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Kino : Schreiben als moralische Tragödie: „Capote“

Film-Kritik: Philip Seymour Hoffman in „Capote” Bild: A-Line Pictures

Ein berühmter, exzentrischer Schriftsteller arbeitet an seinem größten literarischen Wurf - und zerbricht daran. Als „Capote“ brilliert Philip Seymour Hoffman, der als großer Oscar-Favorit gilt.

          In der Nachkriegszeit und bis in die frühen achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein, zu jener Zeit also, in der Bücher und die, die sie schrieben, so oder so die Öffentlichkeit noch beschäftigten, war Truman Capote ein Star.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Exzentrisch, eitel, hoch begabt, selbstverliebt, strahlend schwul und unterhaltsam - Truman Streckfus Persons, wie er ursprünglich hieß, wurde ohne große Anstrengung gesellschaftsfähig. Er wollte immer berühmt und er wollte immer ein bedeutender Autor sein. Beides gelang ihm über weite Strecken seines nicht sehr langen Lebens, wobei seine literarische Bedeutung heute vielleicht größer wäre, wenn er dem Ruhm ein bißchen weniger verfallen gewesen wäre. Vergessen wurde Capote, der von sich selbst sagte, daß es nie jemanden gab wie ihn und auch nie wieder einen Mann wie ihn geben werde, zu keiner Zeit. Und das nicht nur, weil er über Leichen ging.

          Beginn als Bürobote

          Als Sohn eines Kleinkriminellen und einer wunderschönen Trinkerin 1924 in New Orleans geboren und bei Tanten und Kusinen in Alabama aufgewachsen, war er als Jugendlicher durch die zweite Ehe der Mutter in bessere Verhältnisse und nach New York gekommen. Und zu dem Namen, unter dem er dann gefeiert werden sollte. Niemand, außer ihm selbst wahrscheinlich, hatte damit gerechnet, daß es so schnell gehen würde. Capote hatte schon als Jugendlicher begonnen zu schreiben und gehofft, daß seine Anstellung als Bürobote beim „New Yorker“ ihn der Veröffentlichung seiner Geschichten näher bringen werde.

          Truman Capote - der echte - im Jahr 1980

          Er irrte, doch „Mademoiselle“ und „Harper's Bazaar“, die beiden anderen Zeitschriften, die damals Kurzgeschichten auf hohem literarischem Niveau druckten, nahmen seine Geschichten an, und gleich mit der ersten gewann er den angesehenen O. Henry Award. Das war 1946 und brachte ihm einen Buchvertrag mit Random House ein, zwei Jahre später erschien dort sein erster Roman, „Other Voices, Other Rooms“. Damit war Capote ein gemachter Mann, und er nutzte den frühen Ruhm, um ein Popstar vor der Zeit zu werden, der es liebte, fotografiert zu werden, sei es zu Hause, in den Ferien oder mit Damen der Gesellschaft, die den kleinwüchsigen Autor stets überragten.

          Die wichtigste Figur

          Von alldem erzählt „Capote“, das Spielfilmdebüt von Bennett Miller, nicht. Dies ist kein Film über den Aufstieg zu Reichtum und Ruhm. Wenn er beginnt, ist die Phase des Berühmtwerdens bereits vorbei, „Frühstück bei Tiffany's“ ist erschienen, der „New Yorker“ zählt Capote zu seinen regelmäßigen Mitarbeitern. Und Mister Shawn, der legendäre Chefredakteur des Magazins, läßt ihn nach Kansas ziehen, zur Recherche der Geschichte von der Ermordung einer vierköpfigen Familie, die bis heute am engsten mit Capotes Namen verbunden ist, „In Cold Blood“ (Kaltblütig). Von der Arbeit an dieser Geschichte erzählt der Film, und er ergänzt damit Capotes Buch um seine vielleicht wichtigste Figur: um Truman Capote selbst.

          Mit seiner Jugendfreundin Nelle Harper Lee (Catherine Keener), die bald mit dem Roman „Wer die Nachtigall stört“ ihren eigenen Erfolg feiern wird, fährt Capote los. Er könnte mit seinem eleganten Schal von Bergdorff und seinen zierlichen Schuhen, den manieriert abgespreizten Händen und seiner quäkenden Babystimme ebensogut mit einem Ufo angekommen sein, als er in Holcomb in Kansas aus dem Auto steigt. Fremder als er kann sich dort niemand fühlen, und doch wird der Erfolg seines Unternehmens in hohem Maße davon abhängen, daß er das Vertrauen der Bewohner und der schnell gefaßten Mörder gewinnt. Wie das gelingt, wie Capote schmeichelt, überzeugt, verführt, das ist der eine Teil der Filmerzählung. Der andere ist, wie Capote daran zugrunde geht, daß er sie alle verrät.

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