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Videokritik „The Neon Demon“ : Rot wie Blut, aber nicht ganz so gut

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Koch Film

Nicholas Winding Refns Kino-Thriller „The Neon Demon“ ist sehr schlimm und wird immer schlimmer. Ein schön scheußliches Märchen, das von Herzen kommt.

          Auf dem Papier, also im Drehbuch, ist es die potentiell ekelhafteste Szene, im fertigen Film dafür die interessanteste: Eine Frau, deren Liebesverlangen nach einer anderen Frau von dieser abgewiesen wurde, vergeht sich in der Leichenhalle an einer Toten. Sie steigt auf den Körper, der nicht atmet, schmiegt sich an kein Herz. Dann zeigt der Film, dass die Küsse einsamer Menschen, die bei den Lebenden keine Liebe mehr finden, nicht immer trocken sind, dass Berührungen den Respekt vor der Schutzlosigkeit eines Körpers vergessen können, der sich nicht wehren kann. Beim Anblick des ebenso Schamlosen wie Grauenhaften regt sich Mitleid, aber bizarrerweise als eine Art Angst; man fragt sich: Wie schlimm wird das noch, was in „The Neon Demon“ Menschen tun, die nicht lieben dürfen oder können, aber von Schönheit umzingelt sind?

          Es wird sehr schlimm und immer schlimmer. Es wird sogar ziemlich frauenfeindlich, unter anderem, und der Regisseur Nicholas Winding Refn rutscht mehrfach aus auf den abgekautesten Klischees über frustrierte quasilesbische Narzisstinnen, fängt sich dann aber immer wieder und geht jedenfalls nicht krachend zu Boden wie Brian De Palma mit seinem in mancherlei Hinsicht vergleichbaren Psycho-Blödsinn „Passion“ von 2012.

          Dinge, die den Körper sprachlos machen

          Was soll, was will, was ist „The Neon Demon“ eigentlich? Zunächst mal ein schön scheußliches Märchen: Elle Fanning, die hier Jesse heißt, aber auch Ascheröschen oder Schneeputtel heißen könnte, will Model werden, begegnet aber statt einem Prinzen auf dem Laufsteg nur einer geometrischen Leuchtkonfiguration aus der Hölle, der Retro-Achtziger-Disco-Version von Stanley Kubricks schwarzem Monolithen aus „2001 - A Space Odyssey“ (1968), verliert dabei ihre Seele und wird zum Schluss von drei Hexen in der Villa zur ausgestopften Wintereule einem wüsten Ende zugeführt.

          Es geht um Dinge, die den Körper sprachlos machen, Eindrücke, die stärker sind als Wörter, und die Berührung der Extreme des Schönen und Häßlichen. Am Anfang zeigt Refn uns Blut, von dem wir sofort erfahren, dass es künstlich ist, am Ende zeigt er uns mehr Blut, an das wir dann aber glauben sollen. Die Regie nimmt sich in dem Sinne zurück, in dem man das auch von einem geduldigen Spanner sagen kann, der vor einem fremden Schlafzimmer in einer hohen Baumkrone hockt. Männer gibt’s hier nur in der Peripherie und als Auslöser kleinerer Eskalationen - Desmond Harrington als Fotograf mit Säge statt Kruzifix am Halskettchen kann nichts außer Lauern, Keanu Reeves als Motelmanager ist schmierig genug, dass er nur mit seinen Blicken einen kompletten Lastwagenmotor ölen könnte. Der Gesamteindruck, den „The Neon Demon“ hinterlässt, ist nicht ungünstig, aber zwiespältig, Refn hat sich wie in allen seinen Filmen selbst herausgefordert, ja verprügelt, und kommt sozusagen mit einem ausreichend attraktiven blauen Auge davon.

          Eiskalt und liebevoll

          Einige Bilder sind zwingend wie ein Schaufenster an der Einkaufsstraße in der Vorhölle, andere unnütz überstilisiert, manche Dialoge streifen klassische Noir-Konzision („Am I staring?“), andere sind fehl am Platz („Honey, people believe what they are told“, das glaubt man höchstens Joan Crawford, aber doch keiner halbwachen Puppe), und dass Refn versucht hat, eine sowohl zeitgemäße wie hollywoodkompatible Sprache für das zu finden, was das italienische

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