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Filmkritik : Die wirklich plattesten Plattheiten

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Film-Kritik: Helge Schneider in "Mein Führer" Bild: FAZ.NET mit Material von X-Verleih

In Dani Levys Film „Mein Führer“ gibt es etwa zweieinhalb sichere Lacher. Kurz: Diese angebliche Hitler-Komödie ist nicht lustig. Und am Ende ärgert man sich, um einen Helge-Schneider-Film über Hitler betrogen worden zu sein.

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          Also gut. Man lacht in dem Film ungefähr zweieinhalb Mal. Einmal, wenn der Schauspiellehrer Grünbein (Ulrich Mühe) aus dem KZ Sachsenhausen als geschundene Kreatur in die Reichskanzlei gebracht wird und Goebbels (Sylvester Groth) ihn jovial fragt: „Na, wo haben wir Sie denn aufgescheucht?“ Als habe man ihn aus der Sommerfrische geholt. Das zweite Mal, wenn Hitler (Helge Schneider) genervt Goebbels nachäfft und „Wollt ihr den totalen Krieg?“ so affektiert runterleiert, als könne er den Satz nicht mehr hören, und schon gar nicht von Goebbels.

          Und ein halbes Mal, wenn Hitler nächtens heimlich aus dem Fenster der Reichskanzlei steigt, was sich jedoch mit einem Schäferhund an der Leine schwierig gestaltet, wenn das Fenster im ersten Stock liegt - und schwupp baumelt der Hund einen Meter überm Boden an der Leine in der Luft. Wäre vielleicht auch ohne Hitler lustig, deshalb zählt der Lacher nur halb. Und dann gibt es noch den ein oder anderen Viertellacher, aber in einer Komödie sollte man nicht lange rumrechnen. Entweder sie ist lustig. Oder sie ist es nicht. Diese ist es jedenfalls nicht.

          Hitler in den 80ern

          Aber sie könnte es sein, wie die genannten Szenen belegen. Sie könnte - und müsste - so böse sein, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Das hat es ja auch schon gegeben. Und zwar nicht nur bei Chaplin und Lubitsch, die immer als Vergleichsgrößen herangezogen werden, als könne sich im Ernst jemand mit ihnen messen, und deren frappierende Eleganz ja auch daher rührt, dass zu Zeiten von „Der große Diktator“ und „Sein oder Nichtsein“ das wahre Ausmaß des Grauens bestenfalls erahnt werden konnte.

          Wenn man schon Vergleiche sucht, dann kommen ohnehin nicht die Genies aus Hollywood in Frage, sondern eher das deutsche Kino der achtziger Jahre, wo sich zwei Leute schon in ihren Anfängen ihren Reim auf Hitler zu machen versuchten, die nicht zufällig dann auch zu den kühnsten Regisseuren ihrer Generation wurden: Christoph Schlingensief und Romuald Karmakar. Der eine hat in „100 Jahre Adolf Hitler“ den Führerbunker in ein sexualpathologisches Tollhaus verwandelt, der andere in „Eine Freundschaft in Deutschland“ den „Adi, die Drecksau“ gleich selbst dargestellt.

          Turnübungen und Erektionsprobleme

          Und es ist halt doch etwas anderes, Karmakar dabei zu erleben, wie er sich einen runterholt, während ihm eine Frau ins Gesicht pinkelt, als Helge Schneider dabei zuzusehen, wie er in lächerlicher Unterwäsche auf Katja Riemann vergeblich Turnübungen veranstaltet, um dann seine Erektionsprobleme zu beklagen. Ist Geschmackssache, könnte man sagen. Genau. Könnte ja sein, dass man mit dem guten Geschmack in der Auseinandersetzung mit Hitler nicht so richtig weiterkommt. Könnte ja sein, dass auch das Lachen über Chaplin nur so ein gut abgehangenes Amüsement ist, hinter dem man sich leichter verstecken kann, weil es halt ein Klassiker ist. Und vielleicht hätte es ja dem „Untergang“ ganz gut getan, wenn man gesehen hätte, wie Hitler die Kugel in den Kopf dringt, statt sich diskret abzuwenden.

          Das deutsche Kino hat also durchaus versucht, seinen Spaß mit dem Führer zu treiben - und dazu zählen auch Walter Moers' „Bonker“ und der grandiose Polt-Hitler-Verschnitt des Filmstudenten Florian Wittmann -, aber es ließe sich einwenden, dass all dies von den Freiheiten des Underground profitierte, in dem es keinen anderen Druck gibt als den, den man sich selber macht. Es mussten keine Fördergremien und Sender überzeugt werden, weil die Kosten überschaubar waren.

          Kreisen ums leere Zentrum

          Das ist bei „Mein Führer“ natürlich anders, da musste dann auch der Untertitel „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ her, damit jeder gleich merkt, dass sich Dani Levy einen Scherz erlauben möchte. Der Impuls, dem heiligen Ernst des „Untergangs“ etwas entgegenzusetzen, ist ja durchaus verständlich, und auch wenn man „Alles auf Zucker“ nicht so viel abgewinnen konnte, gab es Anlass zur Hoffnung, Levy könne mit derselben Atemlosigkeit den Führerbunker aufwirbeln. Die Geschichte um den jüdischen Schauspiellehrer, der den depressiven Hitler für eine große Rede noch einmal auf Vordermann bringen soll, ist auch nicht schlecht ausgedacht (und das Vorbild Paul Devrient hat ja auch Brecht schon mal zum „Arturo Ui“ inspiriert), aber der Film kreist um ein leeres Zentrum.

          Die Begegnungen von Grünbaum und Hitler, von Mühe und Schneider bleiben so blass, dass man sich stets fragt, wann es eigentlich losgeht. Diese Lähmung erfasst auch die gesamte Entourage mit Ausnahme des brillant aufgelegten Sylvester Groth, der eine Ahnung vermittelt, wohin die Reise hätte gehen können. Stattdessen wünscht man sich, irgendwer würde Helge Schneider endlich mal die starre Maske vom Gesicht reißen, hinter der er wirklich bis zur Unkenntlichkeit verschwindet. Am Ende ärgert man sich, dass man um einen Helge-Schneider-Film über Hitler betrogen wurde.

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