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Video-Filmkritik „John Wick 3“ : Knochenkegeln als Tanztheater

Bild: F.A.Z., Concorde

Computertricks schaffen das nicht: „John Wick 3“ schlägt, tritt und erschießt mit wuchtig und präzise inszenierter Action alles, was das Massenkino heute sonst kann. Superhelden, fürchtet Euch vor Keanu Reeves!

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          Ob James Bond es mit John Wick aufnehmen könnte? Regisseur Chad Stahelski winkt ab. „John Wick würde ihn umhauen“, sagt er im Interview mit dieser Zeitung. Aus dieser Behauptung spricht viel Vertrauen zur Figur eines Auftragskillers, der hin und her gerissen ist zwischen Rache und der Trauer um seine verlorene Liebe, derentwegen er eigentlich diesem gefährlichen Leben den Rücken kehren wollte. Keanu Reeves spielt den düsteren Melancholiker, der, so raunen sich seine Gegner zu, einmal drei Männer in einer Bar erledigt hat – mit einem Bleistift. Wo Bond im Auftrag Seiner Majestät arbeitet, ist Wick an einen Assassinen-Kodex gebunden, der bis in die New Yorker Unterwelt gilt. Und da der zweite Teil dieser noch jungen Filmreihe damit endete, dass Wick jemanden tötete, der von diesem Kodex geschützt war, gilt er nun in „John Wick 3 – Parabellum“ als vogelfrei, was bedeutet, dass jede Killerin und jeder Auftragsmörder, die oder der eine Waffe halten kann, hinter ihm her ist. Obendrein gibt es ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar. Und da man, wenn man nicht mehr weiß, wohin, zu seinen Freunden geht, sucht Wick zunächst „The Director“ auf (Angelica Huston als streng-mütterliche weißrussische Ballett-Spion-Ausbilderin) und lässt sich von ihr zu seiner alten Freundin Sofia bringen (Halle Berry, viel Kajal und noch mehr Mut), die mittlerweile ein Killer-Hotel in Marrakesch leitet.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Was „John Wick“ von anderen Actionfilmen unterscheidet, zeigt sich beispielhaft an einer Kampfsequenz mit Halle Berry. Auf dem Dach eines staubigen Soukhs wirbelt sie ihre Gegner durch die Luft, verteidigt sich gegen einen mit Tritten und erledigt dabei einen anderen mit ihrer Pistole, während sie ihren beiden Schäferhunden das Kommando zuruft, zwei weitere Angreifer unschädlich zu machen – einer der Hunde springt dafür erst auf ihren Rücken, dann ein Stockwerk höher an die Kehle des Mannes. All das geschieht in einer fließenden Bewegung, die Kamera folgt der Frau im Gewirbel, nimmt Abstand, um herannahende Angreifer zu zeigen, und folgt wieder Berry, wenn sie diese zu Boden schickt. So nimmt man in Hollywood sonst Tanzszenen auf. Regisseur Chad Stahelski mag Ballett und klassische Musik, das erzählt er im Interview. Es verwundert also nicht, dass bei ihm Vivaldi läuft, während zwei Dutzend Männer im großen Finale eine Jugendstil-Hotellobby auseinandernehmen.

          Normalerweise können das nur Filme aus Asien

          Solche Choreographie gab es lange nur in asiatischen Action-Filmen. Wenn Jackie Chan ein schräges Dach hinunterläuft und sich unten auf einer Veranda mit allen Tischen, Stühlen und Lampen gegen Angreifer verteidigt, dann folgt auch ihm die Kamera fließend. Wenn Jet Li im Bruce-Lee-Remake „Fist of Legend“ gegen eine ganze Klasse Kung-Fu-Schüler antritt, verliert man nie den Überblick, wer gegen wen kämpft. Wer je in Hollywood Wert darauf legte, dass die Actionszenen genauso durchdacht waren wie die Dialoge, der holte sich gleich die Experten aus Hongkong – so Wachowskis für ihre bis heute genreprägenden Kampfszenen in „Matrix“. Wenn Keanu Reeves dort als düsterer Held Neo mit Eleganz durch die Luft wirbelt, Kugeln ausweicht und Tritte verteilt, dann liegt das an Yuen Woo-ping, Regisseur aus Hongkong, der sowohl Jackie Chan als auch Jet Li Kampftanzen ließ.

          Doch nicht alle Regisseure denken so wie die Wachowskis. Was beim Dreh an der Action-Choreographie gespart wurde, versuchte man in der Postproduktion wettzumachen. Eiliges Hinundherschneiden soll Tempo und Dramatik vorgaukeln. Und seit Paul Greengrass versucht hat, den Seelenzustand des gejagten Agenten Jason Bourne durch eine wackelige Kamera darzustellen, galt landläufig über Jahre der Trugschluss, dass eine Wackelkamera Dynamik in eine Actionszene bringt.

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