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„Die Eiskönigin 2“ im Kino : Schneepferdchenwiehern und andere Tricks

Bild: AP

Niemand muss einem fixen Lebensplan gehorchen, auch keine Regentin: Disneys „Eiskönigin 2“ ist Magie und Technik, sprich Schönheit. Nicht nur Millionen Mädchen warten darauf.

          7 Min.

          Die Kinopublikumsmehrheit will Trickfilme. Manche dieser an den Kassen maßlos erfolgreichen Produktionen legen zwar noch nahe, ihre Tricks wären nur zur Unterstützung handwerklich brav breitgewalzter Superheldenbombastik oder aus den Siebzigern herüberwehender „Star Wars“-Sternenstürme da, also lediglich Hilfsmittel. Der Griff nach der unumschränkten Komplettkontrolle über Bild und Ton aber, der in jedem Filmtrick steckt wie der Weltbrand im Atomkern, beherrscht das Kino der Gegenwart insgesamt. Wer sollte die Uhr zurückdrehen? Man kann Momente nicht einfrieren, bekennt Königin Elsa im Computertrickfilm „Die Eiskönigin 2“. Dieser Seufzer ist ihr Schlüssel zur Zukunft.

          In Elsas Reich Arendelle werden Wohlfahrt und Fortschritt sowohl mit Technik als auch mit Magie gefördert; Kinder kriegen hier nicht nur Zuckerkringel als Geschenke, sondern auch mal wissenschaftliche Messinstrumente. Im Vorgängerfilm „Die Eiskönigin“ ging’s noch darum, wie Technik und Magie den Menschen zwischen Liebe und Verwandtschaft helfen, ihren Ort im Leben zu finden („Königin“ zum Beispiel). Zwei Mädchentemperamente mussten lernten, einander zu ergänzen: die äußerlich kühle, innerlich vor Leidenschaft lodernde Elsa und ihre Schwester Anna, Schwarmgeist, Wildfang, treue Seele. Die Fortsetzung verallgemeinert das – zwei Zivilisationen stehen auf dem Spiel, die moderne von Arendelle und die archaische von Northuldra. Die Schicksale beider Gemeinschaften sind miteinander verzopft. In einem verwunschenen Wald ist etwas vorgefallen, an das sich die Nachfahren unterschiedlich erinnern – Konflikt, Verrat? Die beiden Königstöchter müssen die Wahrheit aus Schneeskulpturen lesen: Pferd, Soldat, Bildnis der Eltern… Ein Felsentroll erklärt: „Die Vergangenheit ist nicht, was sie zu sein scheint.“

          Neue Zeitverhältnisse greifen aus dem Kino nach anderen Medien

          Vorgeschichte und Fortsetzung begrenzen das Erzählte hier als Doppelspiegel. Ältere Kinobegeisterte, kreative wie kritische, verkennen solche Konstellationen, die heute oft „Franchise“ heißen, gelegentlich als Produkte mangelnder erzählerischer Innovationskraft. Zeitverhältnisse von Medien aber, die sowohl größere Gedächtnisspeicher als auch breitere Kanäle fürs Neue besitzen als alle alten, führen das Publikum nicht immer im Kreis an der Nase herum, sondern erweitern und vertiefen das Erzählen im interessantesten Fall spiralförmig. Die Idee dahinter heißt „Immersion“: Eine Story soll diejenigen, die von ihr verzaubert werden wollen, allseitig umzingeln. In der Comicbranche hat das der Spiritus Rector von Marvel, Stan Lee, in den Sechzigern durchgesetzt, im Fernsehen oder dem, was das Netz davon übriggelassen hat, ist es heute das oberste Produktionsprinzip.

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