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Video-Filmkritik : Von fern grüßt ein Stern, den hat sie gern

  • -Aktualisiert am

Bild: Sony Pictures Germany

Was macht man allein als rundumversorgter Raumfahrer? Man freut sich über weibliche Gesellschaft: Jennifer Lawrence öffnet die Leinwand im Film „Passengers“ fürs Unendliche.

          Mit der Erfindung des Infinity Pools hat sich auch der Begriff von Unendlichkeit verändert. Sie ist zu einer optischen Täuschung geworden, ein offener Horizont für Wassertreter. Die Unendlichkeit konnte das natürlich nicht auf sich sitzen lassen, und so darf man den neuen Science-Fiction-Film „Passengers“ getrost auch als Rache des Erhabenen an der Ästhetik der Hotelportale nehmen. Hier gibt es auch einen Infinity Pool, allerdings einen, bei dem alles darauf ausgelegt ist, dem Begriff auch wirklich gerecht zu werden. Wer hier seine Längen zieht, tut dies im Angesicht des Kosmos selbst. Am einen Ende springt man ins Wasser, am anderen Ende schlägt man an, dahinter ist dann nur noch Nebel. Sternennebel und Finsternis. Der Weltraum. Unendliche Weiten. Fast sehnt man sich nach einem Logbucheintrag von Captain Kirk, um wieder einen festen Grund zu finden.

          Die eigentliche Pointe mit diesem Pool ist aber die: Es gibt für ihn eigentlich keine Verwendung. Denn in dem Raumschiff „Avalon“, in dem er Teil der Wellnessanlage ist, befinden sich alle Passagiere und auch die Besatzung in einem künstlichen Tiefschlaf. Sie überbrücken auf diese Weise die beträchtliche Reisedauer von gut hundert Jahren. Bei Ankunft sollen sie so frisch sein wie heutzutage Südfrüchte, die ihre lange Reise in die Regale unter ähnlichen Bedingungen absolvieren. Fünftausend Menschen haben diesen Trip gebucht, eine Rückkehr ist nicht vorgesehen, sie wollen eine neue Welt schaffen. „Homestead“ (Heimstätte) heißt die Firma, die diese Reise organisiert. Bisher hat immer alles prima geklappt, mit den Kojen, in denen die Passagiere ruhen, gab es noch nie Schwierigkeiten.

          Bar-Roboter ohne Hose

          Das ändert sich zu Beginn von „Passengers“. Der Schutzschirm, der an der Spitze der Avalon die kosmischen Partikel (nicht selten haben sie die Größe des berühmten Titanic-Eisbergs) in der Regel souverän absorbiert, kommt einmal ein bisschen ins Wanken. Durch das Schiff geht ein Ruck, es rumpelt ganz leicht im Gebälk, keine große Sache, aber es öffnet sich halt ein Fenster. Der Mechaniker Jim Preston wird aufgeweckt. Es ist ein bisschen zu früh. Achtundachtzig Jahre vor der Zeit.

          Es ist zwar etwas unordentlich an Bord, aber dafür ist Jennifer Lawrence da: Jim und Aurora allein im Weltraum.

          An Wiedereinschlafen ist nicht zu denken, er ist nun wieder im normalen Biorhythmus. Nacht, Tag, Essen, Ruhen, alles ganz normal, nur eben mit einer verdammt langen Perspektive. Das Schiff bietet diesem hypermodernen Robinson alles, was er zum Leben braucht, und sogar die eine oder andere Aufgabe, denn nicht alles scheint mit den Auto-Repair-Programmen wieder ins Lot zu kommen. Wenn er abends Gesellschaft sucht, geht Jim in die Bar. Dort wird er von einem Roboter bedient, was man an dem Detail erkennt, dass dieser Arthur zwar Jacke, aber keine Hose trägt (die Technik verbirgt immer nur das, was für die Illusion unabdingbar ist, ganz ähnlich wie beim Infinity Pool). Arthur wird von einem Menschen gespielt, der so tut, als wäre er eine Maschine. Jim wird von einem Mensch gespielt, der so tut, als wäre er kein Superheld. Das klappt aber nicht so richtig, denn Chris Pratt ist nun einmal als Star-Lord (Peter Quill) aus den Marvel-Filmen bekannt, ein „Guardian of the Galaxy“, der hier zum Schiffsmechaniker degradiert wurde.

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