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Filmkritik : Die Schöne und der Kauz: „Scoop“

  • -Aktualisiert am

Film-Kritik: Scarlett Johansson und Woody Allen in "Scoop" Bild: FAZ.NET mit Material von Concorde

Schon in „Match Point“ gab Scarlett Johansson die Muse Woody Allens. In „Scoop“ ist das ungleiche Paar wieder vereint - als Journalistenschülerin und Zauberer. Doch Allen ist wieder in seinem alten Trott.

          Woody Allen dreht mit so schöner Regelmäßigkeit seit Beginn seiner Karriere jährlich einen Film, daß selbst seine hartnäckigsten Bewunderer ihrem jährlichen Allen mit einer gewissen Gelassenheit entgegensehen. Wie sehr er sein Publikum eingelullt hatte, merkte man an der Aufregung, die plötzlich seinen letzten Film „Match Point“ umgab.

          Verwundert rieb man sich die Augen und stellte fest, daß es plötzlich wieder um etwas ging, um Liebe, Leiden und Lebensentwürfe und einen frischen, anderen Blick darauf - also wie im „Stadtneurotiker“. Und weil man sich nicht ganz erklären konnte, woher diese späte Vitalität herrührte, und die neue Umgebung London als Erklärung nicht ernsthaft taugte, machte man kurzerhand Scarlett Johansson dafür verantwortlich. Das ist ja auch ein charmanter Gedanke, daß die von manchen zur schönsten Frau der Welt gekürte Schauspielerin den komischen alten Kauz wieder auf Trab bringt.

          Wieder im alten Trott

          Und weil Woody Allen daran offenbar auch Geschmack gefunden hat, drehte er „Scoop“ auch in London, ließ seine neue Muse wieder die Hauptrolle spielen und ist diesmal auch selbst wieder mit von der Partie. Und siehe da - er ist wieder in seinen alten Trott verfallen.

          Man darf nicht ungerecht sein: Der Film ist amüsant und Scarlett Johansson erfrischend anzusehen, aber das Versprechen, das „Match Point“ darstellte, kann „Scoop“ nicht einlösen - und man hat den Eindruck, daß Allen daran auch gar kein Interesse hat. Er spielt selbst einen abgetakelten Zauberer, der mit etwas altbackenen Tricks und Scherzen die Leute bei Laune hält - und genauso agiert er im Grunde auch als Regisseur. Die alten Tricks funktionieren immer noch, aber von den Stühlen reißen sie keinen. Aber natürlich ist ein mittlerer Woody Allen immer noch ersprießlicher als viele andere Filme, schon weil man eben die große Gelassenheit eines Mannes am Werk spürt, der sich und uns nichts mehr beweisen muß. Er dreht längst schon seinen nächsten Film, der wie üblich nur ganz trocken „Untitled Woody Allen Summer Project“ heißt und von dem man nur weiß, daß er Colin Farrell und Ewan McGregor als Brüder zusammenbringt. Was nur beweist, daß er nach wie vor alle Stars kriegt, die er will, weil ein Auftritt in einem seiner Filme für Schauspieler das ist, was für andere Menschen ein Eintrag im „Who is who“ bedeutet.

          Der Geist des Reporters

          Wer ist also wer in „Scoop“? Ian McShane, bekannt aus der Western-Serie „Deadwood“, ist ein verstorbener Starreporter, der auf seiner Überfahrt ins Totenreich die wahre Identität eines Serienkillers erfährt, der seit einiger Zeit London unsicher macht. Er springt dem Fährmann vom Kahn und gibt bei einem der Zaubertricks von Splendini (Allen) als Geist die Information an eine amerikanische Journalistenschülerin (Johansson) weiter, die bei ihrer reichen Londoner Freundin zu Besuch und ambitioniert genug ist, ihrer Ungläubigkeit zum Trotz der Spur nachzugehen, die zu dem stadtbekannten reichen Adelssproß Peter Lyman (Hugh Jackman) führt. Und ehe er es sich versieht, ist Splendini, der eigentlich Sid Waterman heißt, in den Fall verwickelt und muß sich als Vater der Amateur-Reporterin ausgeben.

          So lustig die Situationen sind, die sich daraus ergeben, es beginnen damit doch auch die Probleme des Films, denn Allen ist kaum daran interessiert, die Beziehung der beiden über seine Scherze hinaus zu erforschen. Er vertut also die Chance, auch als Schauspieler irgendwie auf Scarlett Johansson zu reagieren, er benutzt sie nur als Stichwortgeber für seine One-liner. Und auch die Beziehungen der anderen untereinander bleiben Behauptung, besonders die Attraktion zwischen dem verdächtigten Lord und seiner Jägerin.

          Man kann den Film mögen

          Scarlett Johansson spielt das so tapsig, wie es einer attraktiven Schauspielerin wie ihr eben möglich ist, und Hugh Jackman hat ohnehin keine Präsenz, die weit über seinen Starruhm als „X-Man“ hinausreicht. Interessant würde es erst, wenn es zwischen den beiden wirklich funken würde. Man kann natürlich auch auf solche Erwartungen pfeifen und sich einfach von der Leichtigkeit davontragen lassen, mit der Allen die Dinge in Bewegung hält, denn letztlich ist ohnehin alles nur das, wofür die Amerikaner das schöne Wort „make-believe“ haben. Wenn man glaubt, daß ein toter Reporter dem Tod ein Schnippchen schlagen kann, dann braucht man auch sonst nicht zu erwarten, daß so irdische Dinge wie Beziehungen ihre gewohnte Schwerkraft entwickeln.

          Wer also Woody Allen liebt, der wird auch diesen Film mögen, und wer mit ihm nichts anfangen kann, der ist für „Scoop“ ohnehin verloren. Was jedoch „Match Point“ auszeichnete, war die Tatsache, daß es dort anders war. Man mußte Allen nicht mögen, um ihm etwas abzugewinnen.

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