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Video-Filmkritik: „Glass“ : Wie man scheinbar Unzerstörbares zerbricht

Davon lassen sich Superschurken nicht aufhalten

Einwenden muss man indes, dass der Grundeinfall von „Unbreakable“ – Elijah glaubt daran, dass Superhelden-Comics eine tiefere Wahrheit enthalten, und sucht deshalb nach Ausnahmeerscheinungen wie David – nicht für einen weiteren Film taugt. Denn nun wissen wir ja schon, dass dieser zerbrechliche Mann zur Erfüllung seines Traums über Leichen zu gehen bereit ist, und daran hat sich in den vergangenen neunzehn Jahren – der Abstand zur ursprünglichen Verfilmung entspricht dem der seitdem vergangenen Zeit im fiktiven Geschehen – ebenso wenig geändert wie an Davids unwilliger Wahrnehmung seiner Heldenrolle. Da mag Jackson seinen in einer psychiatrischen Anstalt isolierten und sedierten Mörder zunächst als noch so weggetreten darstellen, eine Überraschung ist das plötzliche Erwachen seines Killerinstinkts nicht, als nach dem ersten Viertel des Films David und Kevin in den jeweils benachbarten Zellen landen. Obwohl der mittlerweile als „Guardian“ bekannte, aber in neunzehn Jahren nie enttarnte David die vier Opfer von Kevin befreien konnte, ist er nämlich gemeinsam mit diesem festgenommen worden, weil eine ehrgeizige Psychiaterin alle Menschen, die an Superhelden glauben, von deren Wahn befreien will.

Sarah Paulson spielt diese Ärztin, deren Bemühungen natürlich vergebens sind, weil Elijah, David und Kevin es besser wissen – im Guten wie im Schlechten. Die in einem riesigen Park gelegene Nervenheilanstalt ist übrigens ein direktes Zitat aus Superhelden-Comics: Arkham Asylum, das Gefängnis für Psychopathen aus den Batman-Heften, war klar erkennbar Shyamalans Vorbild. Damit weiß man natürlich auch schon, dass diese Mauern nicht geeignet sind, gleich zwei Superschurken festzuhalten. Dass sie den Superhelden David gleich mit befreien wollen, erklärt sich aus einer anderen typischen Comic-Konstellation, die hier nicht verraten sein soll.

Leiden unter der Degradierung zum Muster

Wie überhaupt über Shyamalans Filme sprechen sie banalisieren heißt. Deshalb auch kein Wort zum diesmaligen Twist, dem es allerdings an Vorbereitung und Überraschung mangelt. Wie auch das Ensemblespiel aus drei großen Stars, die jeweils für sich (aber eben nicht in Interaktion) durchaus lustvoll charakteristische Rollen ausfüllen, und einer Riege unterbeschäftigter Nebendarsteller (Clark, Paulson, Anya-Taylor Joy, die in „Split“ das wichtigste Entführungsopfer Kevins spielte und nun als Kennerin seiner Psyche zu Hilfe gerufen wird, sowie Charlayne Woodard, die wie in „Unbreakable“ Elijahs Mutter gibt) leider keine dramaturgischen Funken zu schlagen versteht. Die reizvollste Szene des ganzen Films ist bezeichnenderweise eine, die selbst schon neunzehn Jahre alt ist und in „Unbreakable“ keine Verwendung fand: Elijahs Erinnerung an einen Jahrmarktsbesuch als Kind, der die Kinozuschauer genauso erschüttern dürfte wie ihn selbst. Da bekommt man noch einmal vorgeführt, was für ein geschickter Regisseur Shyamalan einmal war.

Aber auch die Kamera von Mike Gioulakis und die Musik von West Dylan Thordson, beide schon bei „Split“ dabei, halten den Vergleich mit ihren Vorläufern in „Unbreakable“ nicht aus. Shyamalan betreibt – darin durchaus comicgemäß – mit der Zusammenführung seiner beiden älteren Filme zum neuen etwas, was man universe building nennt: die Integration verschiedener Figuren und Handlungsfäden in ein erzählerisches Kontinuum. Das ist das Erfolgsrezept der Superhelden-Comics und mehr noch ihrer Verfilmungen. Allerdings nur, so lange wir von Mainstream reden. Als singulär wahrgenommene Leistungen können unter einer solchen Fortsetzung und damit Degradierung zum Muster nur leiden. Und die, die sich an die ursprüngliche Geschichte noch erinnern, sie geliebt haben, leiden mit.

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