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Im Kino: „Get out“ : Vom schlechten Gewissen gebissen

  • -Aktualisiert am

Chris Washington (Daniel Kaluuya) muss sich Rose Artmitages (Allison Williams) Eltern (vor)stellen. Bild: dpa

Jordan Peeles unheimlicher Kinothriller „Get Out“ ist der Film zur amerikanischen Gegenwartsangst und zeigt, dass die Fortschritte, die das Land in Sachen Integration gemacht hat, nur oberflächlich sind.

          Chris und Rose sind ein amerikanisches Traumpaar. Sie ist ein typisches Etepetete-Mädchen, er ist ein junger Fotograf. Sie kommt aus einer guten Familie, er nicht, aber das kann die Liebe sicher wettmachen. Chris ist sensibel, Rose auch, aber Chris ist ein wenig sensibler. Er hat gute Gründe dafür, denn er ist schwarz, und Rose ist weiß. Nicht, dass das heutzutage noch etwas bedeuten muss. Die Hautfarbe spielt für moderne Menschen doch keine Rolle mehr. Allerdings hat Rose es versäumt, ihren Eltern über dieses Detail rechtzeitig Bescheid zu geben, und nun steht der Antrittsbesuch bei den Armitages an. Eine Standardsituation, durchgespielt in allen erdenklichen Familienkonstellationen („Meet the Fockers“) und mit allen möglichen sexuellen Identitäten (Gaylord „Greg“ Focker) in unzähligen Komödien, aber auch in einem der liberalen Paradefilme Hollywoods: „Rat mal, wer zum Essen kommt“ (1967) mit Spencer Tracy und Sidney Poitier.

          In Jordan Peeles „Get Out“ kommt Chris zum Essen, dann auch noch zu einer Gartenparty, die zum Besten gehört, was man seit langem im amerikanischen Kino gesehen hat. Was es mit diesem in nahezu jeder Hinsicht verblüffenden Film auf sich hat, kann man am ehesten aus seiner Produktionsumgebung schließen. „Get Out“ ist ein weiterer Hit aus der Firma Blumhouse, die seit einigen Jahren mit cleveren Horrorfilmen von sich reden macht („Paranormal Activity“, „The Purge“). Jason Blum lässt Filme wie vom Fließband machen: mit kleinen Budgets werden enorme Profite erzielt. Und für Witz und Tiefsinn und das Entdecken von Talenten ist dabei auch noch Raum. Man könnte inzwischen beinahe schon Vergleiche zu Roger Corman ziehen, in dessen Schundfilmschmiede um 1970 Leute wie Francis Ford Coppola, Jonathan Demme oder Joe Dante das Handwerk lernten.

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          Dass „Get Out“ seit seiner Premiere beim diesjährigen Sundance Festival zum wohl meistdiskutierten Film der Saison wurde (und nebenbei schon zu einem gigantischen Box- Office-Hit), hat auch damit zu tun, dass er auf eine brillant verstörende Weise genau in den politischen Moment passt. Breitbart, die Website, die Donald Trump am liebsten im Alleingang ins Weiße Haus gelogen hätte, pries den Film als ein Manifest gegen die „liberale weiße Elite“. So kann man das sehen, allerdings unterschlägt man dabei die viel tiefer gehende Kritik an einem alltäglichen amerikanischen Rassismus, der hier eben bis in die besseren Kreise reicht. Die Armitages, die Chris einen offenen Empfang bereiten, sich dann aber als eine höchst merkwürdige Familie erweisen, stehen tatsächlich für das wohlhabende, gebildete Ostküstenmilieu, das mit Donald Trump oder gar seinem unappetitlichen Berater Steve Bannon nichts zu tun haben möchte. Man würde den Film aber grob missverstehen, wenn man ihn als Satire auf die Wähler von Hillary Clinton lesen wollte. „Get Out“ lebt davon, immer neue Tabus auf groteske Weise zugleich zu verletzen und zu bestätigen. Jordan Peele ist klug genug, seinen Helden mit einer markanten Schwachstelle zu versehen. Chris ist nämlich Raucher, an sich eine lässliche Sünde, aber eben eine, die ihm ein schlechtes Gewissen verschafft.

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