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Filmkritik : Emotionale Wucht: Clint Eastwoods „Flags of Our Fathers“

Ryan Phillippe, Jesse Bradford und Adam Beach in "Flags of Our Fathers" Bild: Warner Bros. Pictures

Das Kriegsdrama „Flags of Our Fathers“ erzählt von der blutigen Schlacht um Iwo Jima. Clint Eastwood schafft es großartig, die Balance zwischen dem großen historischen Panorama und den einzelnen Schicksalen zu halten.

          Das klingt so gut, das klimpert wie das Kleingeld in der Hosentasche des Kritikers: die Macht der Bilder, die Bilder, die Geschichte machen - und ist mitunter dann doch mehr als eine hilflose Floskel. Der Soldat, der die sowjetische Fahne auf dem Berliner Reichstag hisst, das vietnamesische Mädchen, das der Napalmattacke entfliehen will, Kennedys Kopf, den die Kugel trifft, das sind Schlagbilder, wie der Kunsthistoriker Michael Diers sie genannt hat, weil sie wie Schlagzeilen von ganz allein einleuchten, weil sie einen Moment oder eine ganze Epoche auf den Punkt bringen. Doch diese Bilder machen nicht bloß Geschichte, sie haben auch selber eine Geschichte, und deren Pointe besteht oft darin, dass man den Bildern nicht trauen kann.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zu diesen Schlagbildern gehört auch eine Aufnahme vom 23. Februar 1945. Sie zeigt sechs amerikanische Soldaten, die auf Iwo Jima das Sternenbanner hissen. Auf dem Mount Suribachi, der höchsten Erhebung dieser unwirtlichen, vulkanischen Pazifikinsel, auf dem ersten Stück japanischen Territoriums, das die Amerikaner eroberten, in einer blutigen, verlustreichen Schlacht, gegen 20.000 verschanzte Japaner. Der Fotograf der Associated Press, Joe Rosenthal, erhielt für das Bild den Pulitzer-Preis, das Motiv wurde auf mehr als 150 Millionen Briefmarken vervielfältigt, und am Ende wurde aus dem Bild ein monumentales Standbild auf dem Nationalfriedhof von Arlington. Manche behaupten sogar, es sei das am häufigsten reproduzierte Foto der Welt. Zumindest war es das einmal.

          Ein Standbild

          Es ist dieses Bild, von dem Clint Eastwood in seinem neuen Film ausgeht; er erzählt von seinem Zustandekommen und von den Folgen, die es für den weiteren Kriegsverlauf hatte und für die sechs Männer, die auf ihm zu sehen sind. Dass der Film „Flags of Our Fathers“ heißt wie das Buch des Soldaten James Bradley, auf dem der Film beruht, ist schon die halbe Geschichte. Denn es war nicht eine Fahne, die gehisst wurde, es waren zwei. Die erste Fahne war zu klein, ein Fotograf war nicht dabei, und so mussten am selben Tag sechs andere Männer, fünf Marines und der Navy-Sanitäter Bradley, eine größere Fahne nehmen und sie noch einmal gen Himmel richten, während der Fotograf ihnen zurief: „Okay Leute, wer will berühmt werden?“

          Drei überlebten die Inszenierung nicht lange, die anderen drei wurden von Iwo Jima abgezogen, an die Heimatfront gebracht und auf eine PR-Tour durch Amerika geschickt, an deren Ende sie Kriegsanleihen im Wert von mehr als 25 Milliarden Dollar eingeworben hatten. Die Fahnenträger waren zu Hoffnungsträgern geworden, die der amerikanischen Öffentlichkeit den Glauben an den Sinn dieses Krieges zurückgaben. Dieses Foto ist also eine amerikanische Ikone, eine nationale Angelegenheit, und man könnte sich keinen besseren Regisseur für seine Geschichte wünschen als Clint Eastwood, der den Film zu einem Zwillingsfilm gemacht hat: Er hat zugleich „Letters from Iwo Jima“ gedreht, welcher die Schlacht aus japanischer Sicht schildert und am 22. Februar auch in deutsche Kinos kommt.

          Ein paar Probleme mit der Rahmenerzählung

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