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Filmkritik : „Dreamgirls“ mit bleischweren Beinen

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Beyoncé Knowles, Jennifer Hudson und Anika Noni Rose in "Dreamgirls" Bild: Universal

„Dreamgirls“ will die Schlüsselgeschichte der schwarzen Motown-Musik erzählen. Doch dem Film mit Beyoncé Knowles, Jamie Foxx und Eddie Murphy fehlt, woran es den klassischen Musicals nie gemangelt hat: Leichtigkeit.

          Einige amerikanische Kritiker - und ein paar deutsche, die es ihnen nachgebetet haben - sehen in „Dreamgirls“ das leibhaftig wiederauferstandene Hollywood-Filmmusical, erwacht aus langem, fruchtlosem Winterschlaf am Broadway und gewandelt zur Schlüsselgeschichte der schwarzen Motown-Musik. Es gibt trotzdem keinen Grund, zur Feier des Tages die Minnelli- und Gene-Kelly-DVDs aus dem Regal zu holen, denn dem Film von Bill Condon fehlt etwas, woran es den klassischen Musicals nie gemangelt hat: Leichtigkeit.

          „Dreamgirls“, entstanden nach einem Broadway-Musical von 1981, das in verschlüsselter Form die Karriere des Motown-Produzenten Berry Gordy jr. und seiner Erfolgsband The Supremes nachzeichnet, ist der manchmal bleischwere, manchmal schmetternd-beschwingte Versuch, Zeit- und Musikgeschichte gleichzeitig zu erzählen - also genau den Kurzschluss herzustellen, den die Klassiker aus gutem Grund vermieden haben. Das klappt natürlich nicht, es kostet nur Zeit, die an anderer Stelle fehlt, etwa in der Liebesgeschichte zwischen dem Producer (Jamie Foxx) und der wunderbaren Jennifer Hudson als Effie White, die das eigentliche Rückgrat der Story bildet.

          Dass die überall gelobte Beyoncé Knowles mit ihrer Rolle als Leadsängerin Deena stimmlich wie mimisch überfordert und der ebenso gefeierte Eddie Murphy auch nur beinahe überzeugend ist, gehört zu den kleineren Enttäuschungen, die „Dreamgirls“ bereitet. Man kommt aus diesem Film wie aus einem Oldtimer mit eingebautem Turbodiesel-Motor: Er fährt, aber der Rhythmus, das Tempo, die Beschleunigung stimmen nicht; und dazu klingt die Karre wie ein Hightech-Traktor, nicht wie ein Chevy.

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