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Video-Filmkritik : Vor Camelot hilft euch kein Pixelgott

Es klafft eine Leerstelle

Wahrscheinlich hätten die Designer dieses Films am liebsten auch das Schwert Excalibur, das der junge Arthur – so viel Mythos muss sein – auch hier aus dem Felsen ziehen muss, zwei Nummern größer gemacht. Hier aber kam ihnen der menschliche Faktor in die Quere: Der Hauptdarsteller Charlie Hunnam ließ sich über seine hundertfünfundachtzig Zentimeter Körperlänge hinaus nicht weiter aufblasen. Leider gilt das auch für Hunnams schauspielerisches Format. Der Held von „King Arthur“ kann ein bisschen wie Brad Pitt gucken, wenn ihm die Kamera dafür genügend Zeit lässt. Ansonsten ist er das, was die Sänger der hohen Minne ein Stück totes Holz genannt hätten. Im Zentrum der aktuellsten Kinofassung der Artus-Legende klafft eine Leerstelle.

Nicht, dass die Regie viel dazu täte, Hunnam seine Aufgabe zu erleichtern. Guy Ritchie, bislang vor allem als zeitweiliger Ehemann von Madonna und Neuverfilmer von Sherlock-Holmes-Geschichten bekannt, hat von der Legende genau das Bröckchen abgebrochen, mit dem man die Kinogemeinde für einen Fünf- oder Sechsteiler über Artus anfüttern kann. Der Knabe A., nach dem Mord an seinem Vater Uther Pendragon (Eric Bana) in einer Barke entschlüpft, wächst in einem Bordell von Londinium zum Mann heran, bis er mit Hilfe des Zauberschwerts die Tat am Täter (Jude Law) rächen kann. Der Film endet mit Arthurs Thronbesteigung und einem Friedensvertrag mit den Wikingern, die es zu der Zeit, in der die Legende spielt, zwar noch nicht – und zum Zeitpunkt ihrer Verschriftlichung nicht mehr – gab, die hier aber dennoch als feindliche Bartträger herhalten müssen, weil Angelsachsen in Hollywood nur noch als hochadlige Affen in Tweedanzügen bekannt sind.

Und die Liebe? In der Legende ist sie überall eingewoben, im Guten wie im Bösen. Bei Guy Ritchie spielt die Französin Astrid Bergès-Frisbey eine namenlose, von Magiern abstammende Schöne, aus der später einmal Arthurs Ehefrau Guinevere werden wird. Aber ihre Blicke und die von Charlie Hunnam treffen sich nie. Wenn es eine durchgängige Botschaft der neuen Generation digitaler Actionfilme gibt, dann die, dass Hollywood verlernt hat, Liebesgeschichten zu erzählen.

Irrweg der visuellen Evolution

Diese emotionale Impotenz hat mit der tiefen Unkörperlichkeit des computergenerierten Actionkinos zu tun. In „King Arthur“ wird mit allem gekämpft, was vor der Erfindung des Schießpulvers zur Hand war (und selbst Knallkörper haben rätselhafterweise im Himmel über Londinium ihren Auftritt), aber man spürt und sieht keinen Hauch von Schmerz. Nur Jude Law als Vortigern verzieht sein Gesicht zur Grimasse, als Arthur ihn besiegt. Aber er ist, wie seine an Rom geschulte Despotie, ein Relikt, das abgeräumt werden muss.

Die vormodernen Leser der Artus-Legende träumten von einer edlen und finsteren Welt, die es nie gab. Die Zuschauer der neuen Artus-Filme träumen von gewaltigen Räumen, die nur als Pixel existieren. Aber die Leser hatten wenigstens Geschichten. Vielleicht wird man Filme wie „King Arthur“ irgendwann einmal als Übergangsform zwischen Kino und Videospiel betrachten. Oder als Irrweg der visuellen Evolution. So wie die Brücke, die der Film zeigt und die es nie gegeben hat. Die echte alte London Bridge, die Vorläuferin der jetzigen, steht heute in einem Stausee in Arizona, nur dreihundert Meilen von Hollywood entfernt. Der Fluss, den sie überspannt, der Colorado River, versickert, bevor er das Meer erreicht.

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