https://www.faz.net/-gs6-8l4zz

Video-Filmkritik : Nacht über Leben und Tod

Bild: AP

Nein, das ist kein Schockschrott, das ist eine echte Horrorkinoperle: Das Dunkelkammerspiel „Don’t Breathe“ von Fede Alvarez zeigt, wozu das Genre fähig ist.

          4 Min.

          Bevor die Hand des Ungeheuers den ersten Frevler verletzt, hält sie, schon wie zum Schlag erhoben, inne und zittert. Es liegt nicht an Schwäche oder Unentschlossenheit: Ein Schauder fährt durch dieses Monster, als es erkennt, dass es handeln muss. Seelisch und moralisch versehrt ist es aus einem der vielen Kriege der Vereinigten Staaten heimgekehrt als alter blinder Mann, verflucht zur Kraft, zum Tötenkönnen. Vom allerersten Rambo-Film „First Blood“ (1982) bis zum neuesten Abenteuer um das Raumschiff Enterprise, „Star Trek Beyond“ (2016), bricht im amerikanischen Kino in Gestalt des gefährlichen Veteranen immer wieder das archaische Wissen durch, dass Gesellschaften diejenigen, die sie in ihre Schlachten schicken, damit gleichzeitig entehrt und geheiligt haben, und dass die Rückkehr dieser befleckten Beschützer etwas ist, vor dem sich das Gemeinwesen fürchten muss.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Der muskulöse, weißhaarige, blicklos ins Nichts starrende Schatten, den Stephen Lang in „Don’t Breathe“ spielt, dürfte die Rolle seines Lebens sein. Der Mann hat Theatererfahrung, jeder Schritt auf knarrenden Dielen, den er tut, zündet Bühnenwirkung, auch im Kino. Breitenbekannt wurde Lang als futuristisch-neokolonialer Schleifer und Schlächter Colonel Miles Quaritch in James Camerons „Avatar“ (2009), die Kritik hat ihn zuletzt für sein hypnotisches Porträt des todkranken, vom eigenen Gerechtigkeitssinn bis ins Mark zerfressenen Ermittlers Holt Ramsey in Peter Askins Stephen-King-Verfilmung „A Good Marriage“ (2014) gelobt.

          Ein diebisches Trio mit hübsch heterogenen Zielen

          Der Schreckensgreis, der in Langs phantastischer Interpretation „Don’t Breathe“ beherrscht wie ein Vulkan eine zertrümmerte Glutlandschaft, ist von der Einstellung an, die ihn mit kerzengerade aufgerichtetem Oberkörper im Bett zeigt, aus dem Schlaf aufgefahren und bereit, sein verfluchtes Territorium zu verteidigen, ein großes Kinomonster auf Augenhöhe mit Max Schrecks Nosferatu, Boris Karloffs Frankensteinkreatur oder Robert Englunds Freddy Krueger – den werden wir nie mehr los, egal, wie oft wir ihn jetzt und in Zukunft noch sterben sehen (Albträume wollen Wiederholungen und Fortsetzungen, wie alle Lust Ewigkeit will).

          Geweckt wird dieses Grauen in „Don’t Breathe“ von drei Jugendlichen, die sich mit kleinen Einbruchsdelikten in den verwahrlosten Vorortvierteln von Detroit, wo ganze Straßenzüge von leerstehenden Häusern gesäumt sind, ein Zubrot verdienen. Der Asphalt dort ist geborsten und sieht aus, als wäre er von schwarzen Adern durchzogen, durch die das Gift strömt, das die Gegend umgebracht hat. Das diebische Trio verfolgt hübsch heterogene Ziele: Daniel Zovatto als Ratte namens Money, ein asozialer kleiner Idiot, will sich einfach gefährlich fühlen, Dylan Minnette als im Grunde anständiger Romeo Alexander leidet an zwanghafter Verantwortung für seine Mitkleinkriminellen, und Jane Levy als rebellisches Gangstermädchen Rocky braucht Geld, um ihrem ungastlichen Zuhause zu entfliehen, wo eine verschlampte Mutter und deren charmanter Freund mit Hakenkreuz-Tätowierung auf dem Handrücken den ganzen Tag das Kindeswohl von Rockys kleiner Schwester gefährden, die sie deshalb auch auf ihre Flucht mitnehmen will, sobald der letzte Bruch geglückt ist. Den Raubzug beim Blinden beschließen diese drei, als sie erfahren, dass er auf einem Vermögen sitzt, mit dem ihn reiche Leute abgefunden haben, weil deren Tochter seine bei einem Autounfall getötet hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump gab bekannt, den G-7-Gipfel doch nicht im familieneigenen Hotel in Miami auszurichten.

          Twitter : G7-Gipfel im nächsten Jahr doch nicht in Trump-Hotel

          Dies gab Donald Trump auf seinem Twitter-Account bekannt. Der Präsident der Vereinigten Staaten musste zuvor heftige Kritik für seine Entscheidung einstecken, den G-7-Gipfel in seinem Hotel in Miami ausrichten zu wollen.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.