das wahre Gesicht des Balletts, alle seine Schönheiten. Seine Seriosität, besonders in der damaligen Epoche, wird ganz deutlich. Waren es doch geniale Choreographen und Ballettmeister, mit denen Tänzer im Westen arbeiteten – Frederick Ashton, Kenneth MacMillan, Antony Tudor, John Cranko, George Balanchine, Jerome Robbins, um nur einige der im erweiterten klassischen Idiom arbeitenden Künstler zu nennen.

          Julie Kavanaghs ausgezeichnete, 700 Seiten starke Nurejew-Biographie, auf der das Drehbuch basiert, dokumentiert, was Rudolf einem Pariser Freund von Clara Saint nach der Flucht anvertraute: „In Leningrad war es sehr hart. Es gab zwei Lager am Kirov (Ballett), jenes der Traditionalisten, angeführt von Konstantin Sergejew, die absolut keine Veränderung wollten, kein neues Kostüm, keine Perücke, und dann die anderen, die sich eine behutsame Modernisierung des Tanzes wünschten. Natürlich gehörte ich zu den ,Modernen‘, weswegen die Direktion mich nicht so oft auftreten ließ und mir bestimmte Rollen vorenthielt. Ich werde niemals in meine Heimat zurückkehren, aber ich bin überzeugt, dass ich hier bei euch niemals glücklich sein werde.“

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