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Kino : Schaumschläger im Schweinestall: „Kung Fu Hustle“

  • -Aktualisiert am

Film-Kritik: Stephen Chow in "Kung fu hustle" Bild: Columbia Pictures

Der Kampfsport ist eine Kunst, die im Volk verborgen liegt: Die Filmkomödie „Kung Fu Hustle“ des Hongkong-Regisseurs Stephen Chow beweist, daß die Tradition des Kung Fu keineswegs im Niedergang ist.

          Nur die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen wohnen in der „Schweinestall“-Mietskaserne am Stadtrand von Schanghai. Hierher hat das organisierte Verbrechen seinen Einfluß noch kaum ausgedehnt.

          Es lohnt sich ganz einfach nicht, von einem Habenichts ein Schutzgeld zu erpressen oder einen Feigling für eine Gang zu rekrutieren. Die schwarz gekleideten Männer mit den Äxten, die nach dem Showdown mit der Krokodilsbande unumschränkt über die Stadt herrschen, kommen in das „Schweinestall“-Quartier nur, um ein wenig zu posieren und sich vielleicht die Haare schneiden zu lassen.

          Archetypische Konstellation

          Die Ruhe aber ist trügerisch, die Faulheit der Leute nur vorgeschützt. Sie sind jederzeit bereit, eine Herausforderung anzunehmen und ihren Teil zu dem „Kung Fu Hustle“ beizusteuern, den der Hongkong-Star Stephen Chow in seiner ersten weltweit vertriebenen Filmkomödie entfesselt. Schanghai 1940 ist nicht Chicago 1930 (oder Tombstone 1870), es reicht, daß eine archetypische Konstellation aufgerufen wird: Außenseiter formen eine Zivilgesellschaft, die das Recht da wieder aufrichtet, wo es von dunklen Usurpatoren gebeugt wird.

          Zuerst schlägt allerdings die Stunde der Schaumschläger. Sie versuchen, aus der Aura der Gewaltherrscher einen kleinen Profit zu schlagen. Sing (gespielt von Stephen Chow selbst) und der dicke Gu (Lam Tze Chung) tauchen im „Schweinestall“ auf und geben sich als Vorhut der Axtmänner aus. Sing möchte einen Schaukampf vom Zaun brechen, stellt aber schnell fest, daß die harmlos wirkenden Bürger ziemlich gefährlich aussehen, sobald sie aus der Masse heraustreten. Das Prinzip von „Kung Fu Hustle“ deutet sich hier schon an: Der Kampfsport ist eine Kunst, die im Volk verborgen liegt. Die Tradition des Kung Fu ist keineswegs im Niedergang. Seine Verfechter halten sich nur bereit für eine Konfrontation, die ihrer Talente würdig ist.

          Mythologische Motive

          Daß dabei ein beträchtlicher Pluralismus von Kampfstilen und Schulen zum Vorschein kommt, hat einen Sitz im Leben wie im Genre. Unter den glorreichen vielen hat jeder seine Methode und sein mythologisches Motiv. Diesem professionellen Stolz wird von Stephen Chow nach den Prinzipien von „mo lei tau“ jeder heilige Ernst ausgetrieben. Der chinesische Begriff wird meist mit „Nonsens“ übersetzt und bezieht sich oberflächlich auf eine Form der Komödie, der im Deutschen am ehesten die „Klamotte“ entspricht.

          Ein wesentlicher Bestandteil von „mo lei tau“ hat jedoch mit physischer Komik weniger zu tun als mit entfesseltem Sprachwitz, der auf der phonetischen Besonderheit des Kantonesischen beruht, auf dem ähnlichen Klang vieler Wörter und der Möglichkeit, mit geringen Variationen gewichtige Fehlleistungen zu produzieren. Das Englische wird in diesen Sprachwitz zunehmend integriert - der Nudelkoch im „Schweinestall“ heißt Donut.

          Team von Taugenichtsen

          Vor vier Jahren brachte Stephen Chow eine Komödie mit dem Titel „Siu lam juk kau“ heraus, die es schnell zu Weltruhm brachte: „Shaolin Kickers“ (respektive „Shaolin Soccer“) verband die Welt der Martial Arts mit dem Fußballsport. Ein paar Taugenichtse schlossen sich darin zu einem Team zusammen, dessen Talente selbst Ronaldinho alt aussehen ließen: Sie spielen Fußball mit den Möglichkeiten der Shaolin, die noch dazu auf digitale Tricktechnik zurückgreifen konnten. „Shaolin Kickers“ ist eine großartige Crossover-Komödie, unorthodox nur in bezug auf den Fußball, dem subversiv die Grundlagen entzogen werden. Der Film kam in den Vereinigten Staaten stark gekürzt in die Kinos und wurde von Miramax nicht besonders pfleglich behandelt.

          „Kung Fu Hustle“ gelangt nun bereits auf dem Umweg über die Vereinigten Staaten nach Deutschland. Das stark stereotypisierende Marketing-Umfeld erfährt seine Korrektur durch den Film selbst: Chow spielt mit einer genuinen Lust am Häßlichen und Abstoßenden. Der „Schweinestall“ wird von einer unsympathischen Vermieterin regiert, und der legendäre Kung-Fu-Kämpfer „Das Biest“ (Leung Siu Lung) erweist sich als altes Ekel in Unterhemd und Plastiksandalen.

          Eine Form der Ehre

          Aus allen diesen Verächtern des kultivierten, urbanen Lebens materialisiert sich nur im Bedarfsfall ein Talent, das eine andere Dimension sichtbar macht: einen Kodex, eine Form der Ehre, die tiefer reicht als die Anspielungen auf globales Kino, mit denen Stephen Chow nicht geizt. „Kung Fu Hustle“ entwickelt die Spezialeffekte direkt und bewußt aus der Gosse. Die Kampfszenen steigern sich von Duell zu Duell.

          Viele Stunts wurden im Computer generiert, und manche Schläge des Buddha bekommen auf diese Weise eine kosmische Dimension. Wenn der Gegner am Ende aber auf dem Boden liegt und langsam zu Bewußtsein kommt, dann schmeckt er den Staub, in den der „Schweinestall“ gebaut wurde. Hier ist „Kung Fu Hustle“ in seinem Element.

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