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Kino : Ein Bild von einer Frau: „Frida“

  • -Aktualisiert am

Film-Kritik: Salma Hayek in "Frida" Bild: Buena Vista

Sie hat geliebt, gelitten und gemalt wie keine zweite, nun läßt die Schauspielerin Salma Hayek sie wieder auferstehen: Frida Kahlo.

          6 Min.

          Frida Hayek. Salma Kahlo. Man kriegt das schnell durcheinander. Aber so ist das nun einmal: Hayek ist "Frida". Sie hat "Frida" gemacht, und das gilt eben nicht nur für den Film, der an diesem Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, sondern ganz generell. Und umgekehrt gilt es auch. Salma Hayek und Frida Kahlo, die Schauspielerin und die Malerin, die beiden bekanntesten Mexikanerinnen der Welt, sind sehr zum beiderseitigen Vorteil verschmolzen.

          Für Hayek, die es rückblickend ein gewaltiges Risiko nennt, hat es sich bereits in Kritiken, Einspielergebnissen und Preisen ausgezahlt, daß sie fast zehn Jahre lang um diesen Stoff, diese Rolle, diesen Film gekämpft hat. Daß sie Kahlos Verwandte befragt, Kahlos Schallplatten gehört und sogar kahloesk zu malen gelernt hat, um so überzeugend einzutauchen in ihre bisher größte Rolle. Wobei sie da physiognomisch und biographisch eigentlich von vornherein schon zur Hälfte drinsteckte.

          Batikgebastel und Töpferkurse

          Während man Salma Hayek in ihren früheren Filmen grundsätzlich viel zu kurz zu Gesicht bekam, hat man sie jetzt zwei Stunden lang ohne Unterbrechung auf der Leinwand: von der 18jährigen Eliteschülerin Frida bis zum Tod der 47jährigen Künstlerin Kahlo. Und wenn nicht Alfred Molina als Diego Rivera so ein ausgesprochen charakterstarker Widerpart wäre, könnte das vielleicht sogar ein bißchen anstrengend sein. Da aber allein die Vorstellung, zwei Stunden lang das Leiden der wirklichen Frida Kahlo anschauen zu müssen, noch viel mehr anstrengt, ist Hayeks Tour de force ein Riesengeschenk an diese Frau und versöhnt am Ende sogar mit ihren Bildern.

          Eigentlich ist Frida Kahlo ja dadurch als größte malende Nervensäge in die Kunstgeschichte eingegangen, daß sie diese zur Krankengeschichte umfrisiert hat. Und wenn Hayek Kahlo als "feministische Ikone" bezeichnet, dann hängt diese Ikone wahrscheinlich am passendsten in der Abteilung, wo auch Batikgebastel und Töpferkurse stattfinden. Kahlo als die gepeinigte Frau mit dem Damenbart.

          Daß Hayek diesen Bart nur ganz zum Schluß des Filmes kurz trägt, hängt, wie sie selbst erzählt, einerseits mit Schwierigkeiten der Maske zusammen: wenn er nicht aussehen sollte wie ein Schmutzfleck, hätte man ihn Haar für Haar aufkleben müssen, wofür aber die Zeit fehlte. Und andererseits hatte Kahlo selber ja entschieden weniger Bartwuchs als ihre Selbstportraits. Es war nur ein weiterer Teil ihrer allumfassenden Selbststilisierung, ihrer Selbstmythologisierung, ihrer Selbsterfindung. Und es gehört zur erfreulichen Faktentreue des Films, daß Hayek Kahlo auch schon vor ihrem schweren Busunfall humpeln läßt.

          Frida Kahlo humpelte infolge einer Polioinfektion seit sie sieben war - und es gibt Mediziner, die behaupten, daß sie schon mit Mißbildungen zur Welt kam. Jedenfalls lernte sie bei dieser Gelegenheit schon als Kind, daß man durch Krankheit Leute an sich binden und kontrollieren kann. Eine aggressive, selbstsüchtige Sozialpraxis, die sie später perfektionieren sollte. Als sie auf die beste Oberschule des Landes wechselte, retuschierte sie ihr Geburtsjahr von 1907 auf 1910: das Jahr des Beginns der mexikanischen Revolution. Im übrigen hieß die Tochter des jüdischen Immigranten Wilhelm Kahlo eigentlich Frieda, bis sie in den dreißiger Jahren wegen der Nazis den deutschen Namen ein bißchen spanischer machte.

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