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Video-Filmkritik zu „Detroit“ : Was damals im Motel Algiers geschah

Bild: dpa

Kathryn Bigelow will mit ihrem Film „Detroit“ über die Unruhen 1967 so nah an die Wirklichkeit wie möglich. Dazu ist ihr jedes Mittel recht. Erlaubt sind sie alle. Aber ist auch jedes Mittel sinnvoll?

          Detroit 1967 – es gab einmal eine Zeit, da wusste zumindest in den Vereinigten Staaten jeder, was damit gemeint war – schwere Rassenunruhen, nach einer Woche 43 Tote, ein skandalöser Vorfall in einem Hotel (genannt „The Algiers Motel Incident“) am 25. Juli, in dem eine Gruppe Schwarzer mit zwei weißen Frauen von Polizisten gequält, manche zum Schein exekutiert und drei Teenager tatsächlich erschossen wurden. Keiner der Hotelgäste war bewaffnet. Es gab einen Prozess.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Was tatsächlich in jener Nacht im Hotel Algiers geschah, ließ sich vermeintlich nicht aufklären. Keiner der Polizisten jedenfalls ging ins Gefängnis, alle wurden freigesprochen. Wir haben ähnliche Berichte von ähnlichen Ereignissen seitdem immer wieder gehört, immer wieder Nachrichten von Tötungen Unbewaffneter erhalten, immer wieder zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Täter unbelangt die Gerichtssäle verließen. Nun erzählt uns Kathryn Bigelow in ihrem neuen Film „Detroit“ die alte Geschichte aus Detroit, und sie erzählt sie so, dass wir ihre Bestürzung darüber spüren können, wie wenig sich geändert hat. Und hören. „It Ain’t Fair“, eine Art Gospel-Rap von Bilal mit den Hip-Hop-Künstlern The Roots. Das Stück dürfte bei der einen oder anderen Preisverleihung der Saison zur Aufführung kommen.

          Ausgangssperre im Motel Algiers

          Der Film beginnt mit einer Leihgabe – mit der Bilderserie „The Migration Series“ von Jacob Lawrence aus den Jahren 1940/41, die für diesen Film in Bewegung versetzt, das heißt animiert wurde. Der Zug der Schwarzen bewegt sich hier tatsächlich, und dazu spricht Henri Louis Gates Jr. einen Text, der den Bildern und dem Film den historischen Kontext liefert. Man darf das als Legitimationsmaßnahme verstehen. Wobei die Frage, wie sinnvoll es ist, aus einem inzwischen weithin vergessenen und bisher nicht gründlich durchleuchteten historischen Ereignis auf der Grundlage weitreichender Recherchen von Mark Boal einen Spielfilm zu machen, davon unberührt bleibt.

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          Am Anfang der Handlung steht eine Razzia bei einer Party in einem Club, der keine Alkohollizenz hat. Die Gäste werden verhaftet, abgeführt, auf der Straße schnellstmöglich in Polizeiwagen verfrachtet, denn kaum heulen die Sirenen, versammeln sich Nachbarn und Bewohner der Viertels von weiter weg, um erst zu schauen, dann zu protestieren, dann Steine zu werfen. Die Lage eskaliert. Denn Unruhen herrschen sowieso bereits in der ganzen Stadt, vor allem in den Vierteln mit überwiegend schwarzen Bewohnern.

          Andernorts in Detroit, in einer Musikhalle, bereiten sich die Dramatics auf ein Konzert vor. Agenten von Motown sollen im Publikum sitzen, dies könnte die große Chance sein, auf die sie hingearbeitet haben. Aber wegen der eskalierenden Unruhen wird das Konzert kurz vor dem Auftritt der Dramatics unterbrochen. Zwei der Musiker landen schließlich im Algiers Motel. Es herrscht Ausgangssperre. Im Motel ist Party.

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