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Kino : Zu schön für diese Welt: "Unterwegs nach Cold Mountain"

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Film-Kritik: Nicole Kidman in "Unterwegs nach Cold Mountain" Bild: Miramax

"Unterwegs nach Cold Mountain" sieht aus wie ein Film aus längst vergangener Hollywoodzeit, als Krieg kein Grund war für strähniges Haar und ungepflegte Nägel.

          Ein Bestseller über den amerikanischen Bruderkrieg und eine Liebe, die ihn überdauert, zwei Hollywoodstars, ein europäischer Regisseur, der schon einmal die Welt mit einem Film über die Liebe im Krieg betörte, und ein beachtliches Budget - das schien eine in jeder Hinsicht erfolgversprechende Kombination, ein wenig altmodisch vielleicht.

          Tatsächlich sieht "Unterwegs nach Cold Mountain" aus wie ein Film aus längst vergangener Hollywoodzeit, als noch niemand erwartete, daß die Schönheit der Stars sich an der Wirklichkeit zu messen hätte, jenen goldenen Jahren also, als Krieg kein Grund war für strähniges Haar und ungepflegte Nägel.

          Odyssee der Liebenden

          Die Schlachten des Krieges bringt der Regisseur Anthony Minghella in fünfzehn großartigen von hundertfünfundfünfzig zum Teil sehr langen Minuten hinter sich: in Bildern, die der aufgewühlte Dreck braungrau getönt hat, Bildern voll dunklem Blut und zerrissenen Leibern, von Körpern, die unter Schreien im Schlamm versinken, in den Tod geschleudert von einer Kette von Explosionen an unerwartetem Ort. Für Filme über den Amerikanischen Bürgerkrieg werden diese Szenen einen ähnlichen Standard setzen wie Steven Spielbergs Eingangssequenz zu "Saving Private Ryan" für solche über den Zweiten Weltkrieg.

          Für den Rest des Films, der kürzlich die Berlinale eröffnete, gilt das nicht. Nach der Schlacht beginnt die Odyssee des Liebenden, der Inman heißt und desertiert. Er will zurück nach Cold Mountain, wo er, bevor er begeistert mit den Konföderierten loszog, Ada geküßt hatte. Die Kriegsbegeisterung stirbt beim großen Töten vor Petersburg. Die Liebe zu Ada treibt Inman quer durchs Land und durch Prüfungen aller möglichen Art. Er begegnet einem Verräter in einem Hurenhaus, einem sexbesessenen Pfaffen, einer Hexe mit Ziege und einer Witwe mit Baby, bei der er noch einmal töten muß. Dann sind die Liebenden endlich vereint, aber nicht alles wird gut.

          Stark in den kleinen Geschichten

          Jude Law und Nicole Kidman spielen diese beiden, zwei Stars, zu schön für diese Welt, zu modern fürs neunzehnte Jahrhundert, zu gut gekämmt für den schmutzigen Krieg, den sie getrennt voneinander in Gedanken aneinander überleben. Den Film tragen die Nebendarsteller, die Minghella sorgfältig besetzt hat, um seine überweltlichen Stars einzubetten in Fleisch und Blut. Von Donald Sutherland, der Adas Vater spielt, sieht man leider viel zuwenig, um so mehr aber von Renée Zellweger, die mit Riesenschritten in den Film stürmt, eine Grimasse schneidet, trocken bemerkt, daß Ada mit ihrem Klavierspiel schlecht gerüstet sei fürs Überleben, und dann einem Hahn den Hals umdreht.

          Mit ihrem Vater, den Brendan Gleeson spielt, wird sie zum menschlichen Zentrum des Films, in dem vorübergehend auch für Eileen Atkins, Natalie Portman und Philip Seymour Hoffman, Giovanni Ribisi und Kathy Baker Platz ist. Für ihre kleinen Geschichten lohnt sich der Film, für die große der Stars nicht unbedingt.

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