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Film der Woche : Am Rande des Kitsches: „Pakt der Wölfe“

  • -Aktualisiert am

Film-Trailer zu "Pakt der Wölfe" Bild: Helkon

"Pakt der Wölfe" - ein sonderbarer Gruselfilm, der in Frankreich spielt und wo ein Indianer Karate kann.

          Alles ist möglich in Fantasie-Filmen, denn sie müssen nicht den Regeln unserer Welt folgen.

          Das macht das Genre so attraktiv für seine Fans, bietet es doch die Möglichkeit des absoluten Abschaltens. Nicht zwingend verlangt die lustvolle Rezeption des total Erdachten auch das Abstellen unserer Denkfähigkeit. Die Ausbreitung eines erfundenen Kosmos' kann den wachen Verstand beschäftigen, wenn darin eigene Regeln, Plausibilität und Wahrscheinlichkeit vorherrschen.

          In der gallischen Provinz des 18.Jahrhunderts, die der französische Regisseur Christophe Ganz entwirft, herrscht jedoch die willkürliche Zusammenführung von Zitaten. Der Film gleicht einem Eintopf aus den Abfällen der Kinohits vergangener Jahre. Die Landbevölkerung beherrscht die "Martial Arts" des fernen Ostens (sie wurden für die Filmaufnahmen von einem Stunt Koordinator aus Hong Kong trainiert), und die Geschichte labt sich an Washington Irvings „Sleepy Hollow“, wie sie Tim Burton 1999 in seiner gleichnamigen Verfilmung gesehen hat. Einige Teile, wie der edle Wilde, ein indianischer Schamane und sein weißer Bruder, erinnern eher an die Winnetou-Filme der 50er Jahr, und so geht es weiter.

          Der Fahnder in „Pakt der Wölfe”

          Dem Film liegt eine Legende aus der Geschichte Frankreichs zu Grunde: In der Gegend von Gevaudan wurden, so die Überlieferung, über 100 Menschen von einer unbekannten Bestie zerfleischt. Im Auftrag des Königs tritt nun der Philosoph Gregoire de Fronsac (Samuel le Bihan) auf, er ist ein Vertreter der Aufklärung und will dem herrschenden Aberglauben entgegen treten, wonach eine Art Werwolf sein Unwesen treibt. Im Auftrag des Königs soll er das Problem der Mordserie lösen.

          Der Mann der in Begleitung seines indianischen Freundes (Mark Dacascos) reist, wird erst einmal am Tisch der Landadeligen landen, was nun reichlich Gelegenheit für Gespräche und Platz für die Anbahnung einer Liebesgeschichte bietet.

          Vernunftbegabte und Abergläubische

          Die Widersacher führen sich hier gesprächsweise als Kämpfer zwischen Aufklärungsfortschritt und düsterem Mittelalter ein. Es entspinnt sich jene Art von Dialogen über Vernunft und Aberglaube, wie man sie auch in manchen historischen Romanen findet. Sie erlauben auch halbgebildeten Zuschauern und Lesern, nachher halbschlaue Gespräche über Volksmärchen und ihre Interpretation zu führen.

          Nachdem nun der Tribut an den "Small Talk" geleistet worden ist, kann es los gehen. Gesucht und gejagt wird jetzt der Riesenwolf, der die vielen Menschen auf dem Gewissen hat. Auf dem Weg zur Lösung begegnen die Jäger Politik und Intrigen. So wird etwa ein Wolf erlegt und als Täter zurecht gemacht, um den König zufrieden zu stellen.

          Und immer wieder treffen sie auf Situationen, die die Beschäftigung eines Kampfkunst-Spezialisten aus Hong Kong rechtfertigen. Dann wieder wird der Indianer seine Zauberkünste demonstrieren. Auch die erotische Seite kommt nicht zu kurz, denn es werden auch ein paar Bordell-Szenen durchgespielt, was besonders für die Ausstatter eine Freude gewesen sein muss. Wenn dann gegen Ende das ulkige Monster gefunden wird, hat man tatsächlich längst abgeschaltet. Die Sinne schlafen. Soviel Fantasie ermüdet, so schnell, wie Phantasie es nie könnte.

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