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Video-Filmkritik : Nicht jedes Werkzeug ist ein Hammer

Zugang über die Schrift der Fremden

In dem Anzug steckt Amy Adams in der Rolle der Louise Banks, und sie sieht das genauso. Als sie das Raumschiff der Fremden zum zweiten Mal betritt und merkt, dass sie keinerlei Fortschritte erzielt, schält sie sich aus dem unförmigen Anzug, nimmt den Helm ab und läuft auf die gläserne Wand zu, die sie von den langgliedrigen Gestalten mit den fünf Beinen aus dem All auf der anderen Seite der Glaswand trennt. Sie drückt ihre Hand ans Glas, und kurz darauf legt sich klatschend eine Alien-Hand von der anderen Seite neben ihre.

„Eine angemessene Vorstellung“, nennt Louise das, und obwohl sie sich die Haare gerauft hatten, als sie sich auszog, sehen die Herren vom Militär es schließlich genauso. Ian Donnelly, den Jeremy Renner zurückhaltend und erwachsen mit einigem Humor spielt, ist sowieso hingerissen von dieser Frau, die er lange zu kennen meint, obwohl er sie gerade erst getroffen hat. Louise benutzt, was sie über Sprache weiß, um die Fremden verstehen zu lernen und sich ihnen verständlich zu machen. Ian benutzt mathematische Formeln. Sie sind ein brillantes Team. Und mit der Idee, nicht die Sprache selbst, die sie nicht verstehen und nicht in handliche Elemente zerlegen können, sondern die Schrift der Fremden zu entziffern zu versuchen, kommen sie gemeinsam einem Verständnis näher.

Alles eine Frage der Übersetzung

Das meiste, was in diesem Film „Aktion“ zu nennen wäre im Sinn von: Leute rennen herum, es wird geschossen, geschrieen, geraubt, die Polizei greift ein - spielt sich im Fernsehen ab: in den Nachrichten von den anderen Landeorten, an denen ebenfalls Wissenschaftler daran arbeiten herauszufinden, was es mit den Raumschiffen und ihren Insassen auf sich hat. Was sie wollen, was sie erwarten, warum sie überhaupt da sind. In Sendungen mit Breaking news erfahren wir von Plünderungen, Fluchtbewegungen, Zusammenstößen zwischen verschiedenen Gruppen. Aber in Montana, wo wenige Menschen leben und die wenigen offenbar friedlich sind, passiert nichts Vergleichbares. Am Ende ist es ein Wettlauf mit der Zeit, die Sprache zu entschlüsseln. Denn es scheint ein Missverständnis zu geben, das die Chinesen wörtlich und zum Anlass weitreichender Kriegspläne nehmen.

Alles eine Frage der Übersetzung. „Waffe“ etwa ist ein gefährliches Wort. „Wähle Waffe“ - bedeutet das eine Kriegserklärung? Muss auf diesen Satz mit Bomben und Artillerie geantwortet werden? Oder ist eine Waffe in der Alien-Sprache gar keine Waffe?

Ein Sog in eine andere Welt

Wenn man einem Affen zum Beispiel nur ein Werkzeug gibt, und das ist ein Hammer, ist alles andere: Nägel. So versucht Agent Halpern, von Michael Stuhlbarg als eine Art bad cop dem good cop Whitacker gegenübergestellt, sich die Sache zu erklären, obwohl er unbedingt dafür ist, das Ganze nicht allzu genau zu nehmen und sicherheitshalber die Raumschiffe an all ihren Standorten in der Welt zu Staub zu bomben. Falls das gelänge, was keineswegs ausgemacht ist.

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Die „Waffe“ ist am Ende etwas viel Größeres. Eine Sprache, in der wir wissen, wann wir (und unsere Liebsten) sterben werden. Aber deren Tod ist nicht das Ende zwischen uns und ihnen. Als hätte jeder von uns einen Klumpen Zeit, der sein Leben ist, und in diesem Klumpen mischen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, bis der Klumpen völlig ausgefüllt ist. Ist eine solche Vorstellung nicht ein riesiges Geschenk?

Der Kameramann Bradford Young hat den Film mit angemessener Melancholie in grau-graues Licht getaucht, in dem die hoch aufgerichteten pechschwarzen Raumschiffe in ihrer elliptischen Form monolithartig zwischen Himmel und Erde zu schweben scheinen. Es ist ein verführerisches Licht, ein Sog in eine andere Welt - nicht weit weg von unserer, sondern eine neue Dimension in ihr. Wenn man die Sprache beherrscht, um sie wahrzunehmen.

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