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Video-Filmkritik: „Paulette“ : Besser als Rap: Integration mittels Haschisch

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Neue Visionen Filmverleih

Die Filmkomödie „Paulette“ war in Frankreich ein Millionenerfolg. Sie zeigt, wie eine alte Rassistin umlernt.

          Paulette (Bernadette Lafont) ist keine nette alte Frau. Mit Pfefferspray bewaffnet, zieht sie durch die zerstörte Soziallandschaft der Pariser Banlieues und schlägt sich mit Migrantinnen um Lauch. Wenn ihre Tochter Agnes (Axelle Laffont) wieder einmal notgedrungen ihren siebenjährigen Sohn Leo bei der Großmutter unterbringen muss, sperrt diese den Kleinen (Ismael Dramé) mit Comic-heften in die Küche. Fragt er sie, warum sie ihn nicht möge, sagt sie beleidigt: „Weil du schwarz bist.“ Da kann man nichts machen. Mit dem Enkelkind hasst Paulette natürlich den dazugehörigen dunkelhäutigen Schwiegersohn, einen Polizisten namens Ousmane (Jean-Baptiste Anoumon), der jedoch seinerseits in souverän-herziger Gutmütigkeit um die Zuneigung der verbiesterten Alten wirbt.

          Paulette war einst erfolgreiche Bäckerin - zu Beginn des Filmes wird ihre Lebensgeschichte in romantisch-verstaubten Sepia-Tönen zu ebenso romantischer französischer Musik anhand von Fotografien nacherzählt. Paulette, wie sie Gästen im Garten Kuchen serviert. Paulette, wie sie stolz vor ihrer eigenen Bäckerei steht. Die hat allerdings ihr alkoholsüchtiger Mann Francis zugrunde gewirtschaftet, um dann frühzeitig zu versterben. Die Bäckerei ist nun ein asiatisches Restaurant; in Paulettes Weltinterpretation verschiebt sich die Kausalfolge allerdings zuungunsten der neuen Besitzer Chang und Kun, denen sie aus Rache regelmäßig Kakerlaken ins Essen mischt.

          Einstieg ins Drogengeschäft

          Nun lebt Paulette von 600 Euro Rente im Monat und klagt des Abends dem Bildnis ihres verstorbenen Mannes ihr Elend, indem sie ihm mit Sekt und Schnaps zuprostet. Manchmal klagt sie es auch im Beichtstuhl dem dunkelhäutigen Priester in der Kirche ihres Vertrauens. Wenn der dann kaum noch an sich halten kann, sagt sie: „Aber nein, Père Baptiste, ich meine doch nicht Sie. Sie hätten es wirklich verdient, weiß zu sein.“ Paulettes Situation ist in der Tat unerfreulich: Um in ihrem Banlieue-Wohnhaus den Fahrstuhl in Gang zu bringen, bedarf es mehrerer hüpfender alter Frauen.

          So weit die Exposition. Jetzt kommt natürlich der Ruf, der das Leben dieser Antiheldin umpflügt: Als sich Paulette eines Tages hinter einer Mülltonne versteckt, fällt ihr etwas in die Hände, das ein Dealer auf der Flucht vor der Polizei in hohem Bogen aufs Geratewohl in die Luft geworfen hat: ein Päckchen Haschisch. Sie bringt es dem örtlichen Drogendealer, einem brutalen Bärtchen-Schurken namens Vito (Paco Boublard), zurück und steigt kurzerhand ins Geschäft ein, um ihre Rente aufzubessern. Anfangs steht sie noch mit Steppjacke und Kopftuch in einer runtergekommenen Bahnhofsunterführung und zischt den Leuten das Wort „Haschisch“ zu, dann entwickelt sie Geschäftsmethoden, bei denen ihre Fähigkeiten als Bäckerin eine entscheidende Rolle spielen.

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