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Video-Filmkritik: „Glass“ : Wie man scheinbar Unzerstörbares zerbricht

Bild: AP

M. Night Shyamalan setzt mit „Glass“ gleich zwei seiner alten Filme auf einmal fort. Die reizvollste Szene des neuen Films hatte in „Unbreakable“ vor neunzehn Jahren keine Verwendung gefunden.

          Es war fast genau vor zwei Jahren, kurz vor dem Ende des Films „Split“ von M. Night Shyamalan, da erklang im Kinosaal eine bekannte Melodie. Das war umso bemerkenswerter, als zuvor kaum etwas Vertrautes zu sehen gewesen war. Shyamalan, eigentlich bekannt als Meister des Twists, einer Handlungswendung, die alles Vorhergehende auf den Kopf stellt – oder noch besser: erst auf die Füße –, hatte diesmal einen braven Psychothriller abgeliefert, der mit James McAvoy einen großen Star in der Hauptrolle eines an Persönlichkeitsspaltung leidenden Mädchenentführers zeigte, aber keine einzige originelle Story- oder Inszenierungsidee, nur die für Psychothriller üblichen dunklen Kellerkulissen. Immerhin sollten sie unter dem Zoo von Philadelphia angesiedelt sein, also in Shyamalans Heimatstadt, die schon den Schauplatz für dessen frühe Meisterwerke „The Sixth Sense“ (1999) und „Unbreakable“ (2000) abgegeben hatte. Und als wäre diese fürs Geschehen von „Split“ ganz belanglose Reminiszenz an die Jungstar-Zeiten des 1970 geborenen Regisseurs nicht genug, führte die Schlussszene in eine Bar, deren Besucher sich durch den zuvor entkommenen Entführer an einen anderen Psychopathen erinnert fühlen, der vor fünfzehn Jahren sein Unwesen in ihrer Stadt trieb. Als dann ein älterer Herr am Tresen dessen Namen nennt, erklingt die Titelmelodie“ von „Unbreakable“ – als unüberhörbarer Hinweis auf etwas nun doch noch Unheimliches, nämlich eine Fortsetzung, die beide Filmstoffe zusammenführen würde.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Und da ist sie nun: „Glass“. Das ist der Spottname, den seine Mitschüler dem an einer Glasknochenkrankheit leidenden Elijah Price als Kind gegeben hatten, und in „Unbreakable“ hat Samuel L. Jackson diesen an Körper und Seele verwundeten Mann gespielt, der sich zum Schluss dieses Films – und was war das damals für ein Twist! – als Massenmörder herausstellt, obwohl er zuvor alle Sympathien des Publikums gewonnen hat. Und auch die Freundschaft von David Dunn, eines einfachen Security-Angestellten, der ohne sein Wissen mit übernatürlicher Unverwundbarkeit und Körperkraft gesegnet ist. Diesen unzerbrechlichen (daher der Titel des damaligen Films) Gegenentwurf zu Elijah spielte seinerzeit Bruce Willis. Er und Jackson waren damals Superstars, heute sind sie geradezu Legenden und in „Glass“ beide wieder mit dabei. Wie auch McAvoy, dessen gerechte Strafe für die Untaten aus „Split“ ja noch aussteht. Und die für seine neuen Verbrechen in „Glass“.

          Zu Beginn hat dieser Kevin, dessen weitere 47 Persönlichkeiten auf Namen wie Dennis, Patricia, Hedwig, aber auch „die Bestie“ hören (und von McAvoy unter reichlich Grimassieren jeweils individuell gespielt werden), wieder vier Mädchen aus Philadelphia in seine Gewalt und ein Kellergewölbe gebracht. Doch diesmal hat der Großteil der Handlung überirdische Schauplätze, denn David Dunn, der dank Elijahs Bemühen am Schluss von „Unbreakable“ seine Superkräfte akzeptiert hat und sie fortan zum Wohle der Stadtgesellschaft einsetzt, begibt sich auf die Spur der verschwundenen Mädchen. Unterstützt wird er dabei von seinem Sohn Joseph, den Spencer Treat Clark vor neunzehn Jahren als kleinen Jungen spielte und nun wieder als Erwachsenen. Man kann gegen M. Night Shyamalan manches einwenden, aber nicht, das ihm seine Darsteller untreu würden.

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